Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Wietze Friedensritt zum Schlachthof
Celler Land Wietze Friedensritt zum Schlachthof
17:08 24.07.2011
Von Simon Ziegler
Friedensritt in Wietze Quelle: Simon Ziegler
Anzeige
Wietze

Sie tragen T-Shirts mit Aufschriften wie „Mastanlagen - Pfui Deibel“ oder „Artgerecht statt ungerecht“. Sie haben aus Pappmaschee ein meterhohes Huhn gebastelt, auf dem Länder Afrikas eingezeichnet sind, um zu zeigen, dass das minderwertige Fleisch nach Ghana oder die Elfenbeinküste transportiert wird, während nur Brust und Schenkel in Europa bleiben. 16 Reiter, die aus Hessen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und dem Wendland kommen, sind am Sonnabend vom Wietzer Rathaus zum Schlachthofgelände gezogen, um gegen die Auswüchse der Massentierhaltung zu protestieren.

In Wietze begann der Friendensritt, der seit 1984 jedes Jahr stattfindet. Seitdem reiten Aktivisten gut eine Woche durchs Land, immer mit einem politischen Thema im Gepäck. Während in der Vergangenheit häufig Friedenspolitik, Atomkraft oder Gentechnik in den Mittelpunkt gerückt wurden, hat man in diesem Jahr erstmals ein Tierschutzthema aufgegriffen, berichtet Melanie Boecker, die sich mit ihrer Gruppe bei einem Landwirt in Hornbostel einquartiert hat. „Wietze ist überall“, findet Mitstreiterin Ulrike Klausch-Zaidi, der politische Wanderritt soll auch ein Appell an die Vebraucher sein, weniger Fleisch zu essen, sagt die Frau aus der Nähe von Bielefeld.

Klar, dass sich die heimische Bürgerinitiative gerne an die Aktion der Friedensreiter anhängte. BI-Vorsitzender Norbert Juretzko wies - nach der möglichen Brandstiftung auf einen Hähnchenstall vor einigen Tagen in Vechelde - erneut darauf hin, dass in Wietze friedlich und gewaltfrei demonstriert werde. Er kritisierte am Rathaus, dass Bürgermeister Wolfgang Klußmann die Reiter nicht in der Gemeinde begrüßt habe. Er nutzte den Auftritt zudem für seinen Wahlkampf. Vor etwa 50 Bürgern sagte Juretzko mit Hinweis auf die Bürgermeisterwahl am 11. September, bei der der 57-Jährige als unabhängiger Kandidat antritt, dass Verwaltungschef Wolfgang Klußmann „nur noch ein paar Wochen Amtszeit“ habe.

Die Reiter werden jetzt täglich 20 bis 30 Kilometer zurücklegen. Die Tour führt von Wietze über Bad Bevensen bis nach Lüneburg, wo die Ankunft am 31. Juli geplant ist. Das Ziel ist kein Zufall: Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg hatte im Juli 2010 dem umstrittenen Schlachthof die Genehmigung erteilt. Die Reiter kündigten weitere Protestaktionen in den Städten und Gemeinden an, die sie in den kommenden Tagen durchqueren werden.

Der Protest dürfte den Rothkötter-Konzern indes kaum beeindrucken. Der Investor hatte vor wenigen Wochen mitgeteilt, dass der Betrieb in Wietze im September aufgenommen werden soll.