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Nienhagen Dicke Pferde müssen in die Diätgruppe
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Dicke Pferde müssen in die Diätgruppe
18:43 18.01.2019
Von Christian Link
Die Mini-Shettys Lucy (links) und Renee sind die niedlichsten Bewohner der Pferdepension Böker in Nienhorst. Quelle: Christian Link
Nienhorst

Auf dem einzigen Spielplatz im Ort herrscht tote Hose. Im Dorfgemeinschaftshaus und auf dem Bolzplatz ist ebenfalls keine Menschenseele zu finden. Geschäfte gibt es nicht. In der Behrestraße, die von der Hannoverschen Straße bis zum Müggenburger Kanal einmal von Westen nach Osten durchs Dorf verläuft, sprintet immerhin eine graugetigerte Katze den Bürgersteig entlang. Aber auch sie verschwindet rasch im Gebüsch. Morgens um halb zehn ist in Nienhorst nicht viel los.

Von den Feldern hin zur Bundesstraße 3 kommt ein Fußgänger mit zwei Hunden zurück ins Dorf. Es handelt sich um Bernd Mahlmann, der vor zwölf Jahren in den 500-Seelen-Ort gezogen ist. „Die Liebe hat mich hierher verschlagen“, sagt der 48-Jährige. Seine Frau Iris hat der Stadtbahnfahrer bei der Arbeit kennen gelernt, beide sind bei der Üstra in Hannover angestellt, wohnen aber lieber auf dem Land. „Wir sind froh, wenn wir nach Feierabend keine Oberleitung und keine Schienen mehr sehen müssen“, sagt Mahlmann.

Wegen seines Schichtdiensts bleibt Mahlmann keine Zeit fürs Vereinsleben, trotzdem fühlt er sich in Nienhorst gut integriert. „Ich habe gleich Anschluss gefunden“, erzählt der Tierfreund und erklärt auch wie: „Jeder hat im Dorf einen oder zwei Hunde und dann lernt man sich ganz schnell kennen. Die Leute hier sind äußerst nett.“

"Goethe" muss dringend zum Tierarzt

Jeder kennt in Nienhorst jeden. Trotzdem machte Mahlmann im Sommer eine unerwartete Bekanntschaft. Als er im Pferdestall von „Merlin“ und „Peaches“ nach dem Rechten sehen wollte, saß plötzlich ein abgemagerter Kater auf dem Dachbalken. „Mittlerweile ist er keine Katze mehr, sondern eine Kugel“, sagt Mahlmann über den einäugigen „Goethe“. Dieser müsste eigentlich mal zum Tierarzt, doch obwohl er seinem Adoptiv-Herrchen wie ein Hund hinterherläuft, lässt er sich leider nicht einfangen und in eine Transportkiste setzen.

Mobilität ist in Nienhorst überhaupt ein Problem. „Die Busanbindung könnte besser sein, man kommt hier schlecht weg“, sagt Mahlmann. Wer kein Auto hat, schaut in die Röhre. Das gilt sowohl für Schüler als auch für Senioren, die im hohen Alter deswegen reihenweise den Ort verlassen. Für mobiliätseingeschränkte Bewohner gibt es in einem Dorf ohne Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzte keine Zukunft. „Die Häuser sind hier mittlerweile einmal durchgetauscht worden“, berichtet Mahlmann und ergänzt: „Ansonsten ist Nienhorst das schönste Dorf von Niedersachsen.“

Lucys Kulleraugen sind eine Reise wert

Für Auswärtige hat Nienhorst wenig Interessantes zu bieten – mit Ausnahme der Pferdepension Böker jenseits der B3. Schon vor dem Aussiedlerhof kommt der Besucher kaum an „Lucy“ vorbei. Mit ihren kurzen Beinen, rundem Bauch und struppigen Haaren ist sie keine klassische Schönheit. Aber die riesigen Kulleraugen des Mini-Shetland-Ponys lassen auch harte Kerle weich werden. Und Artgenosse „Renee“ ist genauso putzig. „Ich habe die beiden nur zum Spaß“, sagt Landwirt Christian Böker, denn zum Reiten sind die Mini-Shettys kaum geeignet. „Meine Nichte saß mal drauf, aber sie sind nicht richtig eingeritten.“

Doch dafür fehlt Böker schlichtweg die Zeit. In seiner Pferdepension beherbergt er derzeit 47 Gastpferde, dazu kommen noch ein paar eigene Tiere. Seitdem er vor drei Jahren seinen Hof neu ausgerichtet hat, rennen ihm die Pferdehalter die Bude ein. „Dass das solche Ausmaße annimmt, hatte ich nicht gedacht. Das ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Böker, der mit seinen offenen Ställen und Gruppenhaltung offenbar eine Marktnische entdeckt hat.

„Wir haben schon einige Ställe durchgehabt, bevor wir den hier gefunden haben“, sagt Pferdehalterin Helga Kläke, die in Nienhorst ihrer 23 Jahre alten „Glücksfee“ ein fröhliches Rentnerleben ermöglicht. Kläke schwärmt: „Die Pferde sind hier alle glücklich, eine bessere Haltung kann man gar nicht haben.“ Vor allem die 24-Stunden-Heuversorgung überzeugt sie, die nur die übergewichtigen Pferde in der Diätgruppe nicht bekommen. Böker: „Die können den ganzen Tag ans Futter ran, aber abends wird zugemacht.“

Junge Musiker unter Leitung von Thomas Aßmus und Malte Kröger zeigten im Neujahrskonzert, was sie in einer Projektphase erarbeitet hatten.

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