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Winsen Verwirrend und brillant: Spätwerke von Beethoven
Celler Land Winsen Verwirrend und brillant: Spätwerke von Beethoven
21:26 28.04.2019
Zeigten mit ihrem musikalischen Können, wie Beethoven seine eigene Musik komponierend zertrümmert: das Kuss-Quartett bei seinem Konzert in Winsen. Quelle: David Borghoff
Winsen

War das jetzt die große Beethoven-Offenbarung durch das Kuss-Quartett im Winser Grooden Hus oder war es das nicht? Am Anfang des Abends war das doch länger als erwartet unklar, aber letztlich blieb doch ein Eindruck hängen, wie er kaum besser hätte sein können. Denn die vier begnadeten Musiker dieses Quartetts machten am Freitag spielend klar, dass Beethovens Spätwerk so modern wirkt wie manch heutige Musik nicht und dass eben diese bis heute hier auf faszinierende Weise erlebbare Modernität Anforderungen an die Zuhörer stellt, wie sie größer kaum sein könnten. Und es wird auch klar, dass sich gerade dieses Spätwerk in Teilen einer normalen Rezeption entzieht.

Eindruck von Ratlosigkeit

Beethovens späte Quartette sind streckenweise reine Experimente mit Tönen, die man hörend kaum mehr nachvollziehen kann. Man ist entweder fasziniert oder man schüttelt vielleicht auch verständnislos den Kopf, weil einem diese Musik so wirr vorkommt. Wenn nun das Kuss-Quartett beim Spiel des Quartetts op. 127 den Eindruck hinterlässt, als wäre es an der einen oder anderen Stelle auch ratlos, was hier Beethoven wie gemeint haben könnte, so kann man diese Haltung wohlwollend als angemessen ansehen.

Denn es wird nie zu klären sein, warum Beethoven in diesem Werk immer wieder Passagen schreibt, die sich jeder musikalisch-analytischen Logik entziehen. Vielleicht will er auch gerade diese Ratlosigkeit transportieren. Die Noten dieser Werke bringen auf jeden Fall kein Licht ins Dunkel dieser rätselhaften Musik. Das könnten höchstens Interpreten schaffen, die sich klar für eine Deutung entscheiden und diese ihrem Publikum anbieten. Das geschah aber hier nicht. Und deshalb blieben ein Paar Zweifel, ob das Quartett zu diesem Werk einen überzeugenden Zugang gefunden hat.

Eigene Musik zertrümmert

Anders wurde es dann beim in der Modernität noch weitergehenden cis-Moll-Quartett op. 131. Hier konnte man in Winsen eindeutig eine Wiedergabe erleben, die das komplexe Werk in aller Bewusstheit als solches ausstellt, die der inneren Dynamik dieser Musik genauso gerecht wurde wie ihrem Tiefgang. Da wurde brillant vorgeführt, wie Beethoven seine eigene Musik komponierend zertrümmert. Beethoven stellt hier ständig musikalisch geradezu collagierte Motive vor, um im nächsten Moment das gerade eben Gehörte in unendlich viele Einzelteile zu zersprengen.

Und dann erklingen immer wieder, wie Erleuchtungen aus anderen Sphären, musikalisch scheinbar schlichte und schöne Melodien, die so wirken, als würde sich der Komponist hier an Zeiten erinnern, als die Musik noch eindeutiger, fasslicher, ja geradezu wie selbstverständlich hörbar erschienen ist.

Stradivaris aus Paganinis Besitz

Das Kuss-Quartett hat opus 131 kongenial gespielt. Und auch die anfänglichen kleinen Mängel im Quartett op. 127 waren nun vergessen. Zu Recht große Begeisterung im gut besetzten Auditorium. Ach ja: Die beiden an diesem Abend erlebten Stradivari-Geigen stammten aus dem Besitz von Niccolo Paganini und wurden an diesem Abend das erste Mal öffentlich von diesem Quartett gespielt. Ob das nun irgendwie zum Eindruck dieses Abends beigetragen hat, das ist nicht zu entscheiden. Im Juni wird das Kuss-Quartett in Tokio sämtliche Beethoven-Quartette spielen und danach als CD-Box herausbringen.

Von Reinald Hanke

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