Gedenkkreuz vom Fahrbahnrand gestohlen
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Winsen Gedenkkreuz vom Fahrbahnrand gestohlen
Celler Land Winsen Gedenkkreuz vom Fahrbahnrand gestohlen
13:49 13.06.2010
Susanne Carstensen an der Unfallstelle. Quelle: Birte March
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Winsen (Aller)

Blumen und Bilder stehen noch immer am Unglücksort, auf dem Seitenstreifen der Straße nach Bannetze – aber das Kreuz mit Bild und Inschrift, das an Bengt Carstensen erinnern sollte, fehlt. Der 18-Jährige war im Juli vergangenen Jahres bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Angehörige und Bekannte hatten daraufhin ein Gedenkkreuz aufgestellt. Vor einigen Tagen ist dieses spurlos verschwunden.

Bengts Mutter, Susanne Carstensen, ist ratlos: „Warum nimmt jemand ein Kreuz mit? Und wer tut so etwas überhaupt?“. Da das Grab ihres Sohnes außerhalb liege, sei die kleine Gedenkstätte an der L180 für sie bisher immer auch ein Ort zum Trauern gewesen. Weshalb dieser jetzt zerstört wurde, kann sie nicht nachvollziehen.

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Das Kreuz, das Tochter Lale und einige Freunde ihres Sohnes aufgestellt hatten, war schon kurz vor Weihnachten beschädigt worden. „Jemand hatte den Querbalken mit Gewalt herausgetreten“, erklärt Carstensen. Vergangene Woche hatte man den Schaden repariert und die Unfallstelle mit Blumen geschmückt. 48 Stunden später war das Kreuz verschwunden.

In Carstensens Trauer mischt sich jetzt Wut auf diejenigen, die diese pietätlose Tat begangen haben. Wer dahinter stecken könnte, kann sie sich nicht erklären. „Ich glaube kaum, dass es randalierende Jugendliche waren“, sagt Carstensen. Die Straße ist nicht stark befahren, an der Unglückstelle führt lediglich ein Radweg vorbei, mit dem Auto kann man hier nur schwer halten. „Es sieht aus, als hätte das jemand absichtlich getan.“

Im gesamten Landkreis erinnern Holzkreuze am Straßenrand an Unfallopfer. Auch wenn sie eigentlich nicht erlaubt sind, dulden Polizei und Kreisstraßenbehörden das Aufstellen der Gedenksymbole. „Nie würden wir auf die Idee kommen, so ein Kreuz zu zerstören oder zu entfernen“, erklärt Matthias Reinicke, Leiter der Straßenmeisterei Celle. „Von so einem Fall höre ich auch zum ersten Mal.“ Mit Vandalismus – beispielsweise an Straßenschildern – habe man hingegen täglich zu tun. „Das hat in den letzten Jahren zugenommen. Wir verzweifeln regelrecht daran.“

Auch Christian Riebandt, Pressesprecher der Celler Polizei, wundert sich über das Geschehen in Winsen. Eines sei aber klar: „Es handelt sich in diesem Fall um Diebstahl. Und der kann angezeigt werden.“ Um dem Täter auf die Spur zu kommen, sei man allerdings auf Zeugen angewiesen.

Susanne Carstensen möchte vor allem verstehen, warum das Kreuz ihres Sohnes von seinem Platz entfernt wurde. „Ich würde es gerne wieder aufbauen. Ich fürchte nur, dass das wenig Sinn macht. Man fühlt sich so machtlos.“ Carstensen hat Angst vor einem Endlosspiel, vor einem ewigen Hin und Her zwischen den Trauernden und den Unbekannten. Sie ist sicher: „Die Kraft, das durchzustehen, hätte ich nicht.

Von Birte March