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Wietze Armbrust-Fall: Eine Spur führt nach Wieckenberg
Celler Land Wietze Armbrust-Fall: Eine Spur führt nach Wieckenberg
16:18 17.05.2019
Von Carsten Richter
Auch in Wittingen wurden zwei Leichen entdeckt, die mit dem mysteriösen Fall in Passau zusammenhängen.  Quelle: Christophe Gateau
Wieckenberg

Der Armbrust-Fall von Passau wird immer skurriler: Einer der in einer Pension in der niederbayrischen Stadt tot aufgefundenen Personen hatte für ein paar Wochen in Wieckenberg gewohnt. Damit führt auch eine Spur in den Landkreis Celle.

Von Zimmergenossin umgebracht

Es handelt sich dabei um den 53-jährigen Torsten W. Nach bisherigen Erkenntnissen hat die 30-jährige Farina C. zuerst ihre beiden Zimmergenossen, darunter Torsten W., und anschließend sich selbst mit einer Armbrust umgebracht.

Auf Reiterhof gewohnt

Nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), der am Freitag in der Celleschen Zeitung erschienen war, hat sich Alexander Krüger aus Wieckenberg gemeldet. Auf seinem Reiterhof an der Stechinellistraße hat Torsten W. nach Krügers Angaben im Februar und März 2017 als Mieter gewohnt. Krüger widersprach allerdings der RND-Meldung, wonach es am Mittwoch auf dem Reiterhof eine Durchsuchung gegeben habe.

Verschiedene Gesichter gezeigt

Krüger bezeichnet Torsten W. als "kompletten Hochstapler", der sich als "Mann von Welt" ausgegeben habe und herrisch und dominant aufgetreten sei. "Er hatte verschiedene Gesichter", beschreibt ihn Krüger gegenüber der CZ. Auf seine sieben Pferde, die er mit den auf den Hof gebracht habe, habe er mit leiser Stimme beruhigend eingewirkt. Ganz anders habe er sich gegenüber den drei Frauen verhalten, mit denen er auf dem Hof gelebt habe, so Krüger. "Das war extremes Sklaventum", beschreibt der Hofbesitzer sein Verhalten. Zwei der Frauen wurden am vergangenen Samstag zusammen mit Torsten W. in der Passauer Pension tot aufgefunden. In der Pension fanden die Ermittler drei Armbrüste. Die dritte Frau, die mit Torsten W. auf dem Hof gelebt hat, ist eine der Toten, die am Montag in einer Wohnung in Wittingen entdeckt wurde.

Hier fing alles an: In dieser Pension in Passau wurden am vergangenen Samstag drei Leichen entdeckt. Alle drei Personen kamen durch Armbrustpfeile ums Leben.  Quelle: Matthias Schrader

Als Diplom-Psychologe ausgegeben

So fing Anfang des Jahres 2017 alles an: Nach Krügers Schilderungen hat sich Torsten W. bei seinem Einzug als Diplom-Psychologe vorgestellt, was er aber nicht belegen konnte. Damals sei W.s Frau, eine Wirtschaftsjuristin, noch dabei gewesen – Krüger habe sie aber nur kurz kennen gelernt und danach nie wieder gesehen. "Wo sie geblieben ist, weiß ich nicht", berichtet Krüger.

Auch seine Lebensgefährtin ist tot

Nach dem Bericht des RND war eine der in Passau tot aufgefundenen Frauen seine Lebensgefährtin. Sie wurde dem Bericht zufolge nach Torsten W. von Farina C. getötet, bevor diese sich selbst das Leben nahm.

Farina C. wiederum hatte, so die bisherigen Erkenntnisse, zuletzt in Wittingen in einer gleichgeschlechtlichen Ehe gelebt – ihre Lebensgefährtin war eine der toten Frauen, die in der Wohnung im Kreis Gifhorn gefunden wurden.

Am Anfang "komplett seriös"

Torsten W. habe am Anfang "komplett seriös" gewirkt, erzählt Krüger. Dann aber habe er "ziemlich geprotzt" und "mit Geld um sich geschmissen". Das Mietverhältnis wurde schließlich beendet, nachdem W. seinen 75 Kilogramm schweren Kaukasischen Wolfshund nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe. "Er hatte Angst vor seinem eigenen Hund", sagt Krüger über Torsten W.

Auch nach Rheinland-Pfalz gibt es Verbindungen. Hier wohnte Torsten W. zuletzt. Quelle: Thomas Frey

Eskalation nach Hundeattacke

Die Lage eskalierte, nachdem W.s Hund Krügers Hund angegriffen habe. "Die Tiere hatten sich verbissen", so Krüger. Weil er seinen eigenen Hund schützen wollte, habe er W.s Hund mit der flachen Hand auf den Kopf gehauen – daraufhin habe ihm W. einen Faustschlag gegen die Schläfe versetzt. "Ich war betäubt", erzählt Krüger. "Daraufhin habe ich ihm die fristlose Kündigung ausgesprochen." Nach dem Vorfall erstattete Krüger Anzeige bei der Polizei. "Die Polizei hat ihn nicht gefunden, aber die Geldstrafe hat er bezahlt."

"Froh, dass er weg war"

Seine Miete habe Torsten W. gezahlt, sagt Krüger, aber Gastro-Gegenstände aus dem Wieckenberger Krug, der sich auf dem Hof befindet, habe er nach dem Auszug ohne zu zahlen mitgenommen. "Ich war einfach froh, dass er weg war."

"Guru, der Leute manipulieren kann"

Ein Privatermittler hat W. unterdessen als "ein Guru, der die Leute gut manipulieren kann" beschrieben. Dem Fernsehsender RTL hatten die Eltern der in Wittingen tot aufgefundenen 19-jährigen Carina U. erzählt, dass sie den Ermittler engagiert hatten, nachdem ihre Tochter den Kontakt abgebrochen hatte.

Am Mittwoch hatten Ermittler das Haus von Torsten W. im rheinland-pfälzischen Borod durchsucht. Es seien zahlreiche Beweismittel sichergestellt worden.

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