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Winsen Senioren außer Rand und Band
Celler Land Winsen Senioren außer Rand und Band
17:46 29.01.2019
Winsen

Eine Frau in bunter Hippiekleidung läuft über die Bühne. Sie ist in das Gespräch mit einer Dame am Rollator vertieft. Beobachtet wird das Geschehen von einer ebenfalls sehr farbenfroh gekleideten Frau mit einer blonden Perücke. Ebenso bunt wie die Kostüme sind auch die Handlungsstränge im aktuellen Stück des Winser Amateurtheaters (WAT) mit dem Titel „www.team-abendsonne.de“ von Autorin Anke Vogt, das am Samstag, 16. Februar, Premiere feiert. Auch die Charaktere sind so verschieden, wie sie es nur sein können. Im Haus Abendsonne sind die Senioren außer Rand und Band. Einige erobern das Internet, so mancher plagt sich mit Herzschmerz herum und eine Person verunsichert die Bewohner mit einem mysteriösen Handarbeitskorb.

Darsteller schon seit Jahrzehnten dabei

Petra Mehls (55) spielt die Rolle der Anita Fink, die das Seniorenheim Haus Abendsonne leitet. „Sie legt Wert auf Ordnung und ist eine strenge Chefin mit einer geheimen Seite“, sagt Mehls über ihre Figur. Sie ist bereits seit 1976 Mitglied beim Winser Amateurtheater und hat hier auch ihren Mann kennen gelernt, der ebenfalls im Stück mitspielt – genau wie Tochter Sonja (19). Diese hat im vergangenen Juni mit dem Theaterspielen in Winsen begonnen. Dadurch, dass ihre Eltern beide schon lange auf der Bühne stehen, war sie bereits von klein auf hinter den Kulissen mit dabei. Im aktuellen Stück des WAT spielt sie die Rolle der Joann, deren Oma im Haus Abendsonne lebt. „Vielleicht ist Joann ein bisschen offene,r als ich es bin“, überlegt Sonja Mehls. Sie bringt schon ein wenig Erfahrung aus der Theater-AG ihrer Schule mit. „Das Besondere ist, dass man jemand anders sein kann. Man kann seine Fantasie ausleben, denn jeder stellt sich eine Rolle ja anders vor“, erzählt sie. Der dritte im Bunde der Mehls-Familie ist Torsten (51) in der Rolle des ehemaligen Damenunterwäschevertreters Günther Lampe, der als Single-Senior im Seniorenheim lebt und durch den Umgang mit dem Computer wieder aufblüht.

"Hier kann ich abschalten, das ist wie Therapie“

Sonya Hammes (57) spielt Joanns Großmutter Penelope Wollweber, die nur Penny Laine genannt wird. Ihr Name ist Programm, denn Hammes spielt eine Seniorin, die freiwillig, aber widerstrebend das Rauchen von Joints aufgegeben hat. Stattdessen hat sie nun das Backen von Haschkeksen für sich entdeckt, die sich im Haus Abendsonne großer Beliebtheit erfreuen. Als Überbleibsel der Hippiekultur trägt sie farbenfrohe Kleidung und Blumen im Haar. „Für mich war klar, dass, wenn ich eine Rolle spiele, es nur Penny sein konnte“, erinnert sich Hammes. Sie ist seit vier Jahren Mitglied des WAT. „Das Theaterspielen ist ein Hobby von mir, es ist mein Herz, ein Teil von mir. Hier kann ich abschalten, das ist wie Therapie.“

Lampenfieber vor der Premiere

Karola Würfel (57) spielt in diesem Stück zum ersten Mal aktiv mit. Ihre Rolle ist die der Madame Miranda, einer ehemaligen Zirkusartistin. Gerda, die mysteriöse Unbekannte, über die an dieser Stelle nichts verraten werden darf, ist ihr ein und alles. Sie hat bereits Lampenfieber, fühlt sich aber inmitten der Theatergruppe gut aufgehoben: „Durch die jahrelange Erfahrung der anderen und deren Ruhe findet man Halt in der Gruppe. Je öfter man probt, umso besser wird es. Dadurch wächst man mehr und mehr in die Rolle hinein“, so Würfel.

Leidenschaft für die Bühne

Thomas Bubeck kann sich besonders mit seiner Rolle des Siegfried Löwenherz, Hauptfeldwebel a. D., identifizieren, denn er war selbst zwölf Jahre lang bei der Bundeswehr. Er hat auch Spaß daran, komplett andere Rollen zu spielen. „Das ist vielleicht anstrengender, aber auch spannend. Man geht aus seinem normalen Leben heraus und schlüpft in ein anderes hinein.“ Seine Leidenschaft für das Theater hat er auf etwas ungewöhnliche Weise entdeckt. „Ich habe mich damals total in das Musical "Legally Blonde" verguckt – eigentlich total bescheuert als Mann – und dachte mir, sowas würde ich auch gerne machen. Leider kann ich aber überhaupt nicht singen, da blieb das Theaterspielen.“

Regie führt in diesem Jahr Marlén Lange

Nachdem die Aufführungszeit vorbei ist, hat Bubeck immer ein kleines, emotionales Tief. „Es gibt keine Aufführungen mehr, keine Proben mehr, man trifft die Gruppe eine Weile nicht. Da bin ich dann traurig“, erzählt er. Fernab von den verfügbaren Theaterrollen würde er gerne mal eine richtig böse Figur spielen. „Entweder den Joker aus Batman oder den bösen Gegenspieler von James Bond. So richtig bitterböse, das Publikum soll einen dann richtig hassen.“

Regie führt in diesem Jahr Marlén Lange. Mit von der Partie sind außerdem Marvin Resener (18), Lieselotte Eicke (66), Wilhelm Rennau (61), Stefan von der Brelie (31) und Sissel Kemming. Gemeinsam werden sie während der vier Aufführungen in der Aula der Schule im Allertal das Haus Abendsonne und seine Bewohner zum Leben erwecken.

Aufführungstermine

Karten gibt es für acht Euro im Vorverkauf in der ‚Pusteblume‘ in Winsen, online unter Info@winser-amateur-theater.de oder an der Abendkasse für neun Euro zu erwerben.

Samstag, 16. Februar, um 20 Uhr

Sonntag, 17. Februar, um 15 Uhr

Samstag, 2. März, um 20 Uhr

Sonntag, 3. März, um 15 Uhr

Die Aufführungen finden in der Aula der Winser Oberschule am Meißendorfer Kirchweg statt. Karten gibt es für 8 Euro im Vorverkauf in der Pusteblume in Winsen, per E-Mail unter info@winser-amateur-theater.de oder an der Abendkasse
für 9 Euro.

Von Stefanie Franke

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