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Wietze Chef im Wietzer Rathaus: Wer macht das Rennen?
Celler Land Wietze Chef im Wietzer Rathaus: Wer macht das Rennen?
18:42 10.05.2019
Von Carsten Richter
Bürgermeister Wolfgang Klußmann (links) und Herausforderer Ingolf Klaassen (rechts) stellten sich den Fragen von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber (Zweiter von rechts) und Lokalredakteur Simon Ziegler.  Quelle: David Borghoff
Wietze

Volles Haus bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend: Rund 200 Interessierte waren zu der Veranstaltung der Celleschen Zeitung in die Aula der Grundschule Wietze gekommen. Gegenüber saßen sich die beiden Kandidaten, die am Sonntag, 26. Mai, bei der Bürgermeister-Wahl in der Gemeinde antreten: Amtsinhaber Wolfgang Klußmann (52, CDU) traf auf seinen Herausforderer Ingolf Klaassen (62, SPD).

Wer hat mehr überzeugt?

Im Gespräch mit CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber und dem für Wietze zuständigen Lokalredakteur Simon Ziegler sprachen die Politiker über die wichtigsten Themen in der Gemeinde. Wer hat am Ende mehr überzeugt? Eine Probeabstimmung im Anschluss an die Diskussion brachte ein klares Ergebnis zugunsten des amtierenden Bürgermeisters: 69,7 Prozent der Zuschauer gaben an, Klußmann erneut wählen zu wollen.

Klußmann betont positive Entwicklung

Klaassen möchte, getreu seinem Wahlkampf-Motto, „neue Energie“ in die Gemeinde bringen. Immer wieder warf er Klußmann Fehler bei den Planungen zum Rathaus-Neubau vor. Der Bürgermeister, der seit 2005 die Verwaltung leitet, hob hingegen die positive Entwicklung Wietzes während seiner Amtszeit hervor, betonte seine Qualifikation als Diplom-Verwaltungsfachwirt und verwies auf die große Freude, die ihm sein Beruf nach wie vor bereite.

Ingolf Klaassen (SPD) will Bürgermeister der Gemeinde Wietze werden.  Quelle: David Borghoff

"Kommunikation nicht bürgerfreundlich"

Rathaus-Neubau: Beim übergeordneten Thema „Ortsentwicklung“ lenkte Klaassen in seiner gewohnt forschen Art das Gespräch wiederholt in diese Richtung. Die Kommunikation über den Rathaus-Neubau sei „alles andere als bürgerfreundlich“ gelaufen, kritisierte der Sozialdemokrat. Klußmann konterte, der Gemeinderat habe den Neubau mit deutlicher Mehrheit und nach externer Beratung getroffen. Zuvor habe er dem Gremium mehrere Alternativvorschläge unterbreitet. Andere Meinungen, also Stimmen gegen den Bau eines Bürgersaals, habe er immer akzeptiert.

Klaassen bleibt beharrlich

Klaassen ließ allerdings nicht locker. „Der Bürgersaal ist durchgepeitscht worden“, sagte der Herausforderer. Klußmann betonte, dass die Gemeinde den Saal brauche. „Ich stehe komplett dahinter.“ Sein Herausforderer bemängelte darüber hinaus die geplante Größe des neuen Rathauses. Wegen der Tendenz zu Homeoffice würden künftig weniger Büroräume gebraucht.

Hoher Ausländeranteil im Schlachthof

Integration: Klaassen verwies darauf, dass zehn Prozent der Schüler in Wietze kein Deutsch sprächen – das belaste den Schulbetrieb. Der hohe Ausländeranteil ist auf die vielen Rumänen und Bulgaren zurückzuführen, die im Schlachthof arbeiten. Der Rothkötter-Konzern habe „viel versprochen, aber wenig gehalten“, was die Integration der Mitarbeiter betreffe, so Klaassen.

Wolfgang Klußmann (CDU) will Bürgermeister bleiben.  Quelle: David Borghoff

Integration als "Herkulesaufgabe"

Bürgermeister Klußmann gestand zu, dass das „Kernproblem“ an den Schulen die Sprachhürden seien. Gespräche mit Rothkötter seien dazu gelaufen. Allerdings sei die Integration der Kinder ein Problem, die der Eltern ein anderes. Integration sei einfacher, wenn Menschen auf einen längerfristigen Aufenthalt eingestellt seien. Der Verwaltungschef sprach in diesem Zusammenhang von einer „Herkulesaufgabe“ für die Gemeinde.

