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Wienhausen Lausbübischer Schalk und kratzbürstige Feinheiten
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Lausbübischer Schalk und kratzbürstige Feinheiten
18:06 27.06.2010
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Wienhausen

Das erfrischend unkonventionell auftretende Quartett „Salut Salon“ ist anders als andere: Frech, verspielt, virtuos und sexy und meilenweit entfernt von bravem Akademismus versetzten Anne von Twardowski (Klavier), Iris Siegfried (Geige, Gesang), Sonja Lena Schmid (Violoncello) und Angelika Bachmann (Geige) mit ihren geradezu aufputschenden dynamisch-agogischen Eigenmächtigkeiten das Publikum in stürmische Wellen der Begeisterung.

Das Programm dieses quietschfidelen Powerfrauen-Quartetts bot ein gelungenes Cross-Over zum großen „U“, zumal diese aufgeschlossenen, klassisch ausgebildeten Künstlerinnen den Mut zeigten, quasi mit den großen Komponisten zu flirten, ohne deshalb den Respekt vor ihnen aufzugeben. Eindrucksvolle Beispiele dafür lieferten sie etwa bei Liszts „Liebestraum“ (mit Puppe „Oskar“ als Klavierpartner) und dem „Donauwalzer“ von Strauß und nicht zuletzt bei dem herrlich tapsigen Ballett der schlüpfenden Küken in ihren Eierschalen aus Mussorgskis „Bildern einer Ausstellung“. Und selbst Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“ wurden bei ihnen zu einer Demonstration musikalischen Wortwitzes. Die unglaubliche Geschliffenheit ihrer Vorträge wurde vor allem dann offenkundig, wenn sie bei gemächlicheren Tempi scheinbar innehielten, um überschüssige Bewegungsenergie entweichen zu lassen, etwa beim Piazzolla-Klassiker „Adiós Nonino“.

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Mit lausbübischem Schalk und kratzbürstigen Feinheiten, leidenschaftlich und prickelnd wie Champagner begeisterten sie bei ihrem Mix aus Klassik, Pop und Chanson mit mitreißendem Entertainment und einer entfesselten und gleichzeitig immer kontrollierten Virtuosität – ein Feuerwerk an feinmotorischer Akrobatik. Nahtlos bewegten sie sich zwischen graziöser Eleganz und slapstickhaftem Stolpern, zwischen kokettem Liebreiz und erfrischender Komik, dazu kam eine raffiniert kalkulierte Unschärferelation zwischen Melodie und Rhythmus, die ihrer Musik unglaublich schillernde Farben verlieh. Ein musikalischer Vergnügungspark für das Publikum.

Von Rolf-Dieter Diehl