Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Winsen „Teilzeitrebellin“ begeistert Winser Publikum
Celler Land Winsen „Teilzeitrebellin“ begeistert Winser Publikum
22:32 17.03.2019
Kontrastreiches Programm: Turid Müller im Kulturcafé „Nebenan“. Quelle: Kirsten Pröve-May
Winsen

Es sind manchmal die kleinen Orte, die Großes hervorbringen. Und so war es auch an diesem Abend im bis auf den letzten Zentimeter gefüllten Kulturcafé „Nebenan“ in Winsen. „Teilzeitrebellin“ Turid Müller zusammen mit dem Pianisten Stefan Sieveking, beide aus Hamburg, gaben sich die Ehre.

Die diplomierte Psychologin und ausgebildete Schauspielerin – ein Kontrast an sich – begeisterte das Publikum mit einem ebensolchen kontrastreichen Programm. Auf der einen Seite das Lustige („Ich bin belastbar, mein Konto ist es nicht“), im nächsten Lied singt sie „Ihre Haut auf der Seele ist dünn wie Papier“. Zahlreiche Themen wie Trauer, Demenz oder die Nachkriegsgeneration („Der Hunger von damals kennt dich noch“) wechselten sich mit politischen Themen ab. Müller bezog aber auch immer wieder das Publikum mit ein und machte aus den Antworten auf Fragen, was die Leute aufregt, wem man nicht mehr zuhören mag, was sie stört oder was sie noch hören wollen, kurzerhand ein neues Lied.

Keine abgedroschenen Phrasen

Und genau das ist ihre Kunst: keine abgedroschenen Phrasen, keine Anekdoten, die man schon mitsprechen kann, da man sie so oft gehört hat, kein „Reim dich, oder ich fress dich“, sondern tiefgründige Wortzusammensetzungen, die vielen aus der Seele sprechen. Hinzu kam die glasklare Aussprache, verbunden mit einer wunderschönen Stimme, stimmig begleitet vom Pianisten, der aber auch immer wieder zu Späßchen aufgelegt war.

In einem Lied über einen genervten Ehemann, dessen Frau nur mit dem Anfertigen von Fotos beschäftigt ist, heißt es: „Finger, Knopf und Speicher glühen“. Doch nach einem missglückten Festhalteversuch am Steilhang: „Inselstrand im Morgenlicht. Heute knipst Franziska nicht. In der Brandung steh'n zwei Schuhe. Konrad Schmidt hat endlich Ruhe.“ Und an anderer Stelle: „Ich weiß auch nicht, ob die Lieder was bewirken, die wir singen. Ich weiß es doch auch nicht, nur das kann doch kein Grund sein, es nicht zu riskieren, wir werden es nie wissen, wenn wir es nicht probieren.“

In gemütlicher Runde mit dem Publikum

An diesem Abend hatten Müllers Lieder etwas bewirkt und viele Zuhörer sprachen ihr persönlich ihre Anerkennung aus. Denn das macht diese kleinen Bühnen aus, die Künstler sind nicht unnahbar, sondern sitzen nach ihrem Auftritt in gemütlicher Runde mit dem Publikum zusammen und lassen den Abend Revue passieren.

Turid Müller verabschiedete sich mit der Einladung an das Publikum, auch eine „Teilzeitrebellin“ zu werden. Schön wäre es aber auch, sie demnächst als „Vollzeitrebellin“ erleben zu können.

Von Kirsten Pröve-May

Ein Junge aus Meißendorf vergisst am Montagmorgen seine Busfahrkarte. Während der Busfahrer ihn nicht mitnehmen möchte, hilft ihm ein Mädchen sofort.

Oliver Gatz 13.03.2019

Innerhalb von drei Wochen sind auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule in Winsen über 20 Mehlschwalben-Nester fast vollständig verschwunden.

11.03.2019

Was verbirgt sich hinter dem "Palais am Marktplatz" in Winsen? Und wo wächst die Gemeinde derzeit noch? Und wann geht es hinter der Poststraße weiter?

Andreas Babel 11.03.2019