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Südheide CZ-Serie: Für Faßberg eine Sieg auf Zeit?
Celler Land Südheide CZ-Serie: Für Faßberg eine Sieg auf Zeit?
16:52 15.07.2011
Fotos der diversen Schulen Quelle: Udo Genth
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Unterlüß

Als Gewinner darf sich die Gemeinde Faßberg beim Schulgutachten fühlen – doch es könnte ein vergifteter Sieg werden. Denn der Gutachter schlägt vor, dass die Hauptschule (HS) Unterlüß aufgehoben und Faßberg zugeordnet werden soll. HS und Realschule (RS) Faßberg fusionieren zur Oberschule und bilden mit einer ebenfalls neu zu schaffenden Oberschule Eschede ein Pärchen.

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Entstehen könnte eine zweizügige Sekundarschule an zwei Standorten, die jeweils in Schichten arbeitet. Eine Schule sollte nach der Darstellung zum Beispiel die Jahrgänge fünf bis sieben,die andere acht bis zehn betreuen.

So weit schreibt der Gutachter. Allerdings hat dieser Vorschlag ein geografisch entscheidendes Problem. Die Fahrdistanz von Eschede bis nach Faßberg ist mit dem Auto länger als nach Celle. Mal davon abgesehen, dass es eine solche Paarbildung im Schulgesetz nicht gibt, ist die Frage, ob Eltern eine solche Regelung klaglos hinnehmen würden.

Dies hat auch der Gutachter erkannt und empfiehlt, dass die Schüler aus Eschede nach Lachendorf, die aus Faßberg und Unterlüß nach Hermannsburg und Bergen gehen sollten, wenn sich das erste Model als nicht tragfähig erweisen sollte.

In Faßberg sind die Politiker aber zunächst froh, dass sie ihren Sekundar-1-Bereich als Oberschule behalten dürfen. Kritisch merkt der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Nickel an, dass man „die Entscheidung für die Schließung der Hauptschule vor einem Jahr hätte vermeiden können, wenn man die Untersuchungsergebnisse des Schulgutachtens abgewartet hätte.“ Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Frank Bielfeld kann sich eine Fortführung der Kooperation mit der Firma Rheinmetall vorstellen, sollte die Hauptschule in Unterlüß wirklich geschlossen werden.

Ein bisschen Mitleid mit der Nachbargemeinde Unterlüß ist in allen Aussagen aus der Politik zu hören, aber letztlich ist dann jeder Lobbyist für seine Gemeinde. Für Klaus Beyer von der WGF ist die Oberschule „ein wichtiger Standortfaktor, denn wir haben viele junge Familien, die durch die Arbeit bei der Bundeswehr zu uns kommen“, sagte Beyer.

Beim Thema Grundschule sind sich alle Politiker einig, dass die Empfehlung des Gutachters, über eine Fusion der Grundschulen nachzudenken, ignoriert wird. Beyer greift bei diesem Punkt sogar das Gutachten an. „Es geht dort immer um die finanzielle Seite. Ich hätte es gerne gesehen, wenn es darin auch mal um das Kindeswohl gegangen wäre.“ Es gilt der Spruch „Kurze Beine, kurze Wege“, wie es Frank Bielfeld und alle sein Ratskollegen formulieren. Zudem will keiner das deutsch-französische Kooperationsmodell gefährden, das es in der Schule in Müden gibt. Eine Untersuchung, ob das auch in Faßberg möglich wäre, unterbleibt und die Politik hat bereits Fakten geschaffen. Die Grundschule in Müden bekommt demnächst einen weiteren Raum, weil der Platz nicht ausreicht.

Von Tore Harmening