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Eldingen Bargfelder Gutsscheune von 1650 saniert
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Eldingen Bargfelder Gutsscheune von 1650 saniert
13:33 13.06.2010
Die Sanierungsarbeiten an der Scheune von 1650 in Bargfeld sind abgeschlossen. Bauherr Friedrich Rose, Architektin Stephanie Kopka und Zimmermann Mathias Kiemann sind mit dem Ergebnis zufrieden. Quelle: Joachim Gries
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Bargfeld

Die Bewohnerin ist wieder eingezogen, die Spuren auf dem Fußboden sind eindeutig. Die Eule, die beim Ausmessen der Gutsscheune im Frühjahr da war, sie ist zurückgekehrt und sitzt jetzt unter einem dichten Dach, in einer sicheren Konstruktion, die weitere Generationen überdauern wird.

Mit 2000 Arbeitsstunden gibt Zimmermann Mathias Kiemann die Leistung an, die im vergangenen halben Jahr in das Gebäude aus dem Jahr 1650 gesteckt wurde. Er hat behutsam verfaultes Holz ersetzt, das alte aber so weit wie möglich erhalten. Nur wo es die Stabilität erforderte, wurden Balken komplett ersetzt.

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Zuerst wurde die nördliche Traufwand des über 26 Meter langen Gebäudes Stück für Stück saniert und komplettiert. Hier hatte die Verbretterung den Blick auf die tatsächlichen Schäden an der Fachwerkkonstruktion verwehrt. Deshalb wurde die Sanierung doch aufwändiger als es Architektin Stephanie Kopka vor über zwei Jahren bei der Bestandsaufnahme erwartet hatte.

„Unbewusst war mir klar, dass es hohe Zeit für eine Sanierung oder Renovierung der Scheune war“, sagt Besitzer Friedrich Rose. Das habe ihm sein Bauchgefühl gesagt. Durch die Sanierung des Herrenhauses hatte er bereits gute Kontakte zum Denkmalamt in Hannover. Und die Institution entschied aufgrund des ausführlichen Exposés mit detaillierter Beschreibung der Schäden, dass sie die Sanierung unterstützen werde. Weiteres Geld kam aus der Dorferneuerung. Die Gesamtsumme möchte Rose nicht nennen, sie bewegt sich im sechsstelligen Bereich.

„Schwierig ist an alten Fachwerkgebäuden eigentlich nichts“, sagt Kopka. Das Dach sei aber schon eine Herausforderung gewesen. Die so genannte Hängesäulenkonstruktion mit Andreaskreuzen zur Aussteifung hatte ihre Stabilität verloren, die abgesackte Traufwand und der aus dem Lot geratene Giebel hatten Balken aus ihren Halterungen springen lassen. Lange wäre das nicht mehr gut gegangen, ein Sturm hätte das Ende des Gebäudes bedeuten können. „Es war schon nicht ganz einfach“, sagt Kiemann und gibt zu, dass auch er hier gefordert war. Eigentlich sei eine derartige Konstruktion prädestiniert für Kirchendächer, sagt der 40-Jährige. Der Bauherr habe sich damals Leute mit viel Erfahrung geholt, sagt Kopka.

Alles sei glatt gegangen, niemand habe sich verletzt, „obwohl es nicht ganz ohne war“, sagt Bauherr Friedrich. Jetzt ist die Traufwand wieder komplett mit alten Ziegeln ausgefacht, nur noch die Fenster mit grün-blauen Rahmen müssen kommende Woche eingebaut werden. Unter den Dachziegeln schaut noch das Stroh der Docken hervor. Wenn es abfault und sich ein Pilz einnistet, ist das Dach schneedicht, aber flexibler, als wenn die Ziegel mit Mörtel verstrichen wären. „Und leichter“, fügt Kiemann hinzu, was sich positiv auf die Konstruktion auswirke.

„Das Portmonee des Eigentümers ist leer“, sagt Rose. Aber er weiß, dass noch einiges an dem Gebäude zu tun ist. Es ist nicht fertig“, sagt auch Kopka. Die südliche Traufwand weise viele Schäden auf. Das könne aber Stück für Stück gemacht werden. Was jetzt noch kommen werde, sei ein Eulenkasten, sagt Rose. Die Luke im Giebel weise extra ein Uhlenloch für die Bewohnerin auf. Der auskragende Giebel, jetzt wieder im Lot, wird von einem Giebelpfahl gekrönt. Einen Morgenstern hat Zimmermann Kiemann geschnitzt.

Von Joachim Gries