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Südheide Kampf von Wilfried Manneke gegen "braune Wölfe"
Celler Land Südheide Kampf von Wilfried Manneke gegen "braune Wölfe"
16:37 08.02.2019
Von Christopher Menge
23 Jahre lang war Wilfried Manneke Pastor der Unterlüßer Friedenskirche. Für die nächsten drei Monate ist er freigestellt, um Vorträge zum Thema Rechtsextremismus zu halten. Dann geht der 65-Jährige endgültig in den Ruhestand. Quelle: Oliver Knoblich
Unterlüß

Aufgeben kam für ihn nie in Frage. „Dann hätten die Nazis gewonnen“, sagt Wilfried Manneke. Der Pastor der Unterlüßer Friedenskirche wird am Sonntag nach 23 Jahren aus der Gemeinde verabschiedet. Sein Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass geht aber weiter – auch über seinen Ruhestand hinaus.

Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage erhalten

Offiziell beginnt dieser am 1. Juni. Die Landeskirche hat den 65-Jährigen für die letzten drei Monate seines Dienstes aber freigestellt, damit er sich ganz dem Themenbereich „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ widmen kann. Der Hermannsburger Pastor i. R. Helmut Grimmsmann wird die Unterlüßer Gemeinde in der Zeit betreuen. Nach der Verleihung des „Paul-Spiegel-Preises für Zivilcourage“ im Juni habe er viele Einladungen zu Vorträgen erhalten, erzählt Manneke. Hinzu komme, dass im März ein Buch über seine Erfahrungen mit dem Rechtsextremismus erscheint. Es trägt den Titel „Guter Hirte. Braune Wölfe“.

Brandanschlag auf Haus in Unterlüß

„Die Rechtsextremen sind heute auf andere Züge aufgesprungen – da gehört die AfD sicher dazu“, sagt Manneke, der immer wieder Anfeindungen ausgesetzt war. Hakenkreuze an der Kirchentür, dem Baum im Garten oder an der Straßenlaterne vorm Haus, eine tote Ratte auf der Türklinke oder Beschimpfungen im Internet – Manneke hat das alles erlebt. Tiefpunkt war ein Brandanschlag auf sein Haus im Dezember 2011. Sein jüngster, damals sechsjähriger Sohn fand den Molotowcocktail am nächsten Morgen. „Das wirft Fragen auf“, sagt der vierfache Vater. „Aber das ist der Preis, den wir für unser Engagement bezahlen.“

Weiter im Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus aktiv

Im „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ werde Manneke auch weiterhin mitmachen. Außerdem bleibt der Pastor auch über den Ruhestand hinaus Vorsitzender der Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

13 Jahre in Südafrika gearbeitet

Auch wenn ihn der Kampf gegen Rechts bundesweit bekannt gemacht hat, betont Manneke, dass seine Hauptarbeit die eines Gemeindepastors gewesen sei. „Ich war gerne in Unterlüß“, sagt er. Insbesondere wegen der Gospelmusik und der großen Jugendarbeit. Nach seinem Studium von 1973 bis 1980 am Missionsseminar in Hermannsburg, wo er seit vier Monaten wieder mit seiner Familie wohnt, arbeitete Manneke 13 Jahre lang als Auslandspfarrer in Südafrika. Nach Unterlüß kam er dann, weil er gerne mit dem damaligen Jugenddiakon Helmut Strojek zusammenarbeiten wollte und durch die Nähe zu Hermannsburg seine Kontakte zur Mission fortsetzen konnte.

„In Südafrika haben ich die Apartheid miterlebt, das hat sensibel gemacht“, sagt Manneke. „Als ich dann nach Unterlüß kam, konnte ich gar nicht anders, als mich dem Widerstand gegen Rechts anzuschließen.“ Denn der Pastor musste feststellen, dass Rechtsextremismus auch in der Südheide verbreitet ist. Hetendorf, das Landhotel Gerhus und die Nazi-Treffen auf dem Hof Nahtz in Eschede stehen dafür beispielhaft – Manneke demonstrierte immer lautstark dagegen.

Er setzte sich aber auch ein, als es darum ging, rund 600 Spätaussiedlern aus Sibirien und Kasachstan Deutsch-Kurse zu organisieren, kümmerte sich um die Flüchtlinge, die ab 2015 in die Südheide kamen, und half Betroffenen, die bei einer Massenentlassungswelle bei Landgraf und Rheinmetall ihren Job verloren hatten.

Klare Forderung an Rheinmetall

Zu dem Rüstungskonzern Rheinmetall, dem größten Arbeitgeber der Region, hat Manneke eine klare Meinung, die er öffentlich äußert. „Keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete“ lautet seine unmissverständliche Forderung.

Und auch an die Zivilgesellschaft richtet er zu seinem Abschied einen Appell. „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen und den Rechtspopulisten das Feld überlassen“, sagt Manneke. „Wir müssen mehr den Mund aufmachen – für Toleranz und Vielfalt.“ Rassistische oder antisemitische Äußerungen dürften im Alltag nicht im Raum stehen gelassen werden.

Diese Botschaft wird Manneke auch in Zukunft in die Welt tragen, in der Südheide oder wenn er gerade unterwegs ist – zu Vorträgen in ganz Deutschland oder zu Besuchen bei seinen beiden ältesten Söhnen in Boston und Südafrika.

Am Donnerstagabend stand er auf einmal auf dem Feuerwehrturm in Baven – ein Storch mit Ring. Inzwischen ist auch seine Geschichte bekannt.

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