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Südheide Wohnung brennt: Mieter greift Feuerwehrleute an
Celler Land Südheide

Angriff auf Feuerwehr: 57-Jähriger will bei Brand nicht gerettet werden

16:29 25.04.2020
Von Christian Link
Keinen gewöhnlichen Wohnungsbrand hat die Feuerwehr Südheide beim Albert-König-Museum in Unterlüß erlebt. Quelle: Daniel Schulz/Feuerwehr Südheide
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Unterlüß

Keinen gewöhnlichen Wohnungsbrand hat die Feuerwehr am frühen Samstagmorgen in Unterlüß erlebt. Um kurz vor 4 Uhr brannte die Küche in der Wohnung über dem Albert-König-Museums lichterloh. "Das Feuer drohte auf den Dachstuhl und weitere Räume überzugreifen", berichtet Feuerwehrsprecher Daniel Schulz. Auch ein Menschenleben war in Gefahr: Durch ein Fenster der Brandwohnung konnten die Feuerwehrleute schon von außen einen Mann sitzen sehen.

Während einige Kameraden die Löscharbeiten in Gang brachte, stürmte ein anderer Trupp bereits zur Menschenrettung ins Haus. In einem noch nicht vom Brand betroffenen Raum trafen sie auf den 57 Jahre alten Mieter der Wohnung – nur ein oder zwei Zimmer von der brennende Küche. "Der saß am Fenster und ließ sich von uns nicht retten", berichtet Schulz. Im Gegenteil beschimpfte und bedrohte er die Feuerwehrleute aufs Schlimmste.

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Quelle: Daniel Schulz/Feuerwehr Südheide

Attacke mit Feuerlöscher und Zähnen

Als die Feuerwehrleute auf eine Rettung bestanden, wurde der 57-Jährige sogar gewalttätig. "Auf einen Kameraden hat er mit einem Feuerlöscher regelrecht eingeprügelt", sagt Schulz. Der Feuerwehrmann wurde dabei leicht am Arm verletzt. Einem anderen Retter versuchte der 57-Jährige ins Bein zu beißen.

Mithilfe der Polizei wurde der Mann schließlich unter Zwang aus der Wohnung geholt und dem Rettungsdienst übergeben. Die Sanitäter brachten den 57-Jährige zunächst ins Krankenhaus, wo er mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung behandelt wurde. Für die Zeit danach ordnete die Polizei die Einweisung in eine psychiatrische Klinik an.

Ob der offensichtlich geistig verwirrte Mann das Feuer vielleicht selbst gelegt hat, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Der 57-Jährige ist in Unterlüß nach CZ-Informationen als Unruhestifter bekannt.

Quelle: Daniel Schulz/Feuerwehr Südheide

Kaum Schäden im Albert-König-Museum

Die Löscharbeiten der Feuerwehrleute aus Unterlüß, Hermannsburg und Weesen liefen dagegen wie am Schnürchen. Das Albert-König-Museum blieb von den Brand fast völlig verschont. "Auf dem Boden war ein bisschen Wasser, aber die Bilder und die anderen Kunstobjekte haben nichts abbekommen", berichtet Schulz.

Das Kunstmuseum verfügt über mehr als 220 Gemälde, rund 1200 Aquarelle und mehrere Hundert Grafiken. Außer dem künstlerischen Nachlass von Albert König (1881 bis 1944), der als bedeutendster Maler der Südheide gilt, gehören zum Fundus auch viele Arbeiten anderen Heide-Landschaftsmaler wie etwa Fritz Flebbe, Erwin Vollmer oder Valentin Ruhts.

Quelle: Daniel Schulz/Feuerwehr Südheide

Bürgermeister schaut nach dem Rechten

Bürgermeister Axel Flader machte sich noch während des Feuerwehreinsatzes zusammen mit anderen Vertretern der Gemeinde Südheide ein Bild von der Lage. Von der Gemeindeverwaltung gab es ein dickes Lob für die insgesamt 85 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei, die für einen glimpflichen Ausgang gesorgt hatten. Gegen 6 Uhr verließen die letzten Brandbekämpfer der Feuerwehr Unterlüß den Einsatzort.

Das Haus wurde von der Polizei beschlagnahmt. Das zuständige Fachkommissariat wird sich den Brandort in den nächsten Tagen noch sehr genau anschauen. Auf den Museumsbetrieb wird sich das zunächst auswirken. Das Albert-König-Museum ist genau wie andere öffentliche Gebäude in der Gemeinde Südheide wegen der Coronakrise geschlossen.

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