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Wienhausen Nur Druckkammer rettet Rentner erneut das Leben
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Nur Druckkammer rettet Rentner erneut das Leben
18:32 22.02.2019
Von Audrey-Lynn Struck
Der 85-Jährige Walter Bruckner leidet unter einer seltenen Autoimmunerkrankung. Quelle: Oliver Knoblich
Wienhausen

Die Geschichte von Walter Bruckner klingt ein bisschen wie aus einem Film. Der Rentner erkrankte 2011 schwer an einer Autoimmunerkrankung, sprang laut seinem behandelnden Arzt nur knapp dem Tod von der Schippe und zog im Alter von 79 Jahren vor Gericht, weil seine Kasse nicht zahlen wollte. Fünf Jahre lang kämpfte der Rentner unerbittlich, bis er schließlich Recht bekam. Das hätte das Happy End sein können. Eineinhalb Jahre lang verlief Bruckners Leben in ruhigen Bahnen. Doch dann bekam er vergangenen Oktober einen Rückfall.

„Ich war mit meiner Familie im Urlaub in Sizilien, als ich mir an einer scharfen Bettkante das Schienbein anschlug. Eigentlich nichts Besonderes“, erinnert sich der 85-Jährige. Seine Tochter klebte ein Pflaster drauf und er konnte sogar weiter schwimmen gehen. Nach fünf Tagen sollte die Wunde so gut wie verheilt sein. „Das kann ja bei normalen Menschen mit normalen Wunden so sein. Aber nicht bei jemandem, der zu Autoimmunerkrankungen neigt“, so der Wienhäuser. Als er schließlich das Pflaster abnahm, bekam er einen Schock. Die Wunde erinnerte vom Aussehen an die Anfänge seiner letzten Erkrankung. Damals hatte sich eine Verfärbung am Fuß gebildet, die größer wurde und sich nach mehreren Operationen entzündete. Die Autoimmunerkrankung „Pyoderma gangraenosum“ wurde diagnostiziert und nur dank einer Sauerstofftherapie in der Druckkammer des Soltauer Arztes Dr. Manfred Müller-Kortkamp erfolgreich geheilt.

Kaum wieder in Deutschland, war Bruckner bereits in der Druckkammer. „Es war zwar eine kleinere Wunde, aber der gleiche Leidensweg stand ihm bevor. Dieses Mal allerdings hundertprozentig mit tödlichem Ausgang“, ist Dr. Müller-Kortkamp überzeugt. Auch zwei Dermatologen sahen sich die Verletzung an. Zunächst konnten sie jedoch nicht mit Gewissheit sagen, ob es sich wieder um die Autoimmunerkrankung handelte. „Dafür hätte man schneiden müssen, was die Ärzte allerdings mit meiner Vorgeschichte ablehnten“, so Bruckner. Damals war nach jedem Schnitt die Wunde größer geworden, bis sie sich nicht mehr vollständig schloss.

Die Therapie schlug an. Nach 19 Behandlungen war die Wunde geheilt. „Die Dermatologin sagte mir noch: Sie dürften nun keine Schwierigkeiten mit der Kasse bekommen“, so der 86-Jährige, der ebenfalls anfangs mit keinen weiteren Komplikationen rechnete. Doch beide sollten sich irren. Als Dr. Müller-Kortkamp den Antrag stellte, dass die Kasse die Behandlungskosten übernehmen solle, kam prompt die Ablehnung. Sofort erhob der Rentner Einspruch. 63 Tage musste er warten, bis die Antwort der DAK Anfang Januar kam. Nun die Bitte, erst einmal sämtliche Unterlagen einzuschicken. „Meine Tochter hat gesagt: 'Du hast schon wieder so viele Scherereien mit der DAK. Ich werde für dich zahlen'“, so Bruckner. Doch es kam anders: Stattdessen sprang Dr. Müller-Kortkamp für seinen Patienten in die Bresche. Er wolle gegen die DAK vor Gericht ziehen. „In dem Fall wird ja auch meine ‚Therapie-Hoheit‘ beschnitten. Ich darf, allein ethisch gesehen, ihm nicht die Behandlung verweigern und sagen: Ohne Moos nichts los“, so der 75-Jährige. Der pensionierte Arzt ist überzeugt, dass er gegen die DAK Recht bekäme.

Doch vielleicht muss es gar nicht zum Wiedersehen vor Gericht kommen. Die Kasse hat sich vor einer Woche bereit erklärt, einen Teil der Kosten zu übernehmen. „Außervertragliche Leistungen werden nur mit Ausnahmegenehmigung übernommen“, erklärt DAK-Pressesprecher Rainer Lange. Vorher müssten die Unterlagen von der Widerspruchsstelle sorgfältig geprüft werden. Die Kasse möchte die Kosten ab der Antragstellung übernehmen und somit 10 der 19 Behandlungen bezahlen. „Hätte er sich direkt gemeldet, hätten wir wahrscheinlich alles übernommen“, so Lange.

Nun liegt es an Bruckner, der nach 45 Jahren bei der DAK mittlerweile mit seiner Frau die Kasse gewechselt hat, zu entscheiden, ob er das Angebot annehmen möchte. Er hofft die DAK dazu zu bewegen, dass sie noch vier weitere Behandlungen übernimmt. „Wenn wir so mit der ganzen Geschichte abschließen können, bin ich glücklich und zufrieden.“

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