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Eldingen Nach möglichem Wolfsriss: Schnucke muss stundenlang leiden
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Eldingen Nach möglichem Wolfsriss: Schnucke muss stundenlang leiden
17:11 16.01.2018
Matthias Müller versucht einen Wolfsberater oder Tierarzt zu erreichen, damit das verletzte Tier erlöst wird. Quelle: Anne Friesenborg
Bargfeld

In seiner zweiten Herde, drei Kilometer entfernt, entdeckt der Tierhalter am gleichen Tag drei gerissene Heidschnucken und ein verletztes Tier. Die Spuren deuten auf Wolfsrisse hin. Das erste gerissene Tier liegt unweit des Tores, zwei weitere, gerissene Heidschnucken findet er auf der zwei Hektar großen Weide, einem Tier wurde ein Stück aus der Keule gerissen und es läuft noch auf der Weide umher.

Der Schäfer möchte das Tier erlösen, doch von Amtswegen ist ihm das untersagt worden. Bei einem Riss im Jahr 2016 hatte der Schäfer eines seiner verletzten Tiere eigenständig erlöst. "Das hat zur Androhung von Bußgeld und zum schriftlichen Verbot durch das Veterinäramt Celle geführt", erzählt Müller.

Er versucht seinen Tierarzt zu erreichen – erfolglos. Auch von den Wolfsberatern steht am späten Sonntagnachmittag keiner zur Verfügung. Gegen Abend erreicht er die Ehefrau des Amtsveterinärs, die in der Dunkelheit auf dem Weg zur Weide noch zwei Wölfe im Licht der Taschenlampe erkennt. Nach stundenlangem Leiden erlöst die Tierärztin die Heidschnucke.

Da ein Wolfsberater für den zweiten Riss nicht zur Verfügung stand, schreibt Müller noch am späten Abend eine E-Mail an das Wolfsbüro in Hannover. Am späten Montagvormittag nehmen ein Tierarzt und ein Mitarbeiter aus dem Wolfsbüro den Fall auf. Bis zur Dunkelheit nehmen sich die Fachleute Zeit. In dieser Zeit verendet ein weiteres Tier aus der Herde.

Am Sonntagmorgen hatte Wolfsberater Volkhard Pohlmann den ersten Riss bei den Kamerunschafen aufgenommen: An einer Stelle ist der Knotengitterzaun heruntergedrückt, am Nachtpferch mit der kleinen Hütte ist das Tor umgefallen. Ob die vermissten Schafe den Außenzaun übersprungen haben, bleibt offen.

Ein totes Schaf ist bei Auffinden völlig abgenagt, ein weiteres ist fast unversehrt, weist aber den typischen Kehlbiss auf. Für Pohlmann ein Indiz für den Wolf als Verursacher. Eine entnommene DNA-Probe wird Gewissheit bringen.

Der Besuch eines Wolfsberaters nimmt Zeit in Anspruch. Die Zäune werden vermessen und fotografiert, es wird nach Spuren wie Losung und Trittsiegeln gesucht und bei den Tieren wird eine DNA-Probe entnommen, um zweifelsfrei feststellen zu lassen, ob ein Wolf als Täter in Frage kommt.

Erst gegen 15 Uhr kann der Tierhalter daher zur zweiten Herde mit etwa 100 trächtigen Muttertieren fahren, um nach dem Rechten zu schauen. Dort entdeckt Müller, dass auch seine zweite Herde angegriffen wurde.

Der Mitarbeiter des Wolfsbüros händigt Müller am nächsten Tag Stangen mit einer Höhe von 1,40 Meter und Flatterband aus. Durch die Erhöhung des Zauns weist dieser dann den erforderlichen Grundschutz auf. Es wird angeraten, den Zaun entsprechend zu ändern beziehungsweise zu erhöhen. Schäfer Müller hofft, dass es ausreicht. In gut zwei Wochen beginnt die Lammzeit, dann kommen die Schafe erstmal alle in den Stall.

Das Land Niedersachsen erarbeitet derzeit eine Wolfsverordnung. Darin soll auch geregelt werden, wie mit Wölfen umgegangen werden soll, die mehrfach Nutztiere reißen.

Von Anne Friesenborg und Christopher Menge