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Winsen Aus Kunst im Rathaus entsteht breites Angebot
Celler Land Winsen Aus Kunst im Rathaus entsteht breites Angebot
15:30 13.06.2010
Kulturkreises Winsen - Der Jazzdämmerschoppen mit der Alexander's Ragtime Band gehört auf dem Museumshof zu den Traditionsveranstaltungen des Kulturkreises Winsen. - Bildunterschriften: - Vorstand: - Gabriele Scheibner (Schriftführerin), Renate Neumann (Vorsitzende), Irmgard Carstensen (Kassenführerin) und Joachim Köhler (stellv. Vorsitzender) bilden den Vorstand des Kulturkreises Winsen. - Dudel singt: - Alix Dudel begeisterte das Publilkum im Grooden Hus. Quelle: nicht zugewiesen
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Winsen (Aller)

Die Historie des Kulturkreises Winsen

Unterstützend wirkten aber auch die damalige Vorsitzende des Schulausschusses, Wiltrud Schumann, und der langjährige Gemeindedirektor Karl Gustav Linde. „Mit ihrer Hilfe gelang es, 1986 und 1989 die Ausstellung ‚Kunst im Rathaus' zu präsentieren“, schildert Renate Neumann jetzt die Entstehungsgeschichte. Recht schnell bildeten sich nach Gründung unterschiedliche Interessengruppen. Literaturkreis, Laienspieler, Puppenspieler: „Ein wunderbares Ergebnis dieser Vielfalt war im September 88 eine Veranstaltung: ‚Kultur im Wandel der Zeit', ein Streifzug durch vier Jahrhunderte Literatur, Musik, Bildende Kunst und Mode.“ Die Presse nannte es: “Eine kulturelle Umarmung besonderer Art“.

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Ursula Richter hatte die Idee, in Winsen einen Literaturkreis zu gründen: Im Januar 1985 kamen 30 interessierte Frauen zusammen und hoben den Literaturkreis aus der Taufe. Maria Colshorn aus Celle übernahm ab dem zweiten Semester die Leitung und begann mit Maxim Gorki. „Nach 45 Semestern sind noch vier Gründungsmitglieder dabei“, freut sich Richter. „Heute diskutieren 18 Frauen und zwei Männer einmal im Monat die von ihnen gelesenen Texte.“

Das kulturelle Leben in Winsen soll nach den Vorstellungen des gesamten Vorstandes prägend bleiben. Die Angebote des Kulturkreises gehören zur kulturellen Vielfalt des Landkreises Celle.

Irmgard Carstensen übt dabei ihre Rolle als Schatzmeisterin des Kulturkreises trotz eines stets schmalen Budgets seit mehr als zehn Jahren verantwortungsvoll und hervorragend aus. Irmgard Carstensen, die Frau, die sich um die Vereinskonten kümmert: Unverzichtbar, immer dabei, wichtige Allround-Frau, die sich immer und überall einsetzt.

„Publikumsnähe und Nachwuchsförderung sind für uns als Verein das Fundament einer lebendigen Zukunft. Der Dialog zwischen Jung und Alt, zwischen Traditionspflege und Fortschrittsbereitschaft wird unsere kommende Aufgabe sein.“ Traditionen nahmen ihren Anfang: 1985 gab es die erste Jazzmatinee auf dem Museumshof, die eine so große Resonanz fand, dass sie natürlich im folgenden Jahr wiederholt wurde. Als Jazzdämmerschoppen gehört er zum festen Bestandteil des sommerlichen Programms: 2009 fand die 25. Jazzsession auf dem Museumshof statt!“

Höhepunkte aus 25 Jahren Kulturarbeit

Einige der Höhepunkte in 25 Jahren Kulturkreis Winsen waren:

– Klarinettist Sharon Kam

– Schauspieler Ernst Erich Bender

– Kontrabasstrio Die Alsterbrummer

– Kontrabassist Nabil Shehata

– Violaspieler Konstantin Sellheim

– Swing- und Klezmer-Trio A Tickle In The Heart

– Lars, Kirstin und Jörn Niederstrasser als Les Trois Saxophones

– Drei sehr junge Harfenistinnen

– Schauspieler Alexander May

– Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben

– Gerd Spiekermann

– Alix Dudel, Friedhelm Kändler und Uli Schmid

– Basta

– Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff als Amadeus – Guitar Duo