Neue Arbeitsplätze nach Wietze holen

Dea-Schließung: Beide Kandidaten betonten die wirtschaftliche Bedeutung des Öl- und Gasunternehmens für Wietze. „Die Schließung des Standorts bedeutet den Verlust qualitativer Arbeitsplätze“, erklärte Klußmann. Viele Beschäftigte seien im Ort verwurzelt und hätten es nun schwer, wieder einen Job zu bekommen. Da er die Chance, dass Arbeitsplätze erhalten blieben, für „gering bis nicht existent“ halte, sei es wichtig, andere Unternehmen auf die Immobilie aufmerksam zu machen und dadurch neue Arbeitsplätze in die Gemeinde zu holen.

Dea: Klaassen hofft noch

Klaassen hat die Hoffnung, den Dea-Standort in Wietze zu erhalten, noch nicht ganz aufgegeben. Es müsse gemeinsam überlegt werden, wie Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Zugleich müsse nach Alternativen für eine Nachnutzung des Geländes geschaut werden. Klaassen sagte, der von ihm angeregte Runde Tisch könne nach der Wahl mit der Arbeit beginnen. "Es ist alles vorbereitet." Klußmann stimmte zu, gegen einen Runden Tisch sei nichts einzuwenden. "Wir müssen aber die Realitäten erkennen. An der Entwicklung ist nichts zu ändern. Ein Stück Wietzer Geschichte geht verloren."

Eines der Wietzer Wahlkampf-Themen: die Sanierung des Bohrturms.

Rat soll über Bohrturm entscheiden

Bohrturm-Sanierung: Eine halbe Million Euro kostet die Sanierung des maroden Turms – nach jetzigem Stand. Auf die Frage, weshalb das Projekt immer teurer werde, sagte Klußmann, er habe sich auf den Fachplaner verlassen, der die Sachlage falsch eingeschätzt habe. Im Rat müsse diskutiert werden, was es der Gemeinde wert sei, das Wietzer Wahrzeichen zu erhalten.

Zusätzliches Geld für 2020?

Auch Klaassen setzt bei dem Thema auf Konsens: "Ich will mit allen Fraktionen sprechen." Im schlimmsten Fall müssten 150.000 Euro zusätzlich für den Haushalt 2020 bereitgestellt werden – dazu wäre er bereit. Und er schob mit Blick in Richtung Klußmann hinterher: "Es wäre sinnvoller gewesen, den Bürgersaal nicht zu bauen."

Spendenaktion erfolgreich?

Der Amtsinhaber sagte, andere Projekte würden wegen der Bohrturm-Sanierung höchstens aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wenig Hoffnung räumte er einer Spendenaktion ein, wie sie Stephan Lütgert, Leiter des Erdölmuseums, vorgeschlagen hatte. "Die persönliche Betroffenheit ist schließlich überschaubar", so Klußmann.

Wohnortnah Abitur machen

Schul-Situation: Beide Kandidaten messen der möglichen Ansiedlung einer neuen weiterbildenden Schule im Celler Westkreis große Bedeutung bei. "Es ist wichtig, dass Kinder wohnortnah Abitur machen können", sagte Klußmann. Es wäre "toll", wenn das in Wietze möglich wäre. "Ein Gymnasium im Westkreis wäre ein deutlicher Standortvorteil für Wietze", sagte der Bürgermeister.

Klaassen: Wietze nicht als Standort ausschließen

Klaassen stimmte ihm im Grunde zu, liebäugelte aber deutlicher als der Amtsinhaber mit dem Standort Wietze. "Ich schließe Wietze nicht von Anfang an aus." Er sprach sich dafür aus, bei der Frage nach der Schulform den Willen der Eltern und Schüler zu klären. Welcher der derzeit diskutierten Standorte in Hambühren oder Winsen besser sei, ließen Klußmann und Klaassen offen.

Entscheidung für sieben Jahre

Wahl in zwei Wochen: Wer macht das Rennen im Kampf um den Chefsessel im Wietzer Rathaus? Der langjährige und erfahrene Amtsinhaber Wolfgang Klußmann oder der forsche Herausforderer Ingolf Klaassen? In zwei Wochen fällt die Entscheidung. Am 26. Mai von 8 bis 18 Uhr haben die Wahllokale geöffnet. Dann steht fest, wer in den kommenden sieben Jahren über die Geschicke Wietzes entscheidet. Beide Kandidaten forderten die Bürger auf, zur Wahl zu gehen.

Fotostrecke: Chef im Wietzer Rathaus: Wer macht das Rennen?

Kampf um das Bürgermeisteramt in Wietze: Wolfgang Klußmann (CDU) und Ingolf Klaassen (SPD) stellten sich den Fragen der CZ-Redakteure und der Bürger.

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