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Wietze DEA-Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau
Celler Land Wietze DEA-Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau
17:06 26.02.2019
Von Marie Nehrenberg
Kampflos aufgeben steht für die Mitarbeiter nicht zur Debatte. Bei der Demo verschafften sich rund 100 Angestellte Gehör. Quelle: Oliver Knoblich
Wietze

Der Schreck sitzt bei den DEA-Mitarbeitern in Wietze noch immer tief. Vergangenen Donnerstag wurden sie darüber informiert, dass der Standort an der Industriestraße geschlossen wird. „Wir haben es nur Minuten vor der öffentlichen Bekanntmachung erfahren“, erinnert sich Geologin Nadine Schöner. Sie und ihre Kollegen müssen nun um ihre Zukunft bangen. Widerstandslos aufgeben will aber keiner. Und so demonstrierten gestern Mittag rund 100 Beschäftigte und Ehemalige für die Erhaltung der Arbeitsplätze.

Derzeit kaum Zukunftsperspektiven

Betriebsrat-Mitglied Eugen Rodecker richtet das Wort an die Menge: „Das Unternehmen sagt von sich selbst, dass die Arbeitnehmer das höchste Kapital sind. Für uns hört sich das hier und heute heuchlerisch an.“ Er trifft damit den Ton der Belegschaft. Es wird applaudiert und entschlossen mit dem Kopf genickt. „Wir sind durchaus bereit Opfer zu bringen“, fährt der Chemielaborant fort, „aber wir wollen dabei auch eine Zukunftsperspektive sehen.“

Ende einer Ära

Worte, die auch Bürgermeister Wolfgang Klußmann nicht kalt lassen. „Für die Gemeinde Wietze ist die Entwicklung höchst bedauerlich, wir verlieren einen erheblichen Teil unserer Ortsgeschichte“, sagt er. Für die Betroffenen sei es natürlich ebenfalls eine schlimme Situation. „Die meisten von ihnen stehen jetzt vor unsicheren Wochen und leiden unter Existenzängsten.“ Derzeit ist noch völlig unklar, was mit den hochqualifizierten Mitarbeitern passieren wird. Zwar haben Wintershall und DEA garantiert, dass bis zum 30. Juni 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen vonstatten gehen, aber beruhigend wirkt das in Wietze auf niemanden. „Ich bin vor zwölf Jahren extra wegen des Jobs hierher gezogen. Im Moment sind in meinem Kopf hunderte Fragezeichen. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Chemielaborantin Nicole Rohbeck ratlos.

Mitarbeiter fühlen sich hintergangen

Nachdem der erste Schock überwunden war, ärgerten sich viele Demonstranten über die Art und Weise der Bekanntmachung. „Es gab eine Videoschaltung“, erzählt Nadine Schöner. Die sei kaum vorüber gewesen, als die Pressemitteilung auch schon an die Öffentlichkeit ging. „Noch schlimmer wäre nur noch gewesen, wenn wir es von Dritten gehört hätten“, ärgert sie sich. Der Informationsfluss, der im Anschluss folgte, ist für die Geologin mangelhaft. „Ehrlich gesagt fühlen wir uns veräppelt. Wir tappen im Moment komplett im Dunkeln.“ Ohne Gegenwehr wollen sie und ihre Kollegen sich allerdings ihrem Schicksal nicht hingeben. „Wir stehen heute hier und werden nicht aufhören für unsere Existenz zu kämpfen“, stellt Schöner klar. Sie arbeitet seit fünf Jahren für das Unternehmen und weiß um ihre eigene Kompetenz und um die ihrer Kollegen „Wer uns und unsere Qualifikation nicht haben will, der ist selber Schuld.“

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