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Südheide Polizisten bei Blockade von Rheinmetall verletzt
Celler Land Südheide Polizisten bei Blockade von Rheinmetall verletzt
14:50 10.09.2019
Von Christopher Menge
Einzelne Sitzblockierer werden von der Polizei unter heftiger Gegenwehr in Einsatzfahrzeuge getragen. Quelle: Peter Scharfenstein
Unterlüß

"Die Aktionen sind leider nicht so friedlich verlaufen, wie wir uns das gewünscht hätten", sagte Polizei-Sprecher Christian Riebandt. Die Masse der etwa 250 bis 300 Camp-Teilnehmer sei zwar friedlich gewesen, aber ebenso seien gewaltbereite Personen unter den Aktivisten gewesen. Bei den Blockade-Aktionen seien zwei Polizisten verletzt worden. Eine Beamtin sei in den Unterleib getreten worden, wie Riebandt berichtete. Beide Kollegen seien aber danach wieder dienstfähig gewesen. "Bisher sind etwa 20 Straftaten bekannt", sagte Riebandt. Weitere Anzeigen, insbesondere von der Gemeinde Südheide wegen diverser Grafitti-Schmierereien, werden aber noch erwartet. Unterdessen haben Unterlüßer Anwohner eine Petition gestartet.

AfD-Politiker kritisiert Aktivisten

"Friedlicher Protest ist in einer Demokratie völlig legitim und steht unter dem Schutz des Staates. Dieser endet aber dort, wo Unbeteiligte in ihren Freiheiten über Gebühr beeinträchtigt werden. Dass ist spätestens dann der Fall, wenn Menschen aggressiv daran gehindert werden sollen, ihre Arbeit aufzunehmen, oder anhaltend in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Bundeswehreinrichtungen beschädigt werden", meldete sich der Celler AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Ehrhorn zu Wort. "Erst recht ist das der Fall, wenn Stromausfall für eine ganze Region billigend in Kauf genommen wird. Wenn das eintritt, wie jetzt in Unterlüß, hat man es mit Sicherheit nicht mit friedliebenden Pazifisten zu tun, sondern mit Chaoten, die lediglich Anlass für ihren Krawall suchen."

Bündnis wehrt sich gegen Vorwürfe

Das Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass vom Friedenscamp in Unterlüß Gewalt und Sachbeschädigung ausgegangen sein soll. „Diese Diskussionen dienen lediglich dazu, von den Inhalten der Aktionswoche abzulenken. Während die Waffen von Rheinmetall an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt sind und Zivilisten mit Waffen aus deutscher Produktion getötet werden, sind viele nicht bereit über ethische Probleme der Waffenproduktion zu sprechen“, so Lukas Barlian vom Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“. „Wenn Rheinmetall ein Waffensystem mit ,low cost to kill‘ bewirbt, geht es um nichts anderes als Profite mit dem Tod. Genau darüber sollten wir streiten und nicht um Flatterband an Gartenzäunen oder ein bisschen Farbe.“

Tätliche Angriffe auf Demonstranten?

Das Bündnis habe bewusst darauf verzichtet, tätliche Angriffe gegen Demonstranten, lebensgefährlichen Umgang mit Kletteraktivisten sowie gegen Kriegsgegner gerichtete Sachbeschädigungen zu thematisieren. „Wir wollen nicht in den Mittelpunkt stellen, wie mit uns umgegangen wird, sondern was die Folgen der Waffenproduktion sind: Tod, Zerstörung, Verletzungen und Vertreibung von Millionen Menschen“, so Barlian. Das sowohl Politiker, als auch Menschen aus der Region gegen die Antimilitaristen Stimmung machen würden, überrascht ihn nicht: „Mit unserem Protest legen wir den Finger in die Wunde – kein Wunder, dass daraufhin einige anfangen zu schreien.“

Bürgermeister bestätigt Stromausfall in Unterlüß

Der Unterlüßer Ortsbürgermeister Kurt Wilks bestätigte gegenüber der CZ den Stromausfall am späten Donnerstagnachmittag. "Die Aussage, die Stromversorgung sei nicht unterbrochen worden, ist definitiv falsch", so Wilks. "Das hat jeder Unterlüßer gemerkt." Wie Unterlüßer Bürger in einer Facebook-Gruppe berichteten, habe es in diversen Straßen für mindestens eine halbe Stunde keinen Strom gegeben.

Technischer Defekt Schuld am Stromausfall

Nach Angaben der SVO steht der Stromausfall am Donnerstagnachmittag, 5. September, in Unterlüß nicht in einem Zusammenhang mit den Blockade-Aktionen der Teilnehmer des Friedenscamps "Rheinmetall entwaffnen". Aus Sicherheitsgründen war die Stromversorgung am Mittag zwar umgestellt worden, dabei habe es aber keine Beeinträchtigungen gegeben. Am späten Nachmittag gab es dann einen technischen Defekt im Bereich Uelzen, der für den Stromausfall in Unterlüß verantwortlich war. Das teilte SVO-Pressesprecherin Christiane Poestges der CZ am Donnerstag, 12. September, mit.

In Unterlüß werden Unterschriften gesammelt. Ein Friedenscamp "Rheinmetall entwaffnen" in dieser Form soll es im kommenden Jahr nicht mehr geben.

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