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Wietze Leben wie im Mittelalter
Celler Land Wietze Leben wie im Mittelalter
11:45 22.07.2011
Einen Tag im Mittelalter erlebten 27 Kinder im Freibad Wietze. Quelle: Gert Neumann
Wietze

Manfred Angelovs Leidenschaft gehört dem 12. Jahrhundert, speziell dem von der Minne geprägtem Rittertum. 1992 gründete er den „Ritterbund Hartmann von Aue“ mit Sitz in Altensalzkoth. Angelov – nennen wir ihn mit seinem Ritternamen „Hartmann von Aue“ - gibt gern sein profundes Wissen aus jener Zeit weiter, wie vor kurzem im Freibad Wietze.

Dies im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde unter dem Titel „ Einen Tag im Mittelalter erleben“. „Wir bieten die idealen örtlichen Voraussetzungen nach Angelovs Vorstellung“, meint auch Schwimmmeister Rüdiger Meyer. Der Wald, die großen Grünflächen, auf denen verletzungsfrei Pfeile, Lanzen und Äxte fliegen können und Plätze für offenes Feuer, all dieses benötigten die Ritter für ein lebenswertes Leben.

Das Ritterzelt aufzubauen, war eine der leichteren Übungen. Das Lager für die 26 Gemeinde-Kinder zu errichten, dafür war weitaus mehr Aufwand nötig. Soeben kamen Karsten Wiechmann und „Löffel-Klaus“ mit ihrem 9-köpfigen mit Lanzen bewehrten Trupp mitsamt Bollerwagen aus dem Wald vis-a-vis dem Freibad zurück. Sie hatten Bruchholz gesammelt, um das Lager zu befrieden und den Zugang für Störenfriede zu vereiteln, aber auch, um Feuer zum Kochen zu bereiten. Ihr Wagen war randvoll gefüllt und schwer zu ziehen. „Das gibt Muskeln, ist gut für euch“, soll „Löffel-Klaus“ gebrummelt haben.

Bei den Fähigkeiten mit Pfeil und Bogen, mit dem Speer und der Axt ist ein gerüttelt Maß an Muskelstärke sicherlich von Vorteil. Das erfuhr auch der Trupp von Jens Knark. Der heutige Ritternachwuchs bot erfreulich gute Ansätze, wie „Hartmann von Aue“ aus der Distanz beurteilen konnte. Angelov spaltete mit einem scharfen Beil Kienspan zum Entzünden des Wassers für die Suppe, die gegen Mittag fertig sein sollte.

Daran schnippelte die dritte Gruppe. Karotten, Lauch, Äpfel, Melone, Wurst, Graupen und weitere Zutaten - auch im 12. Jahrhundert wusste man zu speisen. Dafür war Theresia Wiechmann zuständig, die wie die anderen Erwachsenen im Dress „ihrer Zeit“ gewandet war. Ein Gaudi war das Entzünden des Feuers mit Schlageisen und Pyrit-Stein, den Vorläufern unserer heutigen Feuerzeuge.

Mut zum Risiko, Freude am Abenteuer, Wissen um die historisch wertvolle Zeit des 12. Jahrhunderts, Beherrschung des Reitens, aber auch der gegenseitige Respekt, das Empfinden von Ehre gehören zu den Tugenden eines Ritters. Ein bisschen davon weiter zu geben, ist Anliegen des „Ritterbundes Hartmut von Aue“.

Von Gert Neumann