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Langlingen Oldtimer werden fit für den Acker
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19:14 25.01.2019
Hans-Hermann Höner leitet den Familienbetrieb in Hohnebostel in vierter Generation. Quelle: Benjamin Behrens
Hohnebostel

Feine Schneeflocken wehen über die Straße, sonst bewegt sich nicht viel. Langlingens Ortsteil Hohnebostel hält um halb zehn offenbar Winterschlaf. Eine australische Fahne wiegt sich an einem Mast im Wind. Auf diesem Grundstück an der Schmiedestraße steht zudem eine echte Rarität: eine gelbe Telefonzelle, längst nicht mehr angeschlossen. Telefoniert wird hier nicht, dafür dient eine rote Elf auf der Scheibe als Hausnummer.

So ruhig es im restlichen Ort ist, auf dem Grundstück Nummer sechs herrscht Betriebsamkeit. Hans-Hermann Höner betreibt dort „Höner Land- und Gartentechnik“. Der Landmaschinenmechaniker ist zum Termin beim Kunden. Paul, einer der treuesten Mitarbeiter, hütet das Büro. Der Labradormischling hat es sich vor einem Regal mit Trecker-Modellen gemütlich gemacht und ein wachsames Auge auf die Eingangstür. Verjagt wird hier kein Kunde, aber Kläffen ist hier die biologische Alternative zur Türklingel.

„Ich brauch‘ was
zum Schrauben“

Geselle Kevin Gerloff werkelt an einem Lastwagen mit Kran, der um kurz nach 8 Uhr morgens reinkam. Ein Steinmetz hebt sonst mit dem mechanischen Lastenarm Grabsteine von der Ladefläche, jetzt läuft aus dem Kran Hydrauliköl aus. „Der muss komplett zerlegt werden. Die wichtigen Teile liegen halt innen“, sagt Gerloff. Irgendwo ist eine Dichtung oder Leitung undicht, die Fehlersuche beginnt. Sollte einer der Hydraulikschläuche undicht sein, kann es sogar gefährlich werden, weiß der Fachmann. „Da sind ja auch Drücke von 70 bis 80 bar drauf. Wenn so ein Schlauch platzt, kann man sich ganz schnell die Radieschen von unten angucken“, sagt der Mechatroniker trocken.

Auf dem Meisterbrief seines Chefs – er hängt im Büro über der Tür – steht "Landmaschinenmechaniker". Inzwischen wird zum „Mechatroniker Land- und Baumaschinentechnik“ ausgebildet. Viel Elektronik ist dazugekommen, oft ersetzt Diagnosesoftware den erfahrenen Blick. Für den 23-Jährigen war klar, worauf er sich einlässt. „Ich brauche was zum Schrauben, ein Bürojob ist nichts für mich“, sagt der Hohnebosteler, der kaum 600 Meter bis zum Job gehen muss.

Zwischen Oldtimer und Hightech-Elektrik

In der Werkstatt vermischen sich die Zeiten. Ein alter Trecker der „International Harvester Company“ – Sitz in Neuss am Rhein – steht ohne Motor in der Halle. Baujahr 1959. Das US-Unternehmen existiert seit 1985 nicht mehr, Ersatzteile sind entsprechend rar. Alte Werbetafeln werben mit „Panther Power“ und „Startkraft aus Deutschland“. Friedhelm, der Vorname muss reichen, schlägt sich mit einer Bohrmaschine herum. Arbeitslicht anschalten geht noch, bohren nicht. Durchgemessen hat der Elektroniker das Gerät bereits, jetzt baut er ein wahrscheinlich defektes Steuerungsgerät aus. „Der Chinese rückt ja auch keine Schaltpläne raus“, sagt der 60-Jährige. Jetzt wird das Bauteil zerlegt. „Aber nicht hier, das ist mir zu kalt“, sagt Friedhelm und macht sich auf zu seiner Werkstatt.

Höner ist vom Kunden zurück, Paul kommt angelaufen, um ihn zu begrüßen. Im Verkaufsraum stehen Aufsitzrasenmäher, Kettensägen hängen an einem Baum, Ersatzteile liegen sauber sortiert im Regal.

Neben der Eingangstür fällt Höners Ahnengalerie ins Auge: „Das ist ein Familienbetrieb in vierter Generation.“ Urgroßvater und Schmiedemeister Hermann Schulze hat ihn gegründet, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine erhaltene Rechnung stammt von 1907, Esse und Amboss sind auch noch vorhanden. Der aktuelle Name zog mit Großvater Hermann Höner ein. 1996 hat Hans-Hermann Höner das Geschäft von seinem Vater Hermann übernommen. „Von meinen zwei Mädchen will es keine übernehmen“, sagt der 56-Jährige. „Was nützt es einem, wenn ich sie reinzwänge“, sagt Höner.

Von Benjamin Behrens

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