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Südheide 100 Interessierte beobachten Mondfinsternis in Hermannsburg
Celler Land Südheide 100 Interessierte beobachten Mondfinsternis in Hermannsburg
17:21 29.07.2018
Quelle: Anke Schlicht
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Hermannsburg

„Ich rechne mit andachtsvoller Stille“, formuliert Elisabeth Bahlke-Dittmer ihre Erwartung für die Hauptphase, während Vereinsmitglied Heinrich Nieschulz seine Wünsche noch ein wenig höher schraubt: „Ich hoffe, dass wir den Jupiter noch erwischen“, sagt er im Rahmen der Erläuterungen zum Newton-Fernrohr. Die Astronomie-Experten stehen den rund 100 Besuchern – darunter viele Kinder – für sämtliche Fragen zur Verfügung, haben eine PowerPoint-Präsentation vorbereitet und den theoretischen Verlauf der totalen Mondfinsternis ausgehängt. In dieser Hinsicht wird Elisabeth Bahlke-Dittmers Anspruch an den Abend, der auch Wissenserweiterung beinhaltete, erfüllt. Was die Geschehnisse im Weltall angeht, macht sich jedoch schon früh Enttäuschung breit. „Man sieht nichts, gar nichts“, sagt sie um kurz nach 22 Uhr, packt ihre Liege zusammen und geht wie einige andere Gäste auch. Der Mond lässt auf sich warten, und als er endlich über dem kleinen Waldstück langsam sichtbar wird, wenden sich die Blicke auch schon wieder von ihm ab. Die internationale Raumstation ISS ist im Anflug, mit rasender Geschwindigkeit bewegt sie sich von West nach Ost an ihm vorbei und sorgt für Begeisterung. Die ersten Sterne zeigen sich leuchtend in den Weiten des Alls, dem in dieser Nacht erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wird. Heinrich Nieschulz kommt auf seine Kosten, er kann den Glanz des Jupiters bewundern, und auch die verbliebenen Besucher sind nun fasziniert vom zwar nicht roten, aber dennoch sehenswerten Himmelsschaupiel, das noch einen Höhepunkt bereithält.

„Ach, ich hab‘ den Mars gesehen!“, ruft Hinrich Hinsche begeistert aus, als ein kleines leuchtendes Gebilde unterhalb des Hauptakteurs auftaucht. Mehr als 50 Millionen Kilometer ist der Planet von der Erde entfernt, und doch gibt er über einem Wald in Hermannsburg ein kleines Gastspiel. Die Himmelskonstellation sieht es so vor. Der harte Kern der Astronomie-Interessierten harrt bis Mitternacht aus und wird auf dem Heimweg weiterhin Zeuge eines seltenen Bildes. Als führte der mittlerweile wieder schattenlose Mond den Mars im Schlepptau mit sich, erweckt es den Eindruck.

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Nur ein Aspekt eines insgesamt unvergleichlichen Ereignisses – und das in doppelter Hinsicht, denn die nächste totale Mondfinsternis einer solchen Länge ist erst für das Jahr 2123 vorhergesagt.

Von Anke Schlicht