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Lachendorf Wer fliegt denn da über das Celler Land?
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Wer fliegt denn da über das Celler Land?
17:24 22.07.2016
Am Himmel über dem Celler Land werden von der Bevölkerung immer wieder kleine Learjets beobachtet. Sie kommen aus dem schleswig-holsteinischen Hohn bei Rendburg. Quelle: GFD
Bunkenburg

Rienas fragte bei der CZ nach, ob über den Flieger am Himmel etwas bekannt sein. „Sind das Kontrollflüge für Windkraftanlagen oder Erdgaseinrichtungen? Oder werden hier Vermessungsflüge vorgenommen?“, formuliert sie ratlos. Kürzlich hatte die Bunkenburgerin im Schmarloh auf einem Weg eine quadratische weiße Markierung entdeckt, wie sie bei der Luftbildkartierung verwendet werden.

Die CZ hakte nach. Als erstes beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig. „Wir können da nichts zu sagen“, erklärte Sprecherin Cornelia Kramer, hatte aber zwei Tipps parat: Wenn es um Vermessung geht, sei die Landebehörde für Straßenbau und Verkehr in Wolfenbüttel oder Oldenburg zuständig. Oder die Deutsche Flugsicherung (DFS) könne Auskunft geben.

Anja Naumann von der DSF in Bremen präsentierte nach etwa einstündiger Recherche eine Spur: „Es handelt sich um Flieger, die im Auftrag der Bundeswehr unterwegs sind, sagte die DSF-Sprecherin für Norddeutschland. Das seien Learjets zur Zieldarstellung, hätte der Blick in die Radardaten ergeben. Auch würde sich die Flugspur mit den Angaben decken, dass da häufiger Flugzeuge auftauchten. Weitere Details müsste das Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln-Wahn wissen, meinte Naumann.

Dort hatte ein Sprecher auch sofort eine Vermutung. Die sich allerdings schnell als falsch herausstellte, denn die Radartests am Fliegerhorst Wunstorf begannen erst am Montag. Dort sind Learjets bis zum 29. Juli im Luftraum unterwegs. Zur Beobachtung vom vergangenen Freitag wollte der Sprecher zunächst einen möglichst genauen Zeitpunkt sowie eine präzise Ortsangabe wissen, um die Suche schneller zum Ziel zu führen. Denn es würden alle Flugbewegungen in allen Höhen festgehalten werden. Bei vagen Angaben dauere es, die gesuchte Maschine herauszufiltern.

Die korrekte Auflösung hat der Sprecher des Luftfahrtamtes wenig später parat. Danach werden die Beobachtungen im Luftraum über Bunkenburg von den Radardaten bestätigt. Zwei Flugzeuge vom Typ Learjet 35 der Firma GFD hätten im Auftrag der Bundeswehr mehrere Platzrunden am Flugplatz Wietzenbruch geflogen. Dabei sei auch der Lachendorfer Ortsteil, der östlich des Flugplatzes in direkter Verlängerung der Start- und Landebahn liegt, überflogen worden. Die Flüge hätten der Lizenzerhaltung des auf dem Flugplatztower eingesetzten Flugsicherungspersonals gedient, es habe sich also nicht um Zieldarstellungsflüge gehandelt.

Die GFD GmbH, wobei die Abkürzung für die frühere Bezeichnung Gesellschaft für Flugzieldarstellung steht, ist auf dem Fliegerhorst Hohn bei Rendsburg beheimatet. Sie ist ein Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space, das Übungsaufgaben für die Bundeswehr übernimmt, aber auch für Forschungseinrichtungen wie den Deutschen Wetterdienst tätig ist. Die GFD hat unterschiedliche Learjet-Typen im Einsatz, die Flugzeuge sind weiß/blau lackiert.

Auch in Ovelgönne wurde es in jüngster Zeit häufig laut. Anwohner Klaus Reineke beobachtete kleine, silberne Düsenflugzeuge, die in niedriger Flughöhe unterwegs waren. Besonders extrem sei es ebenfalls am Freitag vergangener Woche gewesen. Alle zwei, drei Minuten sah er einen Flieger – entsprechend laut war es. DSF-Sprecherin Naumann konnte in dem Zeitraum nur eine einzige Maschine verzeichnen. Vermutlich handelte es sich also auch hier um militärische Flüge.

Luftfahrzeugeinsätze wie der in der vergangenen Woche im Celler Raum finden nach Angaben des Sprechers des Luftfahrtamtes bedarfsabhängig statt. Deshalb könne eine Voraussage über die Häufigkeit solcher Flüge im Celler Land nicht gemacht werden. Lediglich bei Großübungen mit vielen Flugbewegungen in einem bestimmten Zeitraum wird die Öffentlichkeit vorher über die regionalen Medien informiert.

Von Joachim Gries