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Wietze Ein etwas enttäuschender Klavierabend im Büchtmannshof
Celler Land Wietze Ein etwas enttäuschender Klavierabend im Büchtmannshof
09:35 21.08.2018
Maya Ando konnte bei ihrer Klaviersoiree im Büchtmannshof nicht sonderlich überzeugen. Quelle: David Borghoff
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Wieckenberg

Hat doch beispielsweise Chopin so manches Stück geschrieben, das eher melancholischer Art ist. Die Barcarole in Fis gehört dazu. Doch man wurde überrascht beim Weltklassik-
Konzert im Büchtmannshof in Wieckenberg. Dieses Chopin-Stück geriet ähnlich blass wie Bachs „Jesu bleibet meine Freude“. Dieses einzigartige Stück wirkte unter Andos Händen doch etwas nüchtern und farbarm. Abgesehen von der dezent und geschmackvoll gespielten Schumann-Träumerei als Zugabe waren die zarten Klänge nicht sonderlich überzeugend, sondern diejenigen wo die Pianistin richtig hinlangen musste. Vor allem ihr Bartok-Spiel überzeugte. Und Gershwins rhythmisch geprägte Stücke „Realto Ripples Rag“ und „I’ve got rhythm“.

Bela Bartoks Klaviersonate geriet Ando bestens. Da zeigte sie sowohl pianistische Brillanz als auch ein ungemein gutes Gespür für die Schlagzeugeffekte im Klaviersatz. Vor allem aber demonstrierte sie die speziell für Bartok notwendige rhythmische und klangliche Härte, ohne seelenlos oder schlagzeugartig zu wirken.

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Ähnlich gut gelangen Ando die beiden genannten Gershwin-Stücke, die ihren Reiz ganz aus dem Rhythmischen erhielten, auch wenn sie nur bedingt swingten. Die klangfarblichen Raffinessen dieser Musik blieben etwas unterbelichtet. Dann gab es noch ein paar Stücke von Scriabin und Rachmaninow. Da musste man sich aber doch fragen, warum man für den eher dünnen Ausdrucksgehalt dieser Musik so viele Töne braucht.

Als Hauptproblem kristallisierte sich im Lauf des Abends immer mehr heraus, dass die Programmzusammenstellung so gut wie gar nicht passte. Bach und Chopin mag vielleicht funktionieren, wenn man die Chopin-Preludes mit ihren Bach-Vorbildern koppelt oder ganze Zyklen gegen einander stellt. Bartok nach Chopin wirkte genauso unpassend wie Rachmaninows Klavierdonner mit anschließendem Jazz-Feeling bei Gershwin.

Von Reinald Hanke