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Südheide "Oft sieht man es Opfern gar nicht an"
Celler Land Südheide "Oft sieht man es Opfern gar nicht an"
16:14 22.02.2019
Von Marie Nehrenberg-Leppin
In Gruppenarbeiten diskutieren die Kinder, was man tun kann, wenn jemand gehänselt und schikaniert wird. Coach Marek Fink hört gespannt zu und gibt Tipps. Quelle: David Borghoff
Hermannsburg

Es ist mucksmäuschenstill im Klassenraum. Die Fünftklässler der Hermannsburger Oberschule hängen an den Lippen von Marek Fink. "Ich kann euch sagen, ich spreche aus Erfahrung. Mobbing kann einen kaputt machen". Betretenes Schweigen im Stuhlkreis. Die eben noch ausgelassenen und aufgeregten Kinder scheinen tatsächlich nachzudenken. Und zu begreifen. Mobbing ist kein Pappenstiel.

"Zeichen gegen Mobbing" leistet Aufklärungsarbeit

Fink ist ein ausgebildeter Anti-Mobbing-Coach und reist mit seinem Verein "Zeichen gegen Mobbing" quer durch Deutschland, um Schüler für das Thema zu sensibilisieren. An diesem Vormittag beginnt er seinen Besuch mit einer Umfrage. Jedes Kind soll anonym ausfüllen, ob und wie es bereits Erfahrungen mit Mobbing gemacht hat. Das Ergebnis verwundert den Experten wenig. Ein Großteil der Klasse hat schon mitbekommen, dass ein anderes Kind geärgert, beleidigt oder ausgegrenzt wurde. Einige waren bereits selbst in der Opfer-Rolle. "Warum habt ihr, wenn ihr etwas beobachtet habt, bislang nicht geholfen?", fragt Fink in die Runde. Fabian meldet sich. "Vielleicht weil man denkt, dass die Lage gar nicht so ernst und schlimm ist." Ein anderer Schüler berichtet, dass er helfen wollte und auch aktiv nach jemandem gesucht hat, an den er sich wenden kann. Leider ohne Erfolg. "Das ist natürlich der absolute Super-Gau", findet der Coach.

Rollenspiel macht Kinder nachdenklich

Nach einer kurzen Pause steht ein kleines Rollenspiel auf dem Plan. "Ich brauche einen Freiwilligen", kündigt Fink an. Beinahe die ganze Klasse meldet sich voller Tatendrang. Der ausgewählte Junge muss für einen kurzen Augenblick vor die Tür. "Wenn er wieder reinkommt, dann meidet ihn alle. Ignoriert ihn und spielt nicht mit ihm", fordert der Trainer die Schüler auf. Gesagt, getan. Der Fünftklässler betritt den Raum und weiß nicht, wie ihm geschieht. Er weiß nichts von der Absprache und schaut sich ratlos im Klassenzimmer um. Schließlich setzt er sich hin. "Obwohl ich wusste, dass es nur ein Rollenspiel ist, habe ich mich komisch gefühlt. Ich wusste dann gar nicht, was ich machen soll", erzählt er im Anschluss. Zuvor haben sich alle Kinder bei ihm entschuldigt.

Im Unterricht viel zu selten Thema

Obwohl die gestellte Situation bereits eine Weile vorüber ist, hat sie bei den Kindern Spuren hinterlassen. "Mobbing muss nicht immer mit Gewalt zu tun haben, manchmal sieht oder merkt man es auf den ersten Blick gar nicht", sagt Fabian. Auch seine Mitschülerin Shila ist nachdenklich. Sie habe manchmal gar nicht realisiert, was auf dem Schulhof vor sich geht. "Man sieht es den Personen oft gar nicht an, dass sie sich schlecht fühlen", stellt sie fest. Bislang war Mobbing in der Klasse von Stefanie Lüders im Unterricht kaum Thema. "Wir haben zwar ein Mobbing-Interventionsteam an der Schule, aber direkt drüber gesprochen haben wir wenig", gibt die Lehrerin zu. Deswegen findet sie die Teilnahme am Workshop umso wichtiger. "Ich denke, es weckt Empathie und klärt auf."

Kinder glauben an Verbesserung

Die Erfahrung hat Coach Fink bereits einige Male gemacht. "Viele Kinder wissen wenig darüber und haben auch keine Idee, wo sie Hilfe finden können", meint er. Im Anschluss an die Workshops bekommt er viele Rückmeldungen. "Sowohl Betroffene als auch Kinder, die helfen wollen, wenden sich danach an uns. Deswegen denke ich, dass die Arbeit nachhaltig ist." Den gleichen Eindruck haben die Hermannsburger Schüler. Auf die Frage, ob die vergangenen Stunden sich gut auf ihre Klassengemeinschaft auswirken würden, antworten alle laut und deutlich mit "Ja".

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