– Schauspielerin Juliane Kosarev

– Fagottist Oliver Hasenzahl

– Pianist Dieter Alber

Karriere fängt in Winsen an Neue Kulturformen entstehen

Mit kleinem Fest im Grooden Hus feiert Kulturkreis Winsen das Jubiläum

Franziska Melcher, Thorsten Encke, Katharina Sellheim, Modell Andante, Christoph Pohl oder Arndt Schmöle - die Liste ist lang. Die Liste derer, die zum Teil als junge Talente zum Kulturkreis Winsen kamen und inzwischen zu gern gesehenen Freunden wurden. Aus Freundschaften wurden Traditionen. Der Kulturkreis ist jetzt 25 Jahre alt und Lutz Stratmann, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, sagt, dass für einige Künstler hier eine internationale Karriere begann: „Auf diese Weise befruchten aktuelle und tradierte Kultur einander, und es entstehen ganz neue Formen.“

„Nein, niemals“, wollte Renate Neumann einmal im Scheinwerferlicht stehen und vor dem Publikum Begrüßungsreden halten und einen vergnüglichen Abend wünschen. Deshalb hielt sie sich in den Anfangsjahren des Kulturkreises immer sehr bedeckt und ließ andere in das Rampenlicht treten und Lob und Kritik ernten, während sie immer im Hintergrund zur Stelle war. – Und jetzt macht sie es doch: Mit inzwischen großer Sicherheit und Routine begrüßt Renate Neumann nun im Grooden Hus auf dem Museumshof des Winser Heimatvereins die Freunde, Mitglieder und Gäste des Kulturkreises und dankt den aufgetretenen Künstlern für ihre Darbietung. Wie zuletzt bei Alix Dudel, Friedhelm Kändler und Uli Schmidt. Dabei ist das jüngste Konzert nur eines von acht bis neun Highlights, die der Kulturkreis regelmäßig im Jahr anbietet.

„Der immer größer gewordene Mitgliederkreis ermöglicht es uns, ein vielseitiges Programm anzubieten. Damit konnten wir dazu beitragen, Winsen und insbesondere Dat Groode Hus als lebendigen und interessanten Veranstaltungsort weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt zu machen“, stellt Renate Neumann dann auch beruhigt fest und erinnert daran, dass der Kulturkreis als gemeinnütziger Verein als Neuling in der Winser Vereinslandschaft ganz allein laufen lernen musste: „Aber nicht immer fanden der Einfallsreichtum und die Begeisterung, mit denen an die Arbeit gegangen wurde, den erhofften Beifall von örtlicher Politik und Bevölkerung.“

Vorträge, Ausstellungen und Konzerte. Literatur, Musik und darstellende Kunst beherrschen das Programm des Kulturkreises seit 25 Jahren, wobei sich in den letzten Jahren Schwerpunkte herauskristallisiert haben. „Winsen steckt voller Kultur“, findet dann auch Gabriele Scheibner, die Schriftführerin des Kulturkreises. Neumann. „In nur wenigen Gemeinden Deutschlands ist ein großer Teil der Bevölkerung so aktiv in der Kulturpflege engagiert wie bei uns.“ Etliche Vereine gestalten ein lebendiges Miteinander und prägen damit das attraktive Gesicht der Gemeinde. „Und wo passt das Wort ‚Kultur' besser hin als in ein noch heute landwirtschaftlich geprägtes Gemeinwesen“, fragt Scheibner. Immerhin bedeutete es ursprünglich “bebauen” und “pflegen”.

Jubiläumsfest

Sonnabend, 19. September, 19.30 Uhr, Kleines Fest im Grooden Hus in Winsen: 25 Jahre Kulturkreis Winsen 1984 bis 2009. Für den musikalischen Rahmen sorgen Studentinnen der Gesangsklasse Prof. Carol Richardson-Smith, HMT Hannover und der Pianist Ermis Theodorakis.

Kontakt

Vorsitzende Renate Neumann

Rübeland 12

29308 Winsen

Tel. (05146) 2578

www.Kulturkreis-Winsen.de

Frankfurterin sorgt für Farbe in Winsens Kulturlandschaft

Als zum Ende der 70er Jahre die weltgereiste Journalistin Sonja Fröhling aus Frankfurt vom Main an die Aller nach Bannetze in die alte Schule zog, war für sie klar, dass der Ort im Westkreis kein Altersruhesitz werden sollte. Munter arbeitete die Frankfurterin mit Medien und Agenturen zusammen. Kein Wunder, dass sie damals die Initiative entwickelte, Kultur nach Winsen zu bringen, galt die Einheitsgemeinde an Aller und Örtze bis dahin kulturell eher als weißer Fleck auf der Landkarte.

