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Südheide Gekündigte Eltosch-Mitarbeiter aus Unterlüß bekommen keine Abfindung
Celler Land Südheide Gekündigte Eltosch-Mitarbeiter aus Unterlüß bekommen keine Abfindung
16:18 28.07.2016
Von Christopher Menge
Unterlüß

UNTERLÜSS. „Ein Arbeitgeber darf eine unternehmerische Entscheidung fällen“, sagte der Richter, „es ist dabei nicht Aufgabe der Gerichte zu hinterfragen, ob sich diese Entscheidung rechnet, ob sie sinnvoll oder zweckmäßig ist.“ Soll heißen: Die Firma Eltosch Grafix, die auch noch Standorte in München und Pinneberg hat, darf ihren Betrieb in Unterlüß schließen. Alle Mitarbeiter hätten deshalb „betriebsbedingte Kündigungen“ erhalten.

Der Vorstand habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagten die Anwälte und wehrten sich gegen den Vorwurf, der Betrieb sei absichtlich gegen die Wand gefahren worden. „Es ist versucht worden, ein marodes Unternehmen zu sanieren – an die Wand haben die Firma ganz andere gefahren“, sagte ein Anwalt. Die Frage des Richters, ob eine Abfindung an die Mitarbeiter gezahlt werden soll, verneinte er. „Zahlungen sind nicht drin“, so der Anwalt.

Eltosch Grafix war 2013 durch die Dr. Hönle AG aus Gräfingen bei München übernommen worden, nachdem das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart Insolvenz hatte anmelden müssen. Danach lief es bei dem Zuliefererbetrieb für die Druckindustrie wieder besser, sogar neue Mitarbeiter wurden eingestellt. „Wir hatten so viele Aufträge, dass wir sogar welche nach München abgegeben haben“, sagt Lagerist Agusch Berisha, „es war genug Arbeit vorhanden.“ Das bestätigt auch ein anderer Mitarbeiter aus der Blechfertigung, der 2010 extra aus Stuttgart nach Unterlüß gewechselt war, da der Job im Celler Nordkreis sicher sein sollte. „Das wurde uns auch immer wieder gesagt“, so der Mitarbeiter, „dass die Firma komplett geschlossen wird, hätten wir nie gedacht.“

Daher steht für Rechtsanwalt Eckhard Dormeier, der elf gekündigte Mitarbeiter vertritt, fest, dass eine wirtschaftlich gut aufgestellte Firma absichtlich gegen die Wand gefahren wurde. „Die Leute werden einfach im Regen stehen gelassen“, schimpfte Dormeier, der sich vor allem daran stört, dass die „Leute für dumm verkauft“ wurden und nicht über die Pläne informiert worden seien. „Dass Strom, Wasser und Gas abgestellt werden, dafür muss eine Firma sorgen, aber was mit den Mitarbeitern passiert, ist egal – das kann doch nicht sein“, sagte der Anwalt, der darum bat, dass der Vorstand von Eltosch Kontakt zu Rheinmetall aufnehme, um die Mitarbeiter zu vermitteln. „Nach dem CZ-Artikel hat sich auch eine Firma aus Hambühren gemeldet. Da könnten drei bis vier Mitarbeiter eingestellt werden“, sagte Dormeier, der sich darüber beklagte, keine Unterstützung aus der Politik erhalten zu haben. Bis zum 28. August hat der Anwalt nun Zeit, auf die Klage-Antwort der Firma Eltosch zu reagieren. Gute Nachrichten dürfen die Mitarbeiter aber wohl nicht mehr erwarten.