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Lachendorf "Tannenkrug war eine Institution"
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf "Tannenkrug war eine Institution"
22:06 01.01.2019
Von Carsten Richter
Noch einmal wurde im Tannenkrug fröhlich und ausgelassen gefeiert. Quelle: Oliver Knoblich
Lachendorf

Feiern, als gäbe es kein Morgen. Es wird Karten gespielt, es wird geknobelt, gegessen, getrunken, gesungen und gelacht. Laut und fröhlich geht es am Sonntagmittag im Gasthaus Tannenkrug zu. An den Tischen und an der Theke ist kaum noch ein Platz frei. Nichts deutet daraufhin, dass es schon vom nächsten Tag an all das an der Ackerstraße in Lachendorf nicht mehr geben wird. Als Günther Krauel dann noch das Schifferklavier erklingen lässt, Heiko Friedebold Schlagzeug spielt und dazu "Ein Schiff wird kommen" gesungen wird, gibt es kein Halten mehr. Und doch stehen die Zeichen auf Abschied. Ein Abschied, den niemand will und der dennoch unvermeidlich ist. Eine der ältesten Gaststätten im Landkreis Celle schließt. Der Tannenkrug ist nun Geschichte – nach 143 Jahren.

Alle kommen wegen Karin

"So eine Dorfkneipe gibt es nicht wieder", sagt Bernd Wilhelm, einer von vielen Stammgästen. "Wir kommen seit Jahrzehnten hierher. Ein- bis zweimal in der Woche", ergänzt Hans-Rainer Gerth, den alle einfach "Paul" nennen. Das rührt noch aus alten Fußballzeiten her. Wegen Paul Breitner. Aber das ist eine andere Geschichte ... Die fünfköpfige Runde ist gut drauf. Sie knobeln, trinken Bier. "Wir kommen wegen Karin hierher. Hier ist so eine nette und familiäre Atmosphäre", sagt Wilhelm.

In fünfter Generation geführt

Karin Taschenbrecher-Gierendt hat die Gaststätte seit dem Jahr 2000 in fünfter Generation geführt. Gerne hätte sie den Familienbetrieb noch ins 150. Jahr geführt – doch ihre Gesundheit lässt dies nicht zu. Schweren Herzens hört sie auf. Auf die Frage, wie es ihr geht, winkt sie ab, ihr kommen die Tränen. Als sie sich wieder gefangen hat , sagt sie: "Solange ich was zu tun habe, ist alles gut. Sonst hätte ich wohl schon die ganze Woche geheult."

Gäste sind traurig

Ihren Gästen geht es an diesem Tag nicht viel anders, auch wenn auf den ersten Blick davon wenig zu spüren ist. Auch sie bedauern das Ende des Tannenkrugs. "Es ist schon traurig. Ich bin meist hierher gekommen, um mich ein bisschen zu unterhalten", erzählt Gerhard Pauer. "Sehr schade, wir haben uns immer zum Skat hier getroffen", ergänzt Harry Jörke. Und Ralph Seiler bringt es auf den Punkt: "Der Tannenkrug war eine Institution." Die neuesten Nachrichten aus dem Dorf erfahren, Familienfeiern und Hochzeitsjubiläen begehen – dafür war die Gaststätte bei der Männerrunde beliebt. Dabei kommen sie ursprünglich alle gar nicht aus Lachendorf. Nicht mal aus dem Landkreis. "Aber wir sind hier so gut aufgenommen worden", sagen sie.

Schon als Kind ausgeholfen

Der Tannenkrug ist aus der Gemeinde eigentlich nicht mehr wegzudenken. Viele Gäste haben mehrere Inhaber-Generationen kennen gelernt. Kein Wunder: Allein Karin Taschenbrecher-Gierendt hat ihr ganzes Leben hier verbracht und schon als Elfjährige ausgeholfen. Von 1971 bis 2000 war ihre Mutter Ursula Taschenbrecher die Chefin. "Ich war das Kneipenleben gewohnt, es hat mir immer Spaß gemacht", so die 82-Jährige. Trotzdem sieht sie den Abschied realistisch. "Gesundheit ist das Wichtigste", sagt sie mit Blick auf ihre Tochter.

Bei dem Gedanken, dass das Haus künftig einen neuen Zweck erfüllt, geht es ihr trotz aller Wehmut gut. Eine Tagesbetreuung für Senioren wird hier einziehen. "Der Name Tannenkrug aber wird bleiben", sagt Ursula Taschenbrecher. Ein kleiner Trost in schweren Zeiten.

Von heute an findet im Saal des „Tannenkrug“, Ackerstraße 11, ein Flohmarkt statt. Accessoires aus der Gaststätte werden zum Verkauf angeboten. Geöffnet ist in den ersten zwei Januarwochen täglich von 10 bis 18 Uhr.

Zwei Schwerpunkte setzt die Gemeinde Lachendorf im kommenden Jahr: die Sanierung von Straßen und die Förderung von Wohnbau.

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