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Wietze "Das ist ein riesiger Verlust"
Celler Land Wietze "Das ist ein riesiger Verlust"
14:54 22.02.2019
Von Simon Ziegler
Wietze

Es ist eine gewaltige Hiobsbotschaft für die DEA-Mitarbeiter und die Gemeinde Wietze: Der Standort an der Industriestraße wird geschlossen, 50 Arbeitsplätze fallen weg. "Das ist ein riesiger Verlust für die Region", sagt Bürgermeister Wolfgang Klußmann. Nach dem Schlachthof ist DEA einer der größten Arbeitgeber der Gemeinde.

Gemeinde von Plänen überrascht

Klußmann war am Donnerstagmorgen vom Konzernvorstand informiert worden. Für ihn kamen die Pläne des Unternehmens überrschend. "Im Juli 2018 wurde noch das 60-jährige Bestehen des Labors gefeiert. Ich hatte das Gefühl, dass der künftige Labor-Standort des Unternehmens Wintershall DEA Wietze sein könnte", sagt Klußmann.

Er hat sich getäuscht. Am Donnerstag teilte das künftige Öl- und Gasförderunternehmen mit, dass nach Abschluss des Fusionsprozesses 800 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Das Wietzer Labor soll in Barnstorf im Kreis Diepholz angesiedelt werden.

Labor mit gutem Ruf in der Branche

In Wietze leitet Peter Benjamins das DEA-Labor. "Ich bedaure die Entscheidung der Shareholder, ich muss sie aber akzeptieren", sagt er. Das Wietzer Institut sei sehr gut aufgestellt und habe einen guten Ruf in der Branche. Die Gründe des Unternehmens seien dennoch nachvollziehbar. "Es gibt zwei Labore in einem Unternehmen. Das Labor in Barnstorf ist brandneu, das muss man fairerweise sagen." Es habe daher die Möglichkeit im Raum gestanden, dass Wietze geschlossen wird.

Lagerstätten werden geologisch charakterisiert

Am Wietzer Standort werden Lagerstätten geologisch charakterisiert, Bodenproben aus bis zu 4000 Meter Tiefe werden analysiert. Dazu braucht man hochqualifizierte Mitarbeiter. Was mit ihnen passiert, ist noch völlig unklar. Bis zum 30. Juni 2020 haben Wintershall und DEA garantiert, auf betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen zu verzichten. Und danach? DEA-Sprecher Uwe-Stephan Lagies äußert sich allgemein: "Der ein oder andere wird umziehen, manche werden auch andere Aufgaben im Unternehmen übernehmen." Außerdem sollen sozialverträgliche Lösungen gesucht werden. Was das heißt, ist noch völlig unklar.

Erdölmuseum und Hunäus-Bohrung

Für Wietze ist das DEA-Aus auch deshalb so bitter, weil sich damit der letzte Konzern aus der Gemeinde verabschiedet, der im Zusammenhang mit Erdölförderung noch Geld verdient hat. In Wietze, der "Wiege der deutschen Erdölproduktion", wo Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit erstmals erfolgreich nach Erdöl gebohrt wurde, wird nur die Erinnerung bleiben: das deutsche Erdölmuseum, der Ort der Hunäus-Bohrung, ein paar Artefakte.

Berg- und Talfahrt

Er habe zwar Verständnis, dass diese historischen Aspekte bei einer betriebswirtschaftlichen Entscheidung eines international tätigen Konzerns keine Rolle spielen, sagt Bürgermeister Klußmann. Bedauerlich sei die Entwicklung dennoch, in erster Linie für die Mitarbeiter. Auch die Gemeinde wird den Weggang finanziell zu spüren bekommen, wird doch künftig weniger Gewerbesteuer fließen.

Die Gemeinde Wietze dürfte selten zuvor eine solche Berg- und Talfahrt erlebt haben wie in dieser Woche. Erst am Dienstag wurde die Grundsteinlegung des neuen Rathauses gefeiert, zwei Tage später wurde die DEA-Schließung bekannt. Klußmann will am kommenden Dienstag mit dem Konzernvorstand telefonieren. Die Entscheidung wird das kaum beeinflussen, er wolle aber wenigstens die Gründe erfahren, warum das Wietzer Labor geschlossen wird.

Das Wietzer DEA-Labor wird geschlossen. Am Donnerstag wurde die Belegschaft informiert.

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