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Kultur Winsen Große Musik ohne Effekthascherei
Celler Land Winsen Kultur Winsen Große Musik ohne Effekthascherei
15:45 18.02.2019
Das Klavierduo Silver-Garburg (Sivan Silver am Piano) war mit Unterstützung von Christian Altenburger (Violine) zu Gast im Winser Museumshof. Quelle: Oliver Knoblich
Winsen

Dieses Klavier-Duo ist unzweifelhaft eines der führenden überhaupt – gemeint ist damit das Duo Sivan Silver und Gil Garburg. Ausgebildet in Hannover beim legendären Arie Vardi, heute in Berlin lebend, ist es seit über zehn Jahren international unterwegs; die beiden unterlassen es aber in keinem einzigen Jahr, an einen derjenigen Konzertorte zurückzukommen, in dem sie bereits regelmäßig gespielt haben, als sie noch nicht so bekannt waren, nämlich ins Groode Hus nach Winsen.

Igor Strawinskys „Petruschka“

Da sie hier schon viele Programme gespielt haben und im Gegensatz zu vielen Sälen in denen sie spielen, hier aber nur einen Flügel zur Verfügung haben, gab es in Winsen in den letzten Jahren zumeist Programme eher ungewöhnlicher Art, nämlich Kombinationen aus Solo- und Duo-Programm. So ähnlich auch dieses Jahr: Das Klavier-Duo kombinierte die originale vierhändige Fassung von Igor Strawinskys „Petruschka“ mit Stücken für Violine und Klavier von Dvorak und Schubert. Dazu brachten sie noch den österreichischen Geiger Christian Altenburger mit. So bekam dieses Konzert eine zusätzliche Farbe, ob diese Farbe allerdings eine Bereicherung darstellte, das darf doch bezweifelt werden, denn das Spiel Altenburgers blieb weitgehend blass. Die unbekannten Dvorak-Stücke erhielten mehr Reiz durch Silvers wunderbar differenziertes, so pointiertes wie subtil den Hintergrund ausmalendes Klavierspiel als durch das Geigenspiel. Und beim Schubert war man doch erstaunt, dass Altenburger dieser Musik zwischen scheinbar ziellosem Schlendern und existentialistischen Gefühlswelten so wenig tief in die Seele Eindringendes abgewinnen konnte. Das war, abgesehen vom Klang von Altenburgers Geige, doch etwas enttäuschend.

Musik ohne Effekthascherei

Aber das Duo spielte dann ja die zweite Programmhälfte zusammen. Und zwar wunderbar wie fast immer. Es gab allerdings ein nicht geplantes Stück, das kurzfristig ins Programm genommen werden musste, weil eine kleine Verletzung das nötig gemacht hat. Deshalb also Strawinskys „Petruschka“, das bereits vor einigen Jahren schon in Winsen zu hören war. Und es war auch dieses Mal wieder ein elementares Erlebnis, mit welch selbstverständlicher Harmonie dieses musizierende Ehepaar die durchaus auf Wirkung bedachte Musik ohne Effekthascherei, aber mit größtem Effekt zum Erklingen brachte. Während Silver immer wieder in schier unendlicher Vielfalt von Staccato-Anschlagsarten und klanglichen Zuspitzungen brillierte, hielt Garburg den großen Bogen, verlieh mit Kraft und Weichheit dem Klavierklang eine immense Substanz, aus der heraus auch leiseste Passagen nie zu dünn wirkten. Und immer wieder faszinierte die Feinabstimmung zwischen den beiden, die selbst abenteuerlichste Passagen als leichte Übung erscheinen lassen. Und dann wurden auch noch die melodischen Momente so genüsslich ausgekostet, dass das Zuhören einfach zur Wonne werden musste.

Von Reinald Hanke