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Winsen Krizsan greift BI Walle an: Peinlich und beschämend
Celler Land Winsen Krizsan greift BI Walle an: Peinlich und beschämend
16:36 19.07.2011
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Der Winser Ratsherr hat aus der Auswertung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit zum Bebauungsplan in der Sandkuhle Walle mehrere Stellungnahmen zusammengetragen. So habe Albrecht Hoppenstedt, vehementer Kritiker der Anlage von Investor Jürgen Lindhorst, gesagt: "Die Nähe zur Gedenkstätte Bergen-Belsen ist ein doch nicht unerheblicher Grund, hier kein Gewerbegebiet zur Erzeugung von Gas zu errichten. Ein Sturmlauf der jüdischen Einrichtungen wird zu Recht befürchtet." Und: "Gerade eine Anlage zur Produktion von Gas hat hier absolut nichts zu suchen." Ähnlich äußert sich der Vorsitzende der BI Walle, Heinz Glinke. Die Waller Bürger Edeltraud und Werner Höhn zitiert Krizsan aus den Stellungnahmen wie folgt: "Was würde wohl die kleine Anne Frank denken, wenn die eine solche Pietätlosigkeit und Verhöhnung der Toten in Belsen erleben müsste?"

Krizsan, der bis 2002 in der Gedenkstätte gearbeitet und den Besucherdienst aufgebaut hat, betont, dass das KZ Bergen-Belsen ein Aufenthalts- und Todeslager, nicht aber ein Vernichtungslager gewesen sei. Im Lager habe es keine Gaskammer gegeben. Krizsan: "Da fehlt das Geschichtsbewusstsein, trotz der Nähe zur Gedenkstätte. Was hat Biogas mit Zyklon B zu tun?"

Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, bestätigte die historischen Anmerkungen von Krizsan. Ob es sich um eine "Instrumentalisierung von Leiden" handele, wie der Grünen-Politiker kritisiert hatte, wollte Knoch nicht bewerten. Er habe derzeit keinen Anhaltspunkt dafür, dass Überlebende und Angehörige eine Verbindung von Biogas zum menschlichen Leid in Bergen-Belsen sehen könnten, sagte Knoch. "Die Reaktion von Besuchern und jüdischen Einrichtungen lässt sich nicht vorhersagen."

Die Gedenkstätte hatte im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Biogasanlage wie etliche Bürger, Behörden und Einrichtungen Stellung genommen. Der Stiftung gehe es darum, dass der Betrieb und die Belieferung der Biogasanlage keine Auswirkungen auf die Gedenkstätte habe, so Knoch. Das gelte für die Belastung der Verkehrswege als auch die Würde des Gedenkens.

Die Unterstützung von Krizsan für Lindhorst ist nicht neu. Anfang 2010 hatte er sich für das Projekt in Walle ausgesprochen. Der Grüne hatte gesagt, dass Lindhorst ein "echter Unternehmer" sei, der viele Arbeitsplätze geschaffen habe. Zudem sei Walle eine Streusiedlung an einer Durchgangsstraße ohne erkennbaren Dorfkern. Es gebe schmerzliche Kompromisse, die eingegangen werden müssten, sagte er mit Blick auf die "Vermaisung der Landschaft". Die Grünen hatten sich daraufhin von Krizsan distanziert.