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Südheide In Unterlüß soll Gedenkstätte entstehen
Celler Land Südheide In Unterlüß soll Gedenkstätte entstehen
09:32 20.02.2020
Von Christopher Menge
Diese Luftaufnahme der US-Armee aus dem Jahr 1945 zeigt das KZ-Außenlager Tannenberg in Altensothrieth. Quelle: US Luftbild 1945
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Unterlüß

Die Frauen verrichteten unter anderem Straßen-, Gleis- sowie Forstarbeiten und waren darüber hinaus auch in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Die körperlich schwere, täglich rund zwölfstündige Schichtarbeit war begleitet von Hunger, Kälte und der rohen Behandlung durch das Wachpersonal. Zwischen August 1944 und April 1945 beherbergte das Tannenberglager in Altensothrieth mehrere hundert weibliche Häftlinge, die zu verschiedenen Arbeitseinsätzen im Raum Unterlüß herangezogen wurden. In einer Gedenkstätte soll bald an ihr Leid in dem Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erinnert werden.

Die Überlebenden wurden aus KZ Bergen-Belsen befreit

"Im Krankheitsfall drohte eine Verlegung in das KZ Bergen-Belsen – im Regelfall ohne Aussicht auf Rückkehr", berichtet Heimatforscher Hendrik Altmann. Kurz vor Eintreffen der britischen Truppen hätten sich die Wachmannschaften abgesetzt, zur Verantwortung seien sie nie herangezogen worden. "Die Frauen gelangten in das KZ Bergen-Belsen. Die Überlebenden wurden dort schließlich durch die britischen Truppen befreit", sagt Altmann.

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Gruppe will Gedenkstätte in Unterlüß errichten

Der Heimatforscher gehört zu einer parteiübergreifenden Gruppe, die sich seit über zwei Jahren mit einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte der Lager in Unterlüß beschäftigt. Eine örtliche Bürgerinitiative, die Gemeindeverwaltung, die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, die AG Bergen-Belsen sowie die Rheinmetall AG unterstützen das gemeinsame Vorhaben, eine Gedenkstätte zu errichten, die an die Geschichte der Unterlüßer Lager und ihrer Insassen respektvoll erinnern soll. "Ziel ist es, einen angemessenen Umgang mit den historischen Gegebenheiten zu schaffen und nachfolgenden Generationen einen geeigneten Zugang zur Geschichte zu ermöglichen", so Altmann.

Tannenberg war nicht einziges Lager in Unterlüß

Abgesehen vom Tannenberglager existierten in Unterlüß noch weitere Lager – insbesondere für ausländische Arbeitskräfte, die zum Arbeitseinsatz bei örtlichen Betrieben wie Rheinmetall verpflichtet waren. Heutzutage seien die historischen Zusammenhänge vor Ort nur noch wenigen bekannt, da viele Zeitzeugen nicht mehr leben und in der Vergangenheit oftmals keine Weitergabe von Informationen an Kinder und Enkelkinder erfolgt sei. "Es ist eine Herausforderung für nachfolgende Generationen, sich an Zeiten zu erinnern, die sie selber nicht erlebt haben", sagt Altmann. "Mit Blick auf eine verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit der örtlichen Geschichte soll daher die Möglichkeit geschaffen werden, sich mit dieser Geschichte objektiv und eigenständig zu befassen."

Spendenkonto eingerichtet

Die Einrichtung der Gedenkstätte kann durch Spenden unter dem Stichwort „Gedenkstätte Unterlüß“ unterstützt werden. Hierfür hat die AG Bergen-Belsen ein Konto mit der Iban DE17 2519 0001 0726 3252 00 bei der Hannoverschen Volksbank eingerichtet.

Wer Informationen zur Unterlüßer Ortsgeschichte in den Jahren der Lager beisteuern kann, schreibt eine E-Mail an geschichte.unterluess@outlook.de.

Mitten in Unterlüß ist am 30. August auf einen Mann geschossen worden, der Täter wurde auf der Flucht von der Polizei gefasst. Jetzt beginnt der Prozess.

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