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Winsen Blühstreifenprogramm sorgt für Artenvielfalt
Celler Land Winsen Blühstreifenprogramm sorgt für Artenvielfalt
14:01 13.06.2010
Das Saatgut für Inkranatklee und Buchweizen hat Landwirt Heinrich Lammers noch aus dem vergangenen Jahr. Jetzt muss er entscheiden, was er damit macht. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Bannetze

„Ich verstehe die Welt nicht mehr“, stöhnt Landwirt Heinrich Lammers aus Bannetze über die Bürokratie beim Blühstreifenprogramm und schüttelt den Kopf. Jetzt hat er einen Ablehnungsbescheid von der Bewilligungsstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erhalten, denn sein Betrieb liegt nicht in der so genannten Gebietskulisse: Der Grünlandanteil im Raum Winsen ist zu hoch, bezogen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche.

Auf einer Fläche von sieben Hektar sät Lammers seit fünf Jahren Schlüsselblume, Luzerne, Inkranatklee, Phacelia, Waldstaudenroggen und Buchweizen aus. „Vor allem aus Sicht des Naturschutzes entwickelten sich die Flächen prächtig“, ist der Landwirt inzwischen recht stolz, denn allein im vergangenen Jahr schlüpften bei fünf Kiebitzpaaren insgesamt 14 Küken und bei zwei Rebhuhnpaaren wurden vier beziehungsweise sieben Junge flügge.

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Außerdem brüteten dort Schwarzkehlchen und Feldlerchen. Kreuzotter, Schling- und Ringelnatter sowie Blindschleiche und Schwalbenschwanz halten sich auf diesen Flächen auf. „Erdhummeln haben hier ihre Nester und der Feldhase fühlt sich wohl“, beschreibt Lammers das Blühstreifenprogramm und stellt fest: „Das bringt wirklich was für die Umwelt.“

Da der Bewuchs bis ins Frühjahr stehen bleibt, bieten die Blühstreifen vielen Tieren auch im Herbst und Winter Schutz. So konnte Lammers Zwergschnepfen beobachten, und die Sumpfohreule hatte hier lange ihr Quartier.

Im gesamten Land machten von den 53000 Betrieben etwa 1300 auf rund 8000 Hektar bei dem Umweltschutzprogramm mit, allein im Celler Land haben sieben Betriebe auf 45 Hektar Blühstreifen angesät, weiß Christof Mietkowski aus dem Geschäftsbereich Förderung von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Ziel des Programms: Zusätzliche Streifenstrukturen, Übergangsflächen und Verbindungskorridore zu ökologisch sensiblen Bereichen sowie Schutz-, Brut- oder Rückzugsflächen für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu schaffen.

Heiner Lammers möchte auch weiterhin am Blühstreifenprogramm teilnehmen und hat einen Verlängerungsantrag für weitere fünf Jahre gestellt. Die Verlängerung ist auch grundsätzlich möglich. Immerhin entwickelten sich seine Flächen zu ökologisch sensiblen Bereichen, es wurden Schutz-, Brut- oder Rückzugsflächen für Wildtiere geschaffen.

Darum beurteilt der Landwirt die Ablehnung eher skeptisch, zumal demnächst die Gebietskulisse abgeschafft werden soll. Dann kann das Agrarumweltprogramm praktisch überall gefördert werden. Für Heinrich Lammers bleibt die Entscheidung ein nicht nachvollziehbares Rätsel: „Durch das Blühstreifenprogramm wird fünf Jahre lang Natur aufgebaut, um sie dann im sechsten Jahr wieder zu zerstören“, klagt der Bannetzer Bauer und hofft auf eine Änderung der Ablehnung.

„Überall hört und liest man, dass etwas für den Artenschutz getan werden soll – hier passiert genau das Gegenteil“, ist Lammers sauer. Vom Verschlechterungsverbot will er gar nicht erst sprechen.

Von Lothar H. Bluhm