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Wietze Musikalische Geschichtsstunde
Celler Land Wietze Musikalische Geschichtsstunde
12:33 27.02.2019
Dietmar Sander (rechts) und Johannes Nies wandelten auf dem Wieckenberger Büchtmannshof auf den Spuren Jacques Brels. Quelle: Doris Hennies
Wieckenberg

„Wenn man nur die Liebe hat, so hat man doch die ganze Welt in der Hand …“ – Poesie, aber selbst in zarteren Liebesliedern stets ein Quantum Drama – das kennzeichnete die Kunst des französischen Chansons. Einer, der als Meister seines Fachs seit den 60er Jahren gefeiert wird, ist Jacques Brel. Würdig gefeiert wurde die Arbeit des gebürtigen Belgiers, der in Paris Karriere machte, einmal mehr im Rahmen des jüngsten Konzerts des Voice-Piano-Projekts von Dietmar Sander und Johannes Nies auf dem Wieckenberger Büchtmannshof. Die sonntägliche Musikzeitreise führte diesmal nach Frankreich und entpuppte sich zu einem guten Teil als musikalische Biografie-Geschichte. Das dicht gedrängte Publikum im großen Saal ließ sich einnehmen und zeigte sich immer wieder begeistert.

Wer da glaubt, eine klassische Baritonstimme und das französische Chanson wären nicht recht füreinander geschaffen, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Warum auch nicht, schließlich sind Lieder und Arien vollgepackt mit Emotionen – Sehnsucht, Wut, Melancholie … – man muss sie nur überzeugend nach außen tragen. Und das ist Dietmar Sander mit seinem Talent fürs Expressive wunderbar gelungen: schwärmerisch im Umgarnen, leidenschaftlich beim Liebesschwur, dramatisch in der Bekräftigung, voller Elan und Deutlichkeit im Protest, melancholisch beim Schwelgen in Erinnerungen. Da wurde nichts zurückgehalten, und die kurzen Erläuterungen und Textübersetzungen zwischen den einzelnen Dokumentationen der nicht allein stimmlichen Darstellungsfülle sorgten auch für die ein oder andere notwendige Verschnaufpause.

So erfuhren die Zuhörer unter anderem, dass Brel seine Lieder alle selbst geschrieben und getextet hat. Zum Höhepunkt seiner Karriere bewältigte er mehr als 300 Konzertauftritte jährlich. Als Frauenheld nahm er die Liebe nicht immer sehr ernst und blieb ein Filou. Auf eigenen Entschluss hin verabschiedete er sich 1967 unerwartet von der Bühne, um sich anderen Projekten zuzuwenden. Seine Leidenschaft gehörte später dem Fliegen und dem Meer. In „Amsterdam“ beschreibt er zum Beispiel in anschaulich-derber Weise den Landgang der Matrosen. Und er hatte ein Faible für Don Quijote – das ihn spät sogar dazu brachte, den Text des amerikanischen Musicals „Der Mann von La Mancha“ ins Französische zu übersetzen.

Wie der Titel des Konzerts ansagte, enthielt das Programm auch Stippvisiten in andere Gefilde: Das „Je ne regrette rien“ der Edith Piaf schien ein Omen zu sein – niemand bedauerte diesen Konzertbesuch. Im geschlossen-fröhlichen Tross zogen die Rattenfänger Sander und der einfühlsam begleitende Pianist Johannes Nies mit ihren Gästen durch die „Champs-Élysées“. Es wurde geschunkelt, mitgesungen und geschnipst – um gemeinsam den unträumbaren Traum zu träumen – und gelauscht auf Ravels und Debussys Kompositionen, bis der Abschied kam.

Von Doris Hennies

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