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Wienhausen Kabarett-Abend mit Klassenzimmer-Atmosphäre
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Kabarett-Abend mit Klassenzimmer-Atmosphäre
22:11 08.10.2017
Quelle: Michael Schäfer
Bockelskamp

„Es wird besser“, versprach der Pädagoge der Stunde dem trotz des „Schietwedders“ recht zahlreich nach Bockelskamp gekommenen Publikum. Ob damit nicht nur eine meteorologische Prognose gemeint war, bleibt dahingestellt. Das Fazit aus gut zweieinhalb Stunden Fachunterricht in Sachen Bildungslage der Nation klang eher nach „Schlimmer kann es kaum noch werden“. Und gleich schiebt er mit der Klassenlehrerfrage „Wer meldet sich freiwillig und kommt nach vorn?“ noch einen nach, damit seine Schäfchen ins rechte Klassenzimmerfeeling finden – denn „Lehrer lieben Angstschweiß“.

Dann aber die Entwarnung: Beim Lehrer Weininger gibt es weder Ausfragen noch Nachsitzen. Dafür startet er zu einem umfassenden Streifzug durch alles, was Bildung dicht oder im Entferntesten berührt: von Kindergarten und Schultüte über allgemeine Schulpflicht, „digitalen Analphabetismus“, Lern- und Lehrverhalten samt curricularer Lehrpläne bis hin zum bildungsreduzierten, wirtschaftsorientierten Leistungswahn, dem „Akademisierungswahnsinn“. Weininger geht mit Lehrern und Eltern gleichermaßen ins Gericht, prangert „Überempfindlichkeit“ und falsch-ehrgeizige Zielsetzungen an.

Wie viel theoretisiert und wie wenig offensichtlich gedacht wird bei den Konzepten von dem, was in hiesigen Klassenzimmern und Vorlesungen in Sachen Bildung passieren soll, taugt (zu einem thematischen Berg zusammengetragen) für den Hinterfragenden nur noch für den Scheiterhaufen. Der immer wieder aufbrandende Beifall unterstreicht Weiningers spöttisch-süffisante Anmerkungen, Feststellungen und Anklagen.

Aber was bleibt zu tun gegen frühkindlichen Leistungsdruck, sozial privilegierte Schulzweigempfehlungen, Aussortiermechanismen, Abiturwahn und Facharbeitermangel (dank unattraktiv gemachter praktischer Ausbildungsvarianten)? Nach wortgewaltigen Szenarien, Beispielen, Ausflügen in die Politik und spitzfindigen Anekdoten bleibt der Kabarettist eine finale Antwort nicht schuldig: „Akzeptanz oder Widerstand!“ – man müsse sich entscheiden. Und wegen des illusorischen Hoffens auf Vernunft gibt er seinem Publikum noch ein paar anarchistische Vorschläge des Widerstands mit auf den Weg – samt Zugabe eines wunderbaren Einblicks in sein frohnatürliches kölsches Leben.

Von Doris Hennies