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Winsen Landwirt zeigt, was Blühstreifen bringen
Celler Land Winsen Landwirt zeigt, was Blühstreifen bringen
16:49 15.07.2011
Zurzeit blüht der Buchweizen auf den Blühstreifen-Flächen von Heiner Lammers. - Quelle: Lothar H. Bluhm
Bannetze

Schlüsselblume, Luzerne, Inkranatklee, Rotklee, Phacelia, Waldstaudenroggen und Buchweizen. Es ist eine bunte Mischung von Pflanzen, die Heiner Lammers auf gut acht Hektar aussäht. Seit Jahren legt der experementierfreudige Landwirt aus Bannetze Blühstreifen an, auch wenn sie wegen des hohen Gründlandanteils in Winsen, bezogen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche, vorübergehend nicht gefördert wurde.

Im Kreistag gab es kürzlich eine intensive Debatte über diese bunten Felder. Soll der Kreis ein eigenes Programm für die Förderung von Blühstreifen auflegen oder nicht. Am Ende wurde der Antrag der SPD, dafür 10.000 Euro im kommenden Haushalt zur Verfügung zu stellen, von der Mehrheit mit dem Hinweis abgelehnt, dass diese Summe zu klein sei und es bereits bestehende Förderprogramme geb. Doch diese Programme sind der Opposition zu bürokratisch, so dass sie nach ihrer Meinung von Landwirten nicht genutzt werden.

Heiner Lammers kann die Förderung von Blühstreifen wohl nur empfehlen. „Vor allem aus Sicht des Naturschutzes entwickelten sich die Flächen prächtig“, ist der Landwirt inzwischen recht stolz auf die Flora und Fauna. Allein in diesem Jahr schlüpften bei sieben Kiebitzpaaren etliche Küken und bei zwei Rebhuhnpaaren wurden ebenfalls Junge flügge.

„Neben Insekten und Amphibien halten sich in den Blühstreifen auch Wachteln, Hasen, Feldlerchen, Schafstelzen und Kraniche auf“, hat Lammers während seiner Beobachtungen festgestellt. Kürzlich hat er auch eine in dieser Region ausgesprochen untypische Großtrappe gesehen. „Die Blühstreifen bringen wirklich was für die Natur.“ Da der Bewuchs bis ins Frühjahr stehen bleibt, bieten Blumen und Gräser vielen Tieren auch im Herbst und Winter Schutz vor Feinden und Wind.

Generell fördert die Europäische Union diese Agrarumweltmaßnahmen, auch wenn die Förderung mit viel Papierkrieg verbunden ist. Ziel des Programms ist es, zusätzliche Streifenstrukturen, Übergangsflächen und Verbindungskorridore zu ökologisch sensiblen Bereichen sowie Schutz-, Brut- oder Rückzugsflächen für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu schaffen.

Im gesamten Land machten von den 50.000 Betrieben über 1900 auf fast 11000 Hektar bei dem Umweltschutzprogramm mit, allein im Celler Land haben 24 Betriebe auf 119 Hektar Blühstreifen angesät, weiß Christof Mietkowski aus dem Geschäftsbereich Förderung von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Lammers ist auch froh, dass demnächst die Hundskamille auf dem neuen Lärmschutzwall in Celle-Klein Hehlen nur vorübergehend dort wachsen soll. „Da ist doch fast kein Insektenleben drin und die Kamille vermehrt sich rapide“, befürchtet der Landwirt, der sich ausgiebig mit Naturschutz beschäftigt. „Denn jetzt sind da weder Bienen noch Fliegen zu finden. Vielleicht ein paar Kohlweißlinge oder Hummeln.“ Das sei für Insekten nicht attraktiv.

Von Lothar H. Bluhm und Tore Harmening