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Winsen Angst vor Landkreis-Plänen
Celler Land Winsen Angst vor Landkreis-Plänen
19:18 07.09.2018
Von Simon Ziegler
Rund um die Aller könnte ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Viele fürchten massive Auswirkungen auf Landwirtschaft und Tourismus. Quelle: Anne Friesenborg
Winsen

In Winsen ist man sich offenbar einig: „Wir können uns das nicht gefallen lassen“, schimpfte Campingpark-Betreiber Klaus Ortschwager unter dem Applaus der Besucher. Was er sich nicht gefallen lassen will, sind die Naturschutz-Pläne des Landkreises Celle. Bürgermeister Dirk Oelmann, der zu der Infoveranstaltung eingeladen hatte, sprach von „realem Irrsinn“ und einer „Bedrohung“ für die Gemeinde.

Die Veranstaltung am Donnerstag stieß in Winsen auf großes Interesse. Trotz des Deutschland-Frankreich-Spiels kamen rund 250 Bürger in die Oberschule. Es geht ja auch um eine ganze Menge, glaubt man der Gemeinde. Landwirte müssten mit etlichen Auflagen rechnen, Veranstaltungen wie das Schützenfest seien unsicher, Bürger könnten das Naherholungsgebiet rund um die Aller nicht mehr nutzen wie bisher.

Schon im Vorfeld waren die Emotionen hochgekocht. Nachdem Oelmann zu der Veranstaltung eingeladen und von einem Betretungsverbot der Aller zwischen Scheuen und Thören gesprochen hatte, war der Landkreis mit einer ungewöhnlich scharfen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen. Der Winser Bürgermeister würde „durch falsche und tendenziöse Berichterstattung“ die Arbeit der Kreisverwaltung diskreditieren.

Für Oelmann war dieses Statement eine Steilvorlage im Bürgermeister-Wahlkampf. Jetzt kann er sich erst recht als derjenige inszenieren, der sich um das Wohl der Winser Bürger kümmert – gegen die aus seiner Sicht realitätsfernen Pläne der Celler Kreisverwaltung. „Wir haben seit zwei Jahren versucht, mit dem Kreis über seine Naturschutz-Pläne zu sprechen. Das wurde immer mit dem Hinweis abgelehnt, man sei noch nicht so weit“, erneuerte Oelmann seine Kritik. Damit steht er keineswegs alleine da. Das Landvolk hat sich klar an der Seite der Gemeinde Winsen positioniert. Und die Landwirte-Lobby steht nicht im Verdacht, SPD-Politikern nach dem Mund zu reden.

Darum geht es: Die EU fordert seit vielen Jahren mehr Anstrenungen beim Naturschutz. Bis Ende des Jahres müssen die Pläne abgeschlossen sein, sonst drohen Strafen. Für das Allerufer plant der Landkreis die Ausweisung eines Naturschutzgebietes. „Da ist dann alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist“, sagte Benjamin von Ahlen, Fachdienstleiter Gemeindeplanung im Winser Rathaus. Und das heißt aus Winser Sicht: Verbot von Veranstaltungen auf den Allerwiesen, Einschränkungen im Tourismus, Auflagen für Bauern – zum Beispiel was die Mahd und das Düngen betrifft. Anderes Beispiel: Auf einem Hektar Weide dürften nur noch zwei Tiere gehalten werden.

Oelmann stellte gleich zu Beginn der knapp zweistündigen Veranstaltung klar, dass ihm Naturschutz wichtig sei, „man muss ihn aber richtig machen“. Die Gemeinde schlägt vor, kein Naturschutzgebiet entlang der Aller, sondern ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Dort gibt es weniger Auflagen. Von Ahlen sagte es so: „Dort ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist.“

Cordula Hasenkamp-Meinheit vom Celler Landvolk sieht das genauso. Sie betonte, dass das schöne Aller-Tal ganz ohne Schutzstatus entstanden sei. Heißt im Klartext: Ein Naturschutzgebiet sei schlicht unnötig. „Ein Landschaftsschutzgebiet ist ausreichend, um die EU-Verordnung umzusetzen.“

Es war eine einseitige Veranstaltung. Interessant wäre gewesen, was der Landkreis zu seinen Vorstellungen gesagt hätte. Doch es war niemand da. Nachdem der Kreis die Teilnahme an einer ähnlichen Veranstaltung im August abgelehnt hatte, habe er ihn nicht mehr eingeladen, sagte Oelmann der CZ. Im Besucherraum gab es nur eine Meinung: Die Pläne müssen verhindert werden. Seitens der Politik deutet sich Unterstützung für den konfrontativen Winser Kurs an. Für die Gemeinde-CDU erklärte Wiltrud Schumann, die Christdemokraten befürworteten ebenfalls ein Landschaftsschutzgebiet.

Und auch auf Kreisebene tut sich etwas. „Die Reaktionen zeigen, dass Ausweisungen als Naturschutzgebiet mit den damit verbundenen Auflagen von den Einwohnern und Nutzern weitestgehend abgelehnt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Mehrheitsgruppe (CDU, FDP, WG und UB) im Kreistag. Es sei zu befürchten, dass Naherholung, Tourismus und Wirtschaft in den betroffenen Gebieten weiter eingeschränkt würden. „Andere Landkreise haben aus diesen Gründen Landschaftsschutzgebiete statt Naturschutzgebiete ausgewiesen“, sagte Harten Voss (FDP). Und Ernst-Ingolf Angermann (CDU) erklärte: „Jeder soll auch in Zukunft die Natur genießen können.“ Es sieht so aus, als gäbe es ordentlich Gegenwind für die Kreisverwaltung.

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