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Winsen Freundin stirbt in seinem Haus: Bekannter darf nicht bei Beisetzung in Wolthausen anwesend sein
Celler Land Winsen Freundin stirbt in seinem Haus: Bekannter darf nicht bei Beisetzung in Wolthausen anwesend sein
17:02 10.08.2018
Von Christopher Menge
Auf dem Friedhof Waldfrieden werden die Urnen grundsätzlich nicht im Beisein von Angehörigen oder Freunden beigesetzt. Quelle: Christopher Menge
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Wolthausen

Die 60-jährige Cellerin war am 23. Juni im Haus von Saker in Wienhausen plötzlich an einem Herztod gestorben. "Ich war völlig erschüttert", erzählt Saker. "Wir waren schon seit dem Konfirmandenalter befreundet." Da die Verstorbene kein Geld für die Beisetzung hatte, nahm sich das Ordnungsamt der Samtgemeinde Flotwedel der Sache an und suchte Angehörige – erfolglos.

In so einem – äußerst seltenen – Fall muss die Gemeinde, wo die Person gestorben ist, die Kosten tragen. "Wir sind gehalten, die günstigste Möglichkeit zu wählen", sagt Samtgemeindebürgermeister Helfried H. Pohndorf. Daher wurde der Friedhof Waldfrieden in Wolthausen für eine anonyme Bestattung gewählt.

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"Die Gemeinde Winsen hat vertraglich eine Teilfläche des Friedhofes Wolthausen der Firma CremTec GmbH für Bestattungen zur Verfügung gestellt", erklärt Dirk Burghardi, Hauptamtsleiter im Winser Rathaus. "Lediglich der eigentliche Bestattungsvorgang wird durch Friedhofsgärtner der Gemeinde Winsen durchgeführt." Und zwar ohne Angehörige und Freunde.

"Ich kann das nicht verstehen. Ich wollte nicht, dass sie alleine verscharrt wird", sagt Saker. "Auf der Internetseite des Krematoriums Celle steht, dass der letzte Weg Würde und Anteilnahme verdient hat. – Das widerspricht dem doch." Er habe Verständnis, dass die kostengünstigste Lösung gewählt werden müsste. "Aber es kostet doch nichts, wenn Freunde daneben stehen und Abschied nehmen", sagt der Wienhäuser. "Die Art, wie mit armen Menschen umgegangen wird, hat mich schwer erschüttert." Und auch eine dänische Freundin – die Verstorbene hatte dort ihre Wurzeln – hätte überhaupt kein Verständnis gehabt, dass sie nicht zur Beisetzung kommen durfte: "Das ist eine Schande in Deutschland".

Burkhardi erklärt das so: "Es werden jeweils mehrere Urnen gleichzeitig beigesetzt. Die Anwesenheit von Freunden/Angehörigen bei der Beisetzung würde immer das Einverständnis der Angehörigen der anderen Verstorbenen voraussetzen. Das ist in der Praxis nicht umsetzbar."

Das bestätigt auch Achim Prüße, kaufmännischer Mitarbeiter beim Krematorium Celle. "Es werden zwischen 12 und 21 Urnen beigesetzt. Es ist daher grundsätzlich nicht gestattet, dass jemand dabei ist." Dafür sind auch die Kosten, die in dem beschriebenen Fall der Steuerzahler tragen muss, deutlich geringer. Während eine anonyme Urnenbestattung laut der Winser Gebührenordnung normalerweise 700 Euro kostet, werden hier nur 183 Euro fällig.

Saker wäre allerdings auch bereit gewesen, die Kosten zu übernehmen, um bei der Beisetzung seiner Freundin dabei sein zu können. "Dem Herren wurde gesagt, dass das möglich ist", sagt Pohndorf. "Er hätte sich an den Bestatter wenden können." Saker hätte dann aber eine andere, teurere Bestattungsform wählen müssen, denn "die Urnenbeisetzungen im Waldfrieden finden nicht im Beisein der Angehörigen statt", wie auf der Homepage des Friedhofes zu lesen ist.

Alle Beteiligten haben sich also an Recht und Gesetz gehalten. Für Sascha Saker ist die Situation trotzdem unbefriedigend. Er kann nur auf dem Friedhof trauern – ohne die letzte Ruhestätte seiner langjährigen Freundin genau zu kennen.