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Südheide Nach Todesangst: Syrische Familie in Sicherheit
Celler Land Südheide Nach Todesangst: Syrische Familie in Sicherheit
14:25 22.01.2019
Fast auf den Tag genau vor drei Jahren flüchtete Rustin Khalil mit Ehefrau Jalila Jamo und den Kindern im Schlauchboot über das Mittelmeer.
Hermannsburg

Als die IS-Truppen in der nordostsyrischen Gouvernementshauptstadt al-Hassaka einmarschierten, war es für Rustin Khalil und seine Ehefrau Jalila Jamo an der Zeit, mit ihren Kindern Salman und Cakarira zu fliehen. Schwarz gingen sie über die Grenze zur Türkei. Drei Monate lebten sie dort in Flüchtlingscamps.

Nur Schwimmwesten boten Sicherheit

Es war der 25. Januar 2016, als die Eltern mit ihren zwei Kindern und weiteren 70 Menschen ein Schlauchboot bestiegen, um nach Griechenland zu gelangen. Die einzige Sicherung: Schwimmwesten. „Wir mussten 1400 Euro an Schlepper bezahlen“, erinnert sich Rustim Khalil (32) heute.

Angst vor dem Meer ist geblieben

Und es wären noch einmal 1000 Euro bei erfolgreicher Flucht fällig gewesen. Allerdings fiel der Motor aus, sodass das Boot stundenlang schutz- und orientierungslos auf dem Wasser trieb. „Wir haben heute noch Angst vor dem Meer“, verdeutlicht Jalila Jamo (39) ihre Erlebnisse. Immer wieder dachten sie „Wir sterben, wir sterben…“

Vom Griechischen Roten Kreuz gerettet

Viele hätten kein Wort gesagt und saßen stocksteif in ihren Schwimmwesten in dem schwankenden Boot, erinnert sich Jamo. „Ich hatte immer Angst, bin dann aber eingeschlafen“, schildert der elfjährige Sohn Salman die Erlebnisse. Er wurde wach, als ein Schiff des griechischen Roten Kreuzes die Schiffbrüchigen rettete. „Da hatte ich keine Angst mehr.“

Sohn Salman besucht dritte Klasse

Zuhause in Syrien hörte er immer wieder Bombenexplosionen und er nahm wahr, dass geschossen wurde, berichtet der Junge, der jetzt die dritte Klasse der Grundschule besucht. In Mathe hat er eine glatte Eins. „Ich möchte Bauingenieur werden“, denkt er an seine Zukunft.

Über Balkanroute nach Deutschland

Auf der Balkanroute kam die Familie nach Deutschland und wurde dem Flüchtlingscamp Scheuen zugewiesen. Seit drei Jahren lebt sie in Hermannsburg. „Wir sind sehr dankbar, dass wir hier sind“, sagen die Eltern. Es sei ein besonderer Glücksfall, nach Hermannsburg gekommen zu sein: „Hier gibt es sehr gute Familien. Ganz nett, ganz lieb.“ Hermannsburg sei geprägt von der Mission.

In Syrien keine Zukunft

Ein Leben in Syrien habe für sie keine Zukunft, sei undenkbar. Durch die Flucht drohe dem Familienoberhaupt Haftstrafe, außerdem müsse er Soldat werden. Zudem seien die Rechtsverhältnisse in Syrien mehr als zweifelhaft, meint Khalil. Hier wird der Familie subsidiärer Schutz gewährt.

Große Hilfsbereitschaft in Hermannsburg

Jalila Jamo ist Friseurin. Sie besucht einen Integrations- und Sprachkursus in Hermannsburg. Durch das Mutter-Kind-Café habe sie sehr viel Hilfe erhalten. „Wir hatten zu Beginn sehr großes Heimweh. Jetzt ist aber hier die Heimat“, sagt die Frau dankbar. Sie hätten hier viele Freunde in Hermannsburg, haben viele Leute kennengelernt: Die Hilfsbereitschaft in Hermannsburg war sehr groß, betonen die Eltern. Und sie denken dabei auch an ihren sechsjährigen Sohn Cakarira, der eigentlich in Lebensgefahr schwebte. Die ärztliche und medizinische Versorgung in Syrien war nicht gegeben. Hier sei es aber so, dass es Cakarira dank einer Hormonbehandlung wieder gut gehe. „Wir sind für die sehr große Hilfe dankbar“, betonen Vater und Mutter. Inzwischen hat das Ehepaar drei Kinder: Sohn Ryan ist hier vor zwei Jahren geboren.

Von Lothar H. Bluhm

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