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Südheide Kleiner Einsatz mit großer Wirkung
Celler Land Südheide Kleiner Einsatz mit großer Wirkung
17:10 10.01.2019
Von Christopher Menge
Die Müdenerin Christel Ahrens hat dafür gesorgt, dass in Äthiopien Podo-Selbsthilfegruppen entstehen.  Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Hermannsburg

Äthiopien ist bekannt als Land der Läufer, unbekannt hingegen ist eine Krankheit, die die Mobilität vieler Äthiopier beeinträchtigt: Podokoniose, kurz Podo. Bei einem Besuch haben Frauen aus der Südheide die Krankheit, die früher als Elefantenfüße bezeichnet wurde, kennengelernt und gründeten den Verein Podo – Netzwerk für Menschen mit Podokoniose in Äthiopien.

Selbsthilfegruppen gegründet

Christel Ahrens, geboren und aufgewachsen in Müden, arbeitet seit 1988 im äthiopischen Gesundheitswesen. Als sie vor zehn Jahren erfuhr, wie einfach und wirkungsvoll sich Podo behandeln lässt, widmete sie sich den Menschen mit dieser vernachlässigten Krankheit. "Bei richtiger Behandlung bilden sich die Symptome nach kurzer Zeit zurück", sagt die 58-Jährige. Der Erfolg habe sich herumgesprochen. Was mit drei kommunalen Podo-Selbsthilfegruppen begann, hat sich in zehn Jahren auf 25 Landkreise ausgeweitet: In 185 Gruppen wurden 14.182 Menschen mit Podo erreicht.

Täglich Füße waschen

"An erster Stelle steht gesundheitliche Bildungsarbeit, denn es kursieren furchterregende Vorstellungen über die Krankheitsursachen", berichtet Ahrens. Dabei müssten die Füße lediglich vor Kontakt mit der Vulkanerde geschützt werden. "Betroffene müssen selbst etwas für sich tun – nämlich sich täglich gründlich ihre Füße mit Seife waschen und konsequent Schuhe tragen", sagt Ahrens. "Aber das ist gar nicht so einfach ohne fließendes Wasser und ohne Zugang zu Schuhen." Medikamente werden nicht benötigt, was dazu beigetragen haben mag, dass die Krankheit vergessen wurde. Erst 2011 bekam sie einen eigenen Namen von der Weltgesundheitsorganisation.

Behandlung kostet 15 Euro

"Um Kosten und Transporte zu reduzieren, entstanden lokale Seifenproduktionseinheiten", erzählt die Müdenerin. "Junge Menschen fertigen große Schuhe in der Podo-Schuhwerkstatt an." Alle Materialien, unter anderem auch Socken und Schüsseln, würden zu subventionierten Preisen an die Mitglieder der Podo-Selbsthilfegruppen verkauft. "Das verhindert Abhängigkeiten und stärkt das Selbstwertgefühl", so die Projektmanagerin. "Die Behandlung eines Menschen mit Podo kostet 15 Euro, ein Paar Lederschuhe inbegriffen."

Christel Ahrens reist nach Äthiopien

Etwa zwanzig Frauen und Männer – kirchliche Angestellte, ehemals arbeitslose junge Menschen und von Podo betroffene Personen – informieren und motivieren in den Selbsthilferuppen und begutachten die Füße. Sie unterrichten an Schulen und führen Befragungen durch, sie kochen Seife und produzieren Schuhe. Christel Ahrens, die einzige Ausländerin im Team, kommt zweimal im Jahr. Der nächste Besuch ist in Kürze geplant. In Deutschland informieren die Mitglieder des Vereins Podo über die Krankheit und sammeln Spenden.

Gesunde Füße dank Besuch bei Selbsthilfegruppe

Bei einem ihrer letzten Besuche traf Ahrens zufällig eine Frau. Ein kurzer Blick auf ihre Füße verriet, sie hat Podo. "Vor acht Jahren nahm sie an einer unserer Selbsthilfegruppen teil. Seither geht es ihr und ihren Füßen besser", erzählt Ahrens. "An ihren Füßen ist zu erkennen, dass die Schwellungen zurückgegangen sind und ‚Falten‘ hinterlassen haben. Die warzenähnlichen Hautveränderungen sind verheilt und es bleiben depigmentierte Hautstellen zurück." Aber: Die Füße sind sauber und intakt. Sie trägt in den halb offenen Plastiksandalen Strümpfe, was ihre Füße vor Silikaten schützt. "Und sie wäscht ihre Füße täglich mit Seife", sagt Ahrens.

Eines ist ihr dabei besonders wichtig: "Bei Begegnungen mit von Podokoniose betroffenen Menschen schauen wir nicht nur auf die Füße, sondern auch ins Gesicht", so Ahrens. "Das der Frau hat gestrahlt."

Podokoniose

Bei Podokoniose (Podo) ist das Lymphsystem geschädigt, weil Füße über einen langen Zeitraum Mineralien vulkanischen Ursprungs ausgesetzt waren. Das äthiopische Hochland ist reich an diesen Mineralien und Menschen auf dem Land können sich oft noch keine Schuhe leisten.

Man erkennt Podo an geschwollenen Füßen, die einst als Elefantenfüße bezeichnet wurden. Die wiederkehrende Entzündungen sind äußerst schmerzhaft und führen durchschnittlich zu 25 Tagen Bettlägerigkeit im Jahr. Doch schlimmer als ästhetische Makel und Schmerzen sind Stigmatisierung und Ausgrenzung durch die Gesellschaft. Betroffene vergleichen ihr Los mit dem von Leprakranken.

Der Verein Podo, der seinen Sitz in Hermannsburg hat, liefert weitere Informationen auf www.podoev.net und www.facebook.com/podoev. Spenden können auf dem Konto des Vereins mit der IBAN DE40 5206 0410 0006 4417 34 eingezahlt werden.

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