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Kultur Wietze Fünfzehnjährige Laetitia Hahn begeistert“
Celler Land Wietze Kultur Wietze Fünfzehnjährige Laetitia Hahn begeistert“
15:14 20.02.2019
Die 15-jährige Laetitia Hahn bei ihrem Konzert in Wieckenberg. Quelle: Kirsten Pröve-May
Wieckenberg

Wer kennt das nicht als Musiker? Habe ich mich genug vorbereitet, sind alle Notenblätter vorhanden und hoffentlich fällt keines dieser Blätter während des Spiels auf den Boden. Und wie muss sich eine erst 15-jährige Pianistin fühlen, vor so einem gespannten und musikalischen Publikum aufzutreten? Das Gegenteil war der Fall: Völlig tiefenentspannt betrat Laetitia Hahn den großen, aber dennoch sehr gemütlichen Saal des Büchtmannshofs in Wieckenberg und zog die Zuhörer von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Notenblätter suchte man hier vergebens. Der Flügel und die Pianistin waren eine Einheit.

Anspruchsvolles Programm

Das anspruchsvolle Programm, von Laetitia Hahn selbst zusammengestellt, erinnerte an die derzeitige Wetterlage: frostig kalt in den Morgen- und Abendstunden, frühlingshaft den ganzen Tag über. Die lauten Töne ließen einen erschauern, die beschwingten an eine Wiese, hüpfende Kinder und die ersten Insekten denken. Dazu trug auch die unvergleichliche Mimik der Pianistin bei. Manchmal hatte man das Gefühl, sie würde mitsingen, im gleichen Moment schien sie der Welt entrückt. Und so erging es auch dem Publikum. Das Programmheft warb: „Unser schönstes Dankeschön ist das Lächeln in Ihren Augen nach einem gelungenen Klavierabend, an dem Sie Ihrer Seele einen Kurzurlaub gegönnt haben.“ Die Zuhörer saßen wie versteinert da, ab und zu ein Kopfschütteln über dieses Höchstmaß an Virtuosität. Waren das wirklich nur zwei Hände, die da über die Tasten des Flügels sausten? Tausend Facetten, eine Taste anzuschlagen, die Hände spielten über Kreuz, all das kann man natürlich üben, aber ohne das Riesentalent von Laetitia Hahn wäre so ein Resultat nicht möglich.

Konzert in China mit Lang Lang

Da hatte die Kulturinitiative in Wieckenberg, die neben anderen zahlreichen Orten in Deutschland die „Weltklassik am Klavier“ seit über einem Jahr anbietet und jeden dritten Sonntag im Monat einen anderen Klaviersolisten vorstellt, ins Schwarze getroffen. Und das, obwohl Laetitia Hahn für den erkrankten Gaidar Beskembirov kurzfristig eingesprungen war. Das war kein Ersatz, das war, wie Manfred Villmann als Vorsitzender der Kulturinitiative in seiner Begrüßungsrede ansprach, eine „Vollgranate“. Auch der berühmte chinesische Pianist Lang Lang, mit dem Laetitia Hahn 2015 im Alter von gerade einmal elf Jahren in China konzertierte, bezeichnete sie als „Botschafterin der Musik“.

Ein Ausnahmetalent

Und das trifft den Nagel auf den Kopf. Laetitia Hahn, die seit ihrem zweiten Lebensjahr am Klavier sitzt und seit nunmehr drei Jahren als Studentin an der Kalaidos-Universität in Zürich immatrikuliert ist, wird diesen Studiengang dieses Jahr abschließen und sich dann komplett der klassischen Musik widmen. Ein Ausnahmetalent, das sich wirklich etwas einbilden könnte, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Auf die Frage, ob der Rücken schon Probleme macht, antwortet sie: „Ja, weil ich heute joggen war, keine gute Idee, bergauf zu laufen.“ Und erklingt am heimischen Klavier auch einmal ein Popsong? „Nein,“ antwortet sie, „am Klavier spiele ich ausschließlich klassische Musik, ansonsten höre ich gerne „Guns n' Roses.“ Gegensätzlicher geht es ja kaum. Sie ist eben ein sympathisches Talent, hochkonzentriert, wenn es um die anspruchsvollen Sonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach oder Sergej Rachmaninow geht, den Applaus genießend, mit den Augen ihren Vater Christian suchend, der den Abend mit verschiedenen Kameras dokumentiert, sich aber ansonsten komplett im Hintergrund hält. Laetitia Hahn versprach, gerne wiederzukommen. Ob das ihre Zukunft rein zeitlich hergibt, bleibt abzuwarten. In Wieckenberg jedenfalls gab es Standing Ovations und Autogrammwünsche, und jeder der Anwesenden war wirklich begeistert von dem „Spiel ohne Notenblatt“.

Von Kirsten Pröve-May