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Wienhausen Housekeeping ist im Hotel am Kloster Aufgabe der Behinderten
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Housekeeping ist im Hotel am Kloster Aufgabe der Behinderten
13:33 13.06.2010
Stefanie Kretzer, Nadine Deiters und Meikel Stegemann (von links) arbeiten im Houskeeping des neuen Hotels am Kloster in Wienhausen. Quelle: Joachim Gries
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Wienhausen

„Manchmal habe ich einen unmöglichen Ton drauf“, stellt Meikel Stegemann selbstkritisch fest. Dann ertappe er sich dabei, ein bisschen Chef sein zu wollen, sagt der 28-Jährige. Kein Wunder, denn er ist am längsten dabei und weiß einfach besser, was zum Housekeeping in einem guten Hotel dazu gehört als seine jüngeren Kollegen.

Stegemann ist einer von zehn Mitarbeitern mit Behinderungen, die im neuen Hotel am Kloster in Wienhausen und im Hotel Blumlage in Celle beschäftigt sind. Zwei arbeiten in Vollzeit, die anderen acht in Teilzeit. Die Hotelbetriebsgesellschaft ist eine Tochterfirma der Lebenshilfe Celle, das Unternehmen eröffnet den Betreuten in der Lebenshilfe die Chance, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, einem Beruf nachzugehen, der richtig bezahlt wird.

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„Wir sind für die Zimmer zuständig“, sagte Nadine Deiters. „Wir machen die Betten und putzen die Bäder.“ Doch das ist längst nicht alles. Sie sind auch für die Flure verantwortlich, reinigen den Frühstückraum, wischen und saugen, putzen Staub. Und packen zu, wo Not am Mann ist.

Und alle Arbeiten müssen gewissenhaft erledigt werden. „Wir wissen, dass der Gast nicht wiederkommt, wenn er nicht zufrieden war“, sagt Iris Höft, Chefin beider Hotels. Deshalb werde sehr viel kontrolliert. „Die wissen schon: ,gleich gibt’s wieder Mecker,“ sagt sie. Doch durch die Wiederholung präge sich ein, dass nichts vergessen wird und auch der Spiegel oder die Armatur glänzen. „Und sie machen das sehr, sehr gut“, lobt Höft.

Stegemann begann vor drei Jahren im Hotel Blumlage. „Da habe ich gelernt, was Hygiene wirklich heißt“, sagte er. Vorher hatte er im Gartenbereich der Lebenshilfe gearbeitet. Die Umstellung war gar nicht so einfach. „Das lag mir anfangs gar nicht“, sagte er rückblickend.

Noch ist er von der Lebenshilfe ausgeliehen, hat aber die Chance, in die Hotelbetriebsgesellschaft zu wechseln und dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dazu sind noch ein paar bürokratische Hürden zu nehmen. Zurzeit trägt er sich mit dem Gedanken, von Winsen nach Celle zu ziehen, denn mit dem Bus kann er gerade am Wochenende seinen Arbeitsplatz nur schwierig erreichen. Da hat es Stefanie Kretzer einfacher, sie kommt per Fahrrad von Langlingen zum Hotel am Kloster.

Ob es ungewöhnlich sei, als Mann im Housekeeping zu arbeiten, diese Frage habe er sich noch gar nicht gestellt, sagt Stegemann. Und Höft sieht auch keinen Unterschied zwischen den beiden Männern und den acht Frauen, die sie beschäftigt.

Als Praktikanten kommen die Behinderten von der Lebenshilfe ins Hotel und schauen sich an, ob ihnen die Arbeit überhaupt gefällt. Die älteren Kollegen zeigen ihnen, was zu tun ist. Und die Arbeit ist anstrengend und umfangreich. Vom Bettenbeziehen bis zur Reinigung, vom Gardinenwaschen bis zur Kontrolle der Minibar gehört beim Housekeeping alles dazu.

Zwischen der Abreise der Gäste und der Ankunft der neuen bleibt oft nicht viel Zeit. „Wir arbeiten ohne Zeitdruck. Aber es muss fertig werden“, sagt Höft. Die Mitarbeiter müssten sich wohlfühlen. Für die Lebenshilfe stehe nicht der Profit im Vordergrund. „Wir geben uns 20 bis 30 Minuten für ein Zimmer“, sagt Stegemann. Sind beide Hotels komplett belegt, sind 101 Betten zu machen. Im Schnitt arbeiten die Behinderten 5,5 Stunden am Tag, dann ist Freizeit angesagt.

Keiner ist einem Haus fest zugeordnet, der Dienstplan ist von der Belegung der beiden Häuser abhängig. Und für alle Beschäftigten, ob in der Rezeption oder im Café gilt, sie sollen alles kennen und sich zurechtfinden.

In den letzten Tagen war im Hotel am Kloster richtig viel zu tun, denn das Bettenhaus wurde erst am Mittwoch von den Handwerkern geräumt. Und am Donnerstag waren 16 Zimmer gebucht. Heute Mittag wird das Kloster-Kaffee offiziell eröffnet. Da war jede Hand gefragt.

„Viele Gäste finden das gut, dass bei uns Menschen von der Lebenshilfe arbeiten“, sagt Höft. Die meisten reagieren freundlich darauf. Dass sie sich im Hotel am Kloster wohlfühlen werden, daran hat Stegemann keinen Zweifel. „Ich bin schwer beeindruckt, was hier geboten wird“, sagt der 28-Jährige.

Stefanie Kretzer, Meikel Stegemann und Nadine Deiters (von links) sorgen dafür, dass sich die Gäste im Hotel am Kloster wohlfühlen. Foto: Gries

Von Joachim Gries