Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Wienhausen Rückkehr in den Kita-Alltag
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen

Rückkehr in Kita-Alltag: Rotes Kreuz zieht Zwischenbilanz nach Lockdown

17:57 04.08.2020
In der DRK-Kindertagesstätte Bockelskamp ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Quelle: Anke Schlicht
Anzeige
Flotwedel

„Wir sind hier Bullerbü, unsere Idylle ist gestört worden.“ Mit diesem Satz beschreibt die Erzieherin Daniela Bonorden die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die von ihr geleitete kleine DRK-Kindertagesstätte Bockelskamp in der Samtgemeinde Flotwedel und findet gleichermaßen die richtigen Worte für die Auswirkungen der Krise auf die Kleinsten der Gesellschaft im übergeordneten Sinn. So etwas hatte zuvor niemand erlebt, von einem Tag auf den anderen durften die Kita-Kinder nicht mehr in ihre Einrichtungen, die für sie ein wesentlicher Bestandteil ihres gewohnten Lebens sind, nicht mehr auf den Spielplatz, nicht mehr zu den Freunden nach Hause.

Wie verkraften die Jungen und Mädchen einen solchen Einschnitt? Seit Ende Juni ist der Alltag in den seit Mitte März auf Notbetreuung heruntergefahrenen Betrieb weitgehend zurückgekehrt. Gegen Ende des außergewöhnlichen Kindergartenjahres 2019/20 lässt sich für die vom DRK-Kreisverband Celle getragenen Institutionen ein Fazit ziehen. „Die Kinder kamen sehr selbstbewusst zurück“, fasst die unabhängige Kita-Fachberaterin Heike Oklitz das Ergebnis ihrer Gespräche mit den Pädagoginnen vor Ort zusammen. Gerechnet hatte sie damit nicht: Die schlimmsten Befürchtungen sahen vernachlässigte, möglicherweise verstörte Kinder voraus.

Anzeige

"Eltern haben zu Hause phantastische Arbeit geleistet"

Nichts davon traf zu – die vom Vorstand des Kreisverbandes gegründete Arbeitsgruppe, die diese Folgen hätte auffangen sollen, wurde wieder aufgelöst. „Jede Leitung sagt, sie kämen mit viel Souveränität in den Alltag zurück“, zitiert Oklitz die DRK-Mitarbeiterinnen. „Die Eltern zu Hause haben eine phantastische Arbeit geleistet. Sie haben das Thema gut besprochen, die gewonnene Zeit mit den Kindern genutzt“, lobt die Pädagogin. Dieses als Überlegenheit der rein häuslichen vorschulischen Erziehung zu werten, wäre jedoch ein Trugschluss: „Die Kinder wollten unbedingt wieder herkommen“, betont die Leiterin des vergleichsweise großen DRK-Kindergartens „Räuberhöhle“ in Wienhausen. Wichtig war die Überbrückung in den Wochen des Lockdowns durch Kontaktpflege. Hier entwickelten alle Mitarbeiter große Kreativität. Das Team um Daniela Bonorden ließ Postmappen mit kleinen Aufgaben, Malblättern, Briefen an die Eltern und kleinen Geschenken hin- und herwandern zwischen dem Zuhause und der Kita. Kommuniziert wurde auch über Plakate in den Fenstern und Glastüren. „Die Kinder haben uns vermisst und wir sie“, berichten Denise Mußmann und Daniela Bonorden, die ergänzt: „Manche sind jeden Tag in Begleitung hier vorbeigegangen. Die haben gespürt, dass etwas anders ist.“

Ein Stück Alltag aufrecht erhalten

Durch die „Fernbetreuung“ wurde ein Stück des gewohnten Alltags mit den wichtigen Bezugspersonen aufrechterhalten. Auch Denise Mußmann hat das Selbstbewusstsein beobachtet, das die Drei- bis Sechsjährigen nach der Hochphase von Corona kennzeichnet. Auf die Frage, wie eine solche Veränderung zu deuten sei, sagt sie: „Das ist so ein Mischmasch, einerseits haben wir uns gegenseitig sehr vermisst, andererseits hat ihnen die Zeit mit ihren Eltern aber auch gutgetan.“ Eine andere Beobachtung haben Evangenia Tsiouma und Marcel Berridge gemacht. Die beiden Erzieher waren die gesamte Corona-Phase über in der Notbetreuung im Einsatz: „Kleine Gruppen tun den Kindern gut“, sagt der junge Pädagoge. Die Ungewissheit der Situation, die Umsetzung und Einhaltung der neuen Regeln bezeichnet er als die größten Herausforderungen zu Beginn. Mittlerweile sind Abstandhalten und Händewaschen kein Problem mehr. „Die Kinder lieben Wasser“, erläutert Evangenia Tsiouma, wie leicht die Händereinigung spielerisch zu integrieren ist. Aus Sicht der jungen Erzieherin hat die Corona-Zeit auch etwas Gutes gehabt: „Wir sind als Team stärker zusammengewachsen und haben mehr Wertschätzung von den Eltern erfahren und unter den Kindern haben sich in den kleinen Gruppen während der Notbetreuung andere Beziehungsgeflechte entwickelt.“

Krise mit Einfallsreichtum gemeistert

Expertin Heike Oklitz lobt ausdrücklich die geleistete Arbeit in den Einrichtungen: „Die Krise wurde mit großem Einfallsreichtum gemeistert. Die Herausforderung hat die Kita-Leiterinnen zu Krisenmanagerinnen gemacht“, betont Oklitz. Nicht völlig zufrieden ist die Pädagogin mit der Hilfestellung von Seiten der Landesregierung, die beispielsweise Anfang Mai „Leitplanken zum Hochfahren des Kita-Betriebs“ herausgab: „Da steht viel drin, was im wahren Leben gar nicht umsetzbar ist. Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Ministerium stärker mit der Basis rückkoppelt.“

Hinsichtlich der unbeschadeten und sogar selbstbewussteren Rückkehr der Kinder in ihre gewohnten vorschulischen Bildungseinrichtungen bilanziert Oklitz: „Kinder arrangieren sich sehr schnell und einfach mit neuen Situationen, sie haben eine hohe Resilienz und sie benötigen zur Selbstbildung Gleichaltrige“, erläutert sie und schließt mit einer Aussage, die die beste Voraussetzung für ein Bullerbü überall dort, wo die Kleinen als Große einmal wirken werden, sein kann: „Die Eltern-Kind-Bindung macht die Kinder stark. Eltern sind die Experten für ihr Kind.“

Von Anke Schlicht

Christoph Zimmer 13.07.2020
Carsten Richter 07.07.2020
Carsten Richter 03.07.2020