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Wietze Jede Interpretation wird zum aufregenden Erlebnis
Celler Land Wietze Jede Interpretation wird zum aufregenden Erlebnis
15:23 13.06.2010
Konzert in Wieckenberg Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Wieckenberg

Beide Stile wurden an Beispielen ausgewählter Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts mit einer solchen Lebendigkeit und Detailliebe vorgetragen, dass die Musik wie ein barocker Springbrunnen in den Ohren klang. Dabei erwiesen sich Eckhard Pohl (Violine), Irmtraut Pohl (Oboe), Bernward Lohr (Cembalo) und Markus Gehnen (Violoncello) als kompetente Interpreten, gerade was Farbigkeit und Verzierung, aber auch Klang und Gespür für tänzerische Rhythmen anbetrifft.

Mit Händel-Arien sorgte die Hamburger Opernsängerin Charlotte Jarosch von Schweder (Sopran) für vokale und stilistische Abwechslung. Vorzüglich gelang ihr die Verbindung von Text und Melos, durchdacht gestaltete sie die Charakterwechsel und Farbspiele und belebte ihre Vorträge mit differenziert ausgeformten Koloraturen, die sie in den Opernarien zudem eng mit dem Tonfall der italienischen Sprache zu verbinden wusste. Die betörende Sinnlichkeit und gefühlvoll gestaltete Empfindsamkeit, mit der sie in die Händelwelten eintauchte, war schon eine Klasse für sich.

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Und weil es bei den Vokalwerken nicht nur um den Effekt, sondern auch auf den Puls des Expressiven ankommt, hatte Pohl sein Ensemble zum farbenreichen Mit-Atmen angehalten. Dabei ließen die Instrumentalisten nicht nur in der Liedbegleitung, sondern auch in den Sonaten von Bach, Dornel, Sammartini und Loeillet die barocke Motorik bei allen individuellen Freiheiten im Ausdrucks-„Malen“ als wichtiges Gerüst unangetastet. Und doch verstanden sie es, jede interpretatorische Ebene zum aufregenden Erlebnis zu machen: Unter Hochspannung dialogisierten Oboe und Violoncello, Violine und Cembalo in den schnellen Sätzen mit funkelnd-feuriger Virtuosität, in den langsamen Sätzen mit Tiefenschärfe und stilsicherer Prägnanz.

Von Rolf-Dieter Diehl