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Südheide Fall Hüls: Spur nach Deutschland erkaltet
Celler Land Südheide Fall Hüls: Spur nach Deutschland erkaltet
16:59 22.07.2011
Axel Hüls bleibt mit seinen Kindern verschwunden. Quelle: nicht zugewiesen
Hermannsburg

Fast auf den Tag genau drei Monate ist es jetzt her, dass Axel Hüls unter einem Vorwand seine vier Kinder Jonas, Benjamin, Lisa und Miriam mitnahm und nach Ägypten entführte. Nach der letzten Sichtung Ende Mai in Ägypten gibt es keinen bestätigten Kontakt mehr. „Die Spur in Deutschland hat sich nicht konkretisiert“, sagt Polizeisprecherin Eva-Carina Narloch. Die Ermittler haben weiter sowohl Ägypten als auch Deutschland im Visier und bitten Urlauber, die in das afrikanische Land fliegen, die Augen offen zu halten.

Als Hüls die Kinder mitnahm, war es das erste Mal nach der Trennung der Ehepartner, dass er sie ohne Aufsicht sehen konnte. Das Amtsgericht in Celle hatte ihm zuvor nur ein kontrolliertes Besuchsrecht eingeräumt. „Es gab bei uns ein Mediationsverfahren, das zum Ergebnis hatte, dass der Vater die Kinder auch ohne Begleitung sehen kann“, erklärt Günter Busche, Direktor des Amtsgerichts, die Änderung.

Dass er dieses Besuchsrecht zunächst verliert, sollte die Kinder gefunden werden, steht wohl außer Frage. Zudem muss sich der 37-Jährige auf ein Strafverfahren wegen Kindesentzug gefasst machen. Die Höchststrafe dafür beträgt fünf Jahre Gefängnis.

Doch dass er seine Söhne und Töchter nicht mehr sehen wird, bis die Kinder 18 Jahre alt sind, ist aus Sicht von Gabriele Scholz vom internationalen Sozialdienst im deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge debattierbar. Sie berät unter anderem Jugendämter und Ehepartner bei Kindesentführungen. „Man muss den Einzelfall prüfen. Generell ist es aber sinnvoll, einem Ehepartner, der die Kinder entzogen hat, Brücken zu bauen, so dass er oder sie die Chance hat, zurückzukommen“, sagt Scholz.

Für sie hat die Hüls-Entführung typische und atypische Merkmale. Typisch ist der Konflikt zwischen den Partner, untypisch hingegen dass Axel Hüls mit Ägypten in ein Land geflohen ist, zu dem er zumindest nach dem bisherigen Kenntnisstand keine Beziehungen hat. „Normalerweise gehen Ehepartner in ein Land, in dem sie soziale Netzwerke also Familie haben.“ Für den Vater sieht sie mit vier Kindern eine starke Belastung, denn sie seien groß genug, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmt.

Im Hager Kindesentführungs Übereinkommen ist laut Scholz geregelt, dass, sollten Kinder ins Ausland entführt werden, die Entscheidungen über eine Rückführung durch ein Gericht in dem Land gefällt würde, an dem die Kinder ihren Lebensmittelpunkt haben. Ägypten ist dieser Übereinkunft jedoch nicht beigetreten. Allerdings erwartet Scholz im Falle einer Verhaftung wenig Probleme, zumal die Ägypter kein eigenes Interessen an dem Fall haben, weil keiner ihrer Staatsbürger in den Fall involviert ist.

Ob es nach der Entführung eine Brücke für Axel Hüls zurück zu seinen Kindern geben kann, hängt nach Einschätzung von Amtsgerichtsdirektor Günter Busche auch von dem Verhalten des 37-Jährigen ab. „Wenn er selber zurückkommt, kann er seine Situation entscheidend verbessern.“

Von Tore Harmening