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Winsen Millionär aus Winsen lädt AfD-Politiker Björn Höcke zum Kennenlernen ein
Celler Land Winsen Millionär aus Winsen lädt AfD-Politiker Björn Höcke zum Kennenlernen ein
18:58 05.06.2018
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Jürgen Lindhorst betonte gegenüber der CZ, dass der Besuch am Montag vor einer Woche nichts mit der in Schmalhorn ansässigen Lindhorst-Gruppe zu tun habe. Er habe als Privatperson eingeladen, Höcke sei als Privatmann erschienen. "Ich wollte mir ein Bild machen von dem Menschen und Politiker", sagte Lindhorst.

Doch Jürgen Lindhorst ist natürlich kein gewöhnlicher Winser Privatmann. Der frühere Chef des Firmenimperiums – inzwischen gibt es unter dem Dach der Lindhorst-Gruppe rund 200 Firmen – kennt Höcke nach eigenen Worten von seinen Geschäften aus Thüringen. Dort ist die Lindhorst-Gruppe seit vielen Jahren aktiv und unterhält Kontakte zu verschiedenen Parteien, etwa zu CDU und FDP, wie Lindhorst sagte: "Ich habe Björn Höcke im Thüringer Landtag kennengelernt und fand ihn sympathisch und sehr intelligent." Höcke ist dort AfD-Fraktionsvorsitzender.

Zu dem Gespräch in Schmalhorn habe er Freunde und Bekannte eingeladen, so Lindhorst. Außerdem waren der Bundestagsabgeordnete und Celler AfD-Chef Thomas Ehrhorn sowie Winser AfD-Vertreter zugegen. "Höckes Vita und seine Einstellungen zu Familie und traditionell deutschen Werten haben mich beeindruckt. Diese Menschen machen mich neugierig", erklärte Lindhorst auf CZ-Anfrage. Nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft ist er heute als Aufsichtsratschef der JLW Holding AG tätig.

Björn Höcke verkörpert den ultrarechten Flügel der Alternative für Deutschland. Ihm wurde wiederholt vorgeworfen, sich rassistisch geäußert zu haben. Landesweit Aufsehen erregte seine Dresdner Rede aus dem Januar 2017. Damals hatte er eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert und unter Bezug auf das Holocaustmahnmal in Berlin von einem "Denkmal der Schande" gesprochen. 2015 hatte er in der Fernsehsendung "Günther Jauch" vom "tausendjährigen Deutschland" fabuliert. Immer wieder wurde auch über eine mögliche Nähe Höckes zur rechtsextremen NPD berichtet.

Es verwundert vor diesem Hintergrund kaum, dass ausgerechnet Höcke jetzt den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland nach seiner "Vogelschiss"-Äußerung über die NS-Zeit verteidigte. „Diejenigen Hypermoralisten, die jetzt wieder aufschreien, diese Ober-Phrasendrescher vom Schlage einer Frau Kramp-Karrenbauer (...), die mit ihrer Politik dafür sorgen, dass unsere Sozialversicherungssysteme (...) zur Plünderung freigegeben werden, die mit ihrer Politik dafür gesorgt haben, dass unsere innere Sicherheit zerfällt, die zumindestens indirekt dafür verantwortlich sind, dass unsere Töchter und unsere Frauen angemacht, vergewaltigt und getötet werden, diese Herrschaften haben in meinen Augen jedes Recht verwirkt, sich moralisch über AfD-Politiker zu äußern“, sagte Höcke in Berlin. Journalisten warf Höcke vor, Gaulands Zitat aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.

Er habe Höcke in Winsen nicht als Agitator und Aufpeitscher erlebt, sagte Lindhorst, der sich "nicht alle AfD-Positionen" zu eigen mache, wie er sagte. Auf Nachfrage distanzierte er sich von Höckes "Ausfällen", etwa der Äußerung, wonach das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande" sei. Die "Vogelschiss"-Äußerung von Gauland sei inakzeptabel. Nichts zu tun haben wolle er mit dem früheren Vorsitzenden der AfD Sachsen-Anhalt, André Poggenburg. Der hatte von Türken als „Kümmelhändlern“ und „Kameltreibern“ gesprochen.

Jürgen Lindhorst war nach eigenen Worten viele Jahre CDU-Mitglied. Inzwischen sei er parteilos und wolle dies auch bleiben, sagte er. Zugleich kündigte Lindhorst an, künftig immer wieder Politiker zu Gesprächen einzuladen. Im Spätsommer wird der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach erwartet – auch hier handele es sich um eine private Veranstaltung, so Lindhorst.

Meinung: Was soll das?

Eines vorweg: Jürgen Lindhorst – da hat er völlig Recht – kann einladen, wen er will. Er kann sich mit Politikern von Rechts- oder von Linksaußen treffen, wie es ihm gefällt. In einem freien Land ist das eine Selbstverständlichkeit. Genauso selbstverständlich ist es allerdings, dass Fragen gestellt werden, wenn solch umstrittenen Politikern wie Björn Höcke der Hof gemacht wird – auch wenn die Veranstaltung einen privaten Rahmen gehabt haben mag. Zur Einordnung: Höcke bewegt sich am äußersten Rand des politischen Spektrums. Es gibt Politikwissenschaftler, die ihn als rechtsradikal und rassistisch bezeichnen. Noch 2010 hat sich Höcke an einem Neonazi-Aufmarsch in Dresden beteiligt. Mehrfach wurde gegen ihn ermittelt, unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Warum man so jemanden zu sich nach Hause einladen muss, wird das Geheimnis von Jürgen Lindhorst bleiben. Was erhofft er sich davon, mit einem solchen Agitator zu sprechen? Ist ihm nicht klar, in welche Ecke er sich selbst rückt? Es geht übrigens nicht darum, die AfD zu verteufeln. Nur: Wenn man sich schon mit einem AfD-Politiker zur Plauderstunde treffen will, so hätte es gewiss auch moderatere Vertreter gegeben.

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