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Südheide Mordversuch: Freispruch nach Ermittlungspannen
Celler Land Südheide Mordversuch: Freispruch nach Ermittlungspannen
11:10 12.03.2019
Die Feuerwehr Unterlüß hat im August 2018 einen Wohnungsbrand in der Hermannsburger Straße gelöscht. Vier Personen mussten aus dem Haus gerettet werden. Quelle: Feuerwehr Unterlüß
Celle

Jan S. aus Unterlüß ist am Montag vor dem Landgericht Lüneburg im Prozess um den achtfachen Mordversuch in einem Mehrfamilienhaus in dem Ort überraschend freigesprochen worden. Die Anklage hatte ihm zur Last gelegt, am 16. August 2018 im Keller eines Hauses an der Hermannsburger Straße mehrere Kartons vorsätzlich angezündet zu haben. Nur neun Tage später gab es erneut einen Einsatz in dem Objekt: In den frühen Morgenstunden brannten Stofffetzen in einer leeren Wohnung. Ihm wurde vorgeworfen, nicht nur die Brände gelegt zu haben. Angeblich wollte er sich selbst töten. Eifersucht wurde als Motiv angenommen.

Richter sieht kein nachvollziehbares Motiv

„Insgesamt reicht es für eine Verurteilung hinten und vorne nicht. Es fehlt eine nachvollziehbare Motivlage. Wir erlebten filmreife Szenen“, erklärte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch während der Urteilsbegründung und ließ das „seltsame Verfahren“ Revue passieren.

Das Landgericht Lüneburg.  Quelle: Philipp Schulze

Mehrere Anwohner hatten als Zeugen berichtet, dass sie Mitte August Gegröle im Ort aufschnappten; einer will den Satz „Die Engländer bringe ich um“ gehört haben – im Haus ist tatsächlich eine Familie aus Großbritannien gemeldet.

Strafkammer entdeckt brisante Vorfälle

Die Strafkammer stieß bei der Auswertung der Akten auf brisante Vorfälle. Die Fahnder hatten die vorläufige Festnahme von Jan S. mit eben diesem Punkt begründet: dem Krakeelen, die Engländer zu töten.

Nicht die letzte Konstellation, die die 4. Große Strafkammer entsetzte. Der Vermieter des Hauses befand sich zum Zeitpunkt des Brandes auf dem Weg in den Urlaub. Die Kripo hatte ihn in den frühen Morgenstunden nach der Landung in Italien erreicht. Das Telefonat mit den Beamten war dem Mann noch in guter Erinnerung. Er berichtete dem Schwurgericht, dass Beamte der Celler Polizeiinspektion ihm Textbausteine für die fristlose Kündigung des Mietverhältnisses zwischen ihm und dem Angeklagten geliefert hätten, die er in einem Schreiben an diesen verwendete.

Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr

Jan S. stand plötzlich ohne Bleibe dar. Wenig später klickten wegen Fluchtgefahr die Handschellen und der 24-Jährige wanderte in Untersuchungshaft. Der Kommissar bestritt vor dem Landgericht, irgendetwas diktiert zu haben. Für Richter Franz Kompisch eine Falschaussage: „Wir haben erhebliche Zweifel an den Aussagen des Ermittlungsleiters.“

Die Feuerwehr Unterlüß hat im August 2018 einen Wohnungsbrand in der Hermannsburger Straße gelöscht. Vier Personen mussten aus dem Haus gerettet werden. Quelle: Feuerwehr Unterlüß

Die Rolle eines 24 Jahre alten Auszubildenden blieb mysteriös. Mit dem Angeklagten sei er seit einigen Jahren befreundet, hatte dieser gesagt. Am 16. August sei Jan S. gegen Abend zu ihm gekommen. Nach gemeinsamem Zechgelage habe der Beschuldigte in den frühen Morgenstunden seinen Heimweg angetreten. Der angehende Einzelhandelskaufmann ging nicht schlafen. Als Einsatzfahrzeuge am Fenster vorbeifuhren, lief der Zeuge ihnen hinterher. Er traf am Haus von S. ein, betrat den Flur und sprach mit einigen Bewohnern. „Wenn es brennt, helfe ich“, hatte der Mittzwanziger, der noch nie einen Löschschlauch in Händen trug, vor Gericht gesagt.

Angeklagter: "Ich habe damit nichts zu tun"

Nach dem Wohlbefinden seines Bekannten – den die Retter durchs verrauchte Treppenhaus bergen mussten – fragte er nicht. Die Kammer fand das seltsam. „Immer wenn es in der Hermannsburger Straße brannte, waren Sie in unmittelbarer Nähe. Waren Sie das? Haben Sie gezündelt?“, fragte der Vorsitzende. Der 24-Jährige überlegte auffallend lang. „Nein, ich habe damit nichts zu tun.“ Wirklich geglaubt hat ihm die Aussage niemand. Der erste Verhandlungstag offenbarte zudem, dass der Mann psychische Probleme hat.

Schwere Vorwürfe gegen Fachkommissariat

Die Beweisaufnahme im Lüneburger Schloss führte zutage, dass es in dem Südheideort oft brannte, sich das Celler Fachkommissariat aber für die Geschehnisse auf dem Land wenig interessierte. Das bestürzte den Ortsbrandmeister der Unterlüßer Wehr. „Vor dem Ereignis hatten wir viele Brände“, zählte der 51-Jährige auf: brennender Pkw, ein in Flammen stehendes Bushäuschen und ein Waldbrand, alles zwischen Juli und August. Der Feuerwehr-Chef recherchierte, gab der Polizei einen Hinweis auf einen möglichen Täter. Der Mann hatte bereits mehrfach im Kreis Celle gezündelt. Der wertvolle Hinweis verschwand in den Akten, der Mann tauchte unter.

Am Ende forderten der Staatsanwalt und der Verteidiger einen Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Benjamin Reimers

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