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Wietze Mzia Jajanidze rettet Klaviersoirée auf dem Büchtmannshof
Celler Land Wietze Mzia Jajanidze rettet Klaviersoirée auf dem Büchtmannshof
04:47 21.02.2018
Quelle: Oliver Knoblich
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Wieckenberg

Alles drehte sich um musikalische Fantasien. Von Johann Sebastian Bach erklang die weitläufige Fantasie in a-moll als Vorspiel zur dazugehörigen Doppelfuge, danach von Wolfgang Amadeus Mozart die so zerklüftete c-moll-Fantasie mit der anschließenden c-moll-Sonate. Als erster Höhepunkt folgte noch vor der Pause die visionäre Polonaise-Fantaisie von Frederic Chopin und nach der Pause dann die große dreiteilige C-Dur-Fantasie von Robert Schumann.

Jajanidze erwies sich als souveräne Einspringerin, der man jedoch anmerkte, dass ihr nicht alle Stücke des Abends gleich lagen. Während sie den Chopin wahrlich brillant und die musikalischen Tiefen und Brüche des Stückes gekonnt auslotend spielte, dabei sich auch auf den geradezu epischen Klangfluss einlassen konnte ohne die innere Spannung zu verlieren, so geriet ihr Mozart-Spiel doch wesentlich zu flach. Gerade die Fantasie, die in ihrer Faktur etwas modern Collagenhaftes hat, wurde durch Jajanidzes zu sehr die Extreme einebnendes Spiel zu einer Enttäuschung. Da war der sich direkt anschließende Anfang der Sonate dann schon ein anderes Kaliber, jedoch traute Jajanidze sich im Lauf des Stückes auch da zu wenig, die Extreme dieser Musik in Dynamik, Phrasierung und Artikulation auszureizen. Das klang alles zu beliebig. Schade. Da lag ihr der anfangs gespielte Bach schon viel besser. Hier passte ihre gelassene Haltung auch zur Musik und wurde ihr ganz und gar gerecht.

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Bei der großen Schumann-Fantasie wiederum gelang Jajanidzes Faszinierendes. Sie ließ sich zwar wenig auf die Sprunghaftigkeit dieser Musik ein, aber erzielte durch ihre eher auf die epische Weite zielende Spielweise wunderbare Spannungsbögen. Da störte es nicht, dass die kaum spielbaren Akkordkombinationen im zweiten Satz nicht immer einwandfrei gelangen. An diesen stolpern auch viel bekanntere Pianisten. Umso eindrucksvoller dann der letzte Satz, den man nur selten so beseelt, befreit und in aller Ruhe sich entwickelnd hören kann. Da hörte man die Bezüge zu Beethoven genauso wie man auch in die Abgründe der Seele des so verletzlichen Komponisten Schumann hineinzuhören können glaubte.

Von Reinald Hanke

Simon Ziegler 13.02.2018