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Lachendorf Bargfeld feiert bunte Umzugssause
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Bargfeld feiert bunte Umzugssause
17:22 09.02.2020
Von Simon Ziegler
Bargfeld liebt seinen Faslam. Ein bunter Tross zog am Sonntag durch das Dorf Quelle: Oliver Knoblich
Bargfeld

Miriam Meyer bringt es auf den Punkt: „Ich liebe Faslam. Und ich lebe Faslam“, sagt die „Chefin“ der Kraxlhuber. „Es ist so schön, dass wir nochmal Faslam feiern dürfen.“ Denn in Bargfeld gibt es das Gasthaus Bangemann nicht mehr. Oder besser gesagt: Das Gasthaus, viele Jahre Dreh- und Angelpunkt der jährlichen Faslamsause, hat den Betrieb eingestellt.

Viele Helfer packen mit an

Also mussten sich die Bargfelder etwas einfallen lassen. Hans-Heinrich und Monja Hacke stellten schließlich eine Halle zur Verfügung. Ganz viele Helfer packten in den letzten Wochen mit an, um alles für das Bargfelder Mega-Event vorzubereiten. Ausräumen, Decke abhängen, schmücken. In der Scheune wird am Abend der schönste Wagen prämiert, außerdem findet hier das Eier- und Wurstessen statt – der traditionelle Ausklang der Faslamsfeier eine Woche später.

Fantasievolle Kostüme bestimmten das Straßenbild beim Faslam in Bargfeld.

Die unklare Zukunft der ganzen Veranstaltung beschäftigt die Teilnehmer des Umzugs an diesem Sonntag durchaus. Klar, es geht ja auch um eine Tradition seit 1891. Miriam Meyer von den Kraxlhubern zum Beispiel erzählt, dass man so mit der Vorbereitung der Scheune beschäftigt gewesen sei, dass viel weniger Zeit für Kostüme und Wagen blieb als sonst. Also habe man sich kurzerhand für einen bayrischen Party-Wagen entschieden, auf dem es Brezen, Dirndl und Schlager gibt. Und vor allem: jede Menge gute Laune.

FFF heißt in Bargfeld „Future for Faslam“

„Faslam lebt“, sagt Felicia Knoop, die mit ihren Freunden auf den Spuren von Fridays for Future ist. Das Kürzel FFF heißt in Bargfeld „Future for Faslam“. „Wir haben im Gasthaus Bangemann alle Utensilien eingepackt, die mit Faslam zu tun hatten. Den fahren wir zum neuen Veranstaltungsort“, ergänzt Achim Harms. Außerdem haben sie eine Art Gespenst gebaut, das von einem Laubbläser angetrieben wird. „Der Geist von Faslam steigt aus dem Wagen“, frotzelt Harms.

Das Dorf feiert gemeinsam

Das Besondere am Faslam: Das ganze Dorf feiert gemeinsam. Junge und Alte. Eltern und ihre Kinder. Alle sind dabei. Es gibt auch deutlich mehr Akteure als Zuschauer. Hier feiert sich ein Dorf selbst. Für Aufmerksamkeit sorgt eine junge Truppe aus Eldingen und Bargfeld, die seit zwölf Jahren mit einem Wagen dabei ist. Dieses Mal haben sie sich für den Tigerenten-Club entschieden. „Wir haben Tigerenten und Frösche, Lehrer und Moderatoren“, sagt Carl Buhr.

Litfaßsäulen und Unterwasserwelt

Dem Erfindungsreichtum sind beim Festumzug wie immer keine Grenzen gesetzt. Schön ist die Idee von Daniel Schönfelder und Co, die als wandelnde Litfaßsäulen inklusive Wortspiel – Litfas(s)lam – unterwegs sind. „Die Säulen haben wir selbst gebaut“, erzählt Schönfelder. Nicht mal eine Anleitung aus dem Internet gab es. 30 bis 40 Arbeitsstunden gingen pro Litfaßsäule drauf, schätzt er. Familie Hacke ist Teil einer Unterwasserwelt mit Poseidon und Meerjungfrauen. Louisa Dröge, Laura Stellmacher und ihre Freundinnen sind als Maoams unterwegs. Und Dörte Lübbe und ihre Tochter spielen Korallenriff und Seestern.

Carsten Knoop neuer Präsi

Ganz vorne am Zug gibt es eine Neuerung. Der neue Clubpräsident Carsten Knoop führt den Tross von Haus zu Haus. „Wir sammeln Wurst und Eier ein und belustigen die Leute“, erläutert Knoop kurz und knapp die Tagesaufgabe. Sein Vorgänger und Schwager Florian Fuhlrott stand sieben Jahre an der Spitze. Heute blickt er mit Wehmut auf seine Nebenrolle. „Ich habe das Amt nur ungern abgegeben“, gibt Fuhlrott zu. Aber eigentlich sollte er aus beruflichen Gründen in diesem Jahr beim Faslam gar nicht dabei sein. Außerdem wird er zum fünften Mal Vater. Grund genug also, in Sachen Faslam ein bisschen kürzerzutreten.

Wie wird man Wurstmaxe?

Nach altem Brauch zogen früher um die Wintersonnenwende die Knechte und Mägde los, um mit bunten Verkleidungen und viel Lärm den Winter zu vertreiben. Dabei schnorrten sie Essen und Trinken. An dieser Tradition wird bis heute festgehalten. „Wurstmaxe“ Stephan Bokelmann und „Eierjule“ Thomas „Linde“ Lebeus helfen beim Tragen. Wie man „Wurstmaxe“ oder „Eierjule“ wird, wollten die beiden nicht verraten. Scheint ein Bargfelder Geheimnis zu sein. „Keine Ahnung, ich habe eine WhatsApp-Nachricht bekommen“, gibt sich Thomas Lebeus geheimnisvoll. Und schon muss er zum nächsten Haus weiterziehen. Auch dort warten Begrüßungsgetränke, Eier und Wurst.

Der neue Zaun hat einen Wolf mutmaßlich nicht davon abgehalten, erneut ein Schaf aus der Herde von Matthias Müller in Bargfeld zu reißen.

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