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Nienhagen Nienhagens Pastor wird zum Sprayer
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Nienhagens Pastor wird zum Sprayer
16:56 03.02.2020
Von Simon Ziegler
"Bauern haben faire Preise verdient", hat Pastor Uwe Schmidt-Seffers über die Edeka-Werbung geschrieben. Quelle: Oliver Knoblich
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Nienhagen

Diese Aktion schlägt hohe Wellen: Nienhagens Pastor Uwe Schmidt-Seffers hat am Sonntag zu Leiter und Spraydose gegriffen und ein Edeka-Plakat übersprayt. Auf dem Plakat aus der umstrittenen Werbekampagne mit dem Komiker Otto Waalkes stand der Spruch: "Nienhagen hat einen Preis verdient: den niedrigsten". Schmidt-Seeffers schrieb in großen Buchstaben darüber: "Bauern haben faire Preise verdient". Die Aktion ließ Schmidt-Seffers filmen. Anschließend wurde der Clip bei Facebook veröffentlicht, wo er sich rasend schnell verbreitete.

"Was haben Eure Werbetreibenden eigentlich geraucht?"

Schmidt-Seffers nimmt in dem Video kein Blatt vor den Mund: "Was haben Eure Werbetreibenden eigentlich geraucht? Habt Ihr vergessen, dass Ihr schon seit vielen Jahren mit dem Slogan 'Wir lieben Lebensmittel' werbt", fragt er in Richtung des Edeka-Konzerns. Mit billigen Preisen könne man auch keine artgerechte Tierhaltung betreiben. "Ihr solltet Euch schämen. Billig ist out. Verantwortung ist in", teilt Schmidt-Seffers aus.

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Geteiltes Echo im Netz

Das Vorgehen des Pastors, der als stellvertretender Superintendent auch die Nummer zwei der evangelischen Kirche im Kreis Celle ist, stieß im Internet auf ein geteiltes Echo. Zahlreiche User kommentierten das Statement sehr wohlwollend. "Super-Aktion", "Meinen Respekt, Herr Pastor" oder "Dieser Mann hat Recht. Wir wünschen uns doch alle gutes Essen", waren einige Reaktionen auf der Facebook-Seite der Laurentius-Gemeinde. Andere verwiesen darauf, dass sich Schmidt-Seffers strafbar gemacht haben dürfte. "Die Thematik finde ich mehr als richtig. Die Sachbeschädigung nicht", schrieb ein Nutzer.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Die Polizei hat sich am Montagmorgen vor Ort ein Bild gemacht und ein Ermittungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet, sagte Polizeisprecher Manuel Rauschenberg.

"Ein gewisser Regelbruch erhöht die Aufmerksamkeit"

Uwe Schmidt-Seffers verteidigte gegenüber der CZ seine umstrittene Aktion. "Wenn man heute ein Thema kommunizieren will, muss man Aufsehen erregen. Offenbar hat das funktioniert. Ein gewisser Regelbruch erhöht die Aufmerksamkeit", sagte der Pastor. Hätte er sich bloß vor die Kirche gestellt und seine Botschaft vermittelt, hätte er viel weniger Leute erreicht. Nach seinen Worten sei der Clip bis Montagmittag etwa 100.000 Mal aufgerufen worden. Gleichwohl sei er sich bewusst, dass es sich um eine "zweifelhafte Aktion" handele. Er sei nicht naiv und wisse, dass sein Verhalten Konsequenzen haben könnte, obwohl der sächliche Schaden gering sei. Die zuständigen Stellen müssten dann entscheiden, "ob das so eine große Störung ist, dass man das gerichtlich verfolgen wird", sagte Schmidt-Seffers. Ihm sei es darum gegangen, Landwirten zu zeigen, dass sie eine faire Landwirtschaftspolitik verdient hätten.

Werbe-Kampagne seit Tagen in der Kritik

Nienhagens Pastor stellte klar, dass sich seine Kritik nicht gegen den Edeka-Markt in Nienhagen richte, sonden gegen den Konzern. Die Plakate mit Otto und den jeweils regionalisierten Slogans zum 100-jährigen Firmenbestehen der Edeka-Gruppe waren bereits von Landwirten scharf kritisiert worden.

Darf Kirche sich so äußern?

Aber ist es richtig, dass sich ein Kirchenmann so verhält? Muss Kirche nicht zurückhaltender sein? Schmidt-Seffers sagt, dass er den Kirchenvorstand in Nienhagen informiert habe. Dieser habe Unterstützung signalisiert, "auch wenn nicht alle applaudieren", wie er erschränkt. Aber: "Die Landwirte haben es verdient, dass Kirche sie hört und ihnen zur Seite steht. Die Bauern sind in einer Notsituation."

Billig, billig, billig

Das Thema hat allerdings viele Facetten, weiß auch der Pastor. So drücken zwar die großen Handelsketten niedrige Preise durch. Andererseits kann es vielen Verbrauchern gar nicht billig genug sein. Und Bedürftige können sich teurere Lebensmittel oft kaum leisten.

Kein Kommentar von Edeka

Edeka-Müller wollte die Aktion des Pastors gegenüber der CZ nicht kommentieren. Eine Anfrage bei der Pressestelle der Supermarktkette in Minden-Hannover blieb bis zum späten Nachmittag unbeantwortet.