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Winsen Lindhorst-Wilke-Streit geht weiter
Celler Land Winsen Lindhorst-Wilke-Streit geht weiter
14:07 13.06.2010
Von Simon Ziegler
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Walle

Erst beschimpft der Winser Unternehmer Jürgen Lindhorst die beiden Kommunalpolitiker Albrecht Hoppenstedt (FDP) und Reiner Wilke (SPD) als „Brandstifter“ und „politisch unfähig“ und zerrt die persönlichen Verhältnisse des FDP-Politikers an die Öffentlichkeit – jetzt droht er Wilke auch mit rechtlichen Schritten. Im Streit um die Errichtung des „Ökologischen Gewerbegebietes Walle“ hat Lindhorst einen Anwalt eingeschaltet. Die Erklärung des Waller Ortsbürgermeisters Wilke, wonach „sich Vorgänge häufen, dass Lokalpolitiker von Lindhorst unter Druck gesetzt werden“, seien „in den Raum gestellt worden“, heißt es in einem Anwalts-Schreiben, das der CZ vorliegt. „Sollte sich herausstellen, dass Ihre Äußerungen ohne Substanz erfolgt sind, erwarten wir Ihre unverzügliche Klarstellung und Entschuldigung“, schreibt der Anwalt weiter.

Da Wilke auf das Schreiben nicht reagiert hat, wurde ihm eine Frist bis zum 11. Januar gesetzt, in der Wilke aufgefordert wurde, die Behauptung zurückzunehmen. Andernfalls werde man Lindhorst raten, gerichtliche Schritte gegen Wilke einzuleiten.

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Doch der SPD-Politiker denkt gar nicht daran, sich dem Lindhorst-Druck zu beugen. „Ich sehe dem gelassen entgegen. Von mir aus kann er mich verklagen. Ich habe inzwischen ein dickes Fell“, sagte Wilke. Er behalte sich vor, selbst einen Anwalt zu Rate zu ziehen, „wenn das weiter eskaliert“. Beide Politiker hatten nach den persönlichen Angriffen Lindhorsts ihrerseits auf rechtliche Schritte verzichtet.

Ob sich Lindhorst mit seinem Agieren indes einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Denn für die Genehmigung seiner Pläne, im Nordwesten von Walle eine Mega-Biogasanlage zu errichten, braucht er die Zustimmung des Winser Gemeinderates.

Nachdem die Politik für seine Pläne zunächst Zustimmung signalisiert hatte, gibt es inzwischen entschiedenen Widerspruch. Der SPD-Ratsherr Maximilian Schmidt sagte, dass er sich dafür einsetzen werde, dass dem Vorhaben zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugestimmt werde. „Ich hoffe, dass die Mehrheit des Rates diesen Umgang nicht zulässt. Dieser Umgang eines Investors mit gewählten Volksvertretern lässt Rückschlüsse auf dessen Demokratieverständnis zu“, kritisierte Schmidt.

Lindhorst hat sich für seine Äußerungen bislang nicht entschuldigt. Gegenüber der CZ sagte er aber, dass er bereit sei, sich mit Hoppenstedt und Wilke an einen Tisch zu setzen und „die Fehde beizulegen“. Zudem werde er die Waller Bevölkerung Anfang Februar in einer Veranstaltung über sein Vorhaben informieren. „Dort werden wir vernünftige Vorschläge unterbreiten, die eigentlich dazu führen müssen, dass uns eine Unterstützung nicht versagt wird“, so Lindhorst.

KOMMENTAR

Jürgen Lindhorst ist ein Mann, der es gewohnt ist, dass seine Vorstellungen umgesetzt werden. Widerspruch wird offenbar nicht geduldet, wie seine unverschämten und arroganten Äußerungen über zwei Lokalpolitiker zeigen. Reiner Wilke und Albrecht Hoppenstedt jedoch machen nichts anderes, als für ihre Überzeugung zu werben. Was bitte soll denn sonst die Aufgabe von Politik sein, als Mitstreiter zu finden, Mehrheiten zu organisieren und das Gemeinwohl mitzugestalten?

Der Großunternehmer kennt es nicht, dass ein kleiner SPD-Ortsbürgermeister und ein FDP-Mitstreiter ihm die Stirn bieten. Es wäre Lindhorsts Aufgabe gewesen, den Waller Bürgern ihre Ängste zu nehmen. Das hat er versäumt. Stattdessen geht er über seine Anwälte gegen Wilke vor – die Fronten wird das weiter verhärten, auch wenn er jetzt bereit ist, die „Fehde beizulegen“, wie er gestern sagte.

Man kann ihm nur raten, dass er zuerst seine Anwälte zurückzieht und sich öffentlich entschuldigt. Andernfalls sollten sich die Ratsmitglieder genau überlegen, ob sie dem Projekt ihre Zustimmung geben oder nicht. Es darf nämlich nicht sein, dass Volksvertreter so behandelt werden. Es wäre Zeit, dass sich der Gemeinderat solidarisch zeigt.