Was lag da näher, als einen Kulturkreis zu gründen, der offen war für Angebote vielfältiger Art. Dabei fing alles höchst bescheiden an, wie sich die Gründerin Sonja Fröhling erinnert: „Ein paar unverdrossene Frauen aus Bannetze und Winsen setzten sich zusammen, weil sie meinten, dass es noch ein weiteres, neues Kulturangebot geben sollte, einen Kulturkreis eben.“

1984 gründeten sie den Kulturkreis Winsen. Sie wollten einfach nicht immer nach Celle oder Hannover fahren, um einen Vortrag zu hören oder um ein Konzert zu erleben. Seither ist die Situation fast umgekehrt: Besucher aus dem näheren und weiteren Umkreis, auch aus dem Raum Hannover und Hamburg kommen, um die ambitionierten Veranstaltungen des Kulturkreises zu erleben. „Da mit Dat Groode Hus auf dem Museumshof in Winsen ein wunderbarer Raum mit ausgezeichneter Akustik zur Verfügung steht, liegt der Schwerpunkt auf Musikveranstaltungen“, fasst die heutige Vorsitzende des Kulturkreises Winsen, Renate Neumann, die Bandbreite der Aktivitäten zusammen. „Herausragende junge Künstler, aber auch international renommierte Interpreten sind unsere Gäste.“ Nach Meinung der Gründerin Fröhling entwuchs der Verein schneller als gedacht den Kinderschuhen und lockte Kulturschaffende aus der klassischen und modernen Musikszene, der Literatur, aber auch aus Wissenschaft und Landeskunde zu Veranstaltungen ins Dorf. „Eine glückliche Erfahrung war für die Vereinsfreunde, dass Geld dabei nicht immer die entscheidende Rolle spielte.“ Ermöglicht wurden und werden die Vorträge, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden durch die Mitgliedsbeiträge der jetzt rund 130 Mitglieder und durch die Unterstützung der Gemeinde Winsen. „Nach 25 Jahren gehören dem Verein immer noch 14 Mitglieder an, die den Kulturkreis gegründet oder im Jahr 1984 eingetreten sind“, stellt Neumann erfreut fest.

Mitglieder treffen sich im Literaturkreis und für Opernfreunde werden Fahrten in die Staatsoper Hannover angeboten. Neumann: „Nur weil die gesamte Planung und Organisation ehrenamtlich erfolgt, ist es möglich, mit den geringen Mitteln ein so anspruchsvolles Programm zu gestalten.“

18 Jahre nach dem Umzug Sonja Fröhlings zurück nach Frankfurt ist wieder eine Frankfurterin mit Elan und Hingabe in den Kulturkreis eingestiegen ist: Mit Gabriele Scheibner bekommt der Verein frische Impulse.

Jugend an Kultur heranführen

Joachim Köhler ist schon lange Mitglied im Kulturkreis Winsen. Er findet das Programm mit seiner Vielfältigkeit immer wieder beeindruckend. „Das muss nur vermittelt werden“ Jetzt ist Köhler als stellvertretender Vorsitzender aktiv und will sich um die Nachwuchsarbeit kümmern: „Gerade jüngere Leute sollen kontinuierlich an die Kultur herangeführt werden. - Ein Generationenwechsel liegt irgendwann an.“

Bei Lesung Neues entdecken

Ursula Richter hatte bereits Erfahrungen in einem Literaturkreis gesammelt und entwickelte dann die Idee, auch in Winsen einen solchen Kreis zu gründen. Jetzt diskutieren die Frauen und Männer noch immer einmal im Monat die von ihnen gelesenen Texte. „Wirklich toll war die Lesung der sehr intelligenten Geschichten von Bernhard Schlink ‚Liebesfluchten´: Da gab es sehr viel Neues zu entdecken.“

Robert Gernhardt kam gut an

Gabriele Scheibner hat sich mit ihrem Mann von Frankfurt kommend für Celle und Winsen entschieden. „Nach der Frankfurter Alten Oper hatten wir als Konzertliebhaber hier fast einen Kulturschock. Aber hier in Winsen gab es die Aussicht, selbst mitmachen zu können.“ Den Ausschlag gab das Robert Gernhardt-Programm im Grooden Hus: „Da rechnet doch kein Mensch mit: Das war super!“

Kultursplitter

Ein großes Glück für die Akteure des Kulturkreises war die Begegnung mit der Pianistin Erika Buhe. Sie musizierte mit vielen Künstlern aus Celle und Umgebung, und mit ihnen war sie sofort bereit, im September 1984 das erste Museumskonzert in dem ersten fertig gestellten Haus auf dem Museumshof zu gestalten.

Es war kalt, die Bänke waren hart, aber das Publikum war begeistert. Der Charme des ungewöhnlichen Ereignisses, Erika Buhe an ihrem Cembalo und die anderen um die offene Feuerstelle im Flett versammelten Musizierenden, war einzigartig und der Applaus groß!

Von Lothar H. Bluhm