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Winsen Nach Vorfall in Bannetze: Wie weit geht der Wolf noch?
Celler Land Winsen Nach Vorfall in Bannetze: Wie weit geht der Wolf noch?
11:26 30.01.2018
Winsen

Zuvor soll das Tier an der Langen Straße in Meißendorf von einer Anwohnerin durch Hupen vertrieben worden sein. Gibt es im Celler Westkreis einen neuen Problemwolf?

Wolfgang Hartung war zufällig am Sonntagvormittag mit dem Auto vorbeigekommen und griff sofort ein, als er die Kinder und ihren Opa in Nähe des Raubtieres sah. Der Jäger glaubt, dass es sich um den gleichen Wolf handelt, den ein Bekannter in Jeversen fotografiert hat, als er am Gartenzaun umher streifte. "Die weiße Blesse ist auffällig – das muss der gleiche sein", sagt Hartung. 

"Es ist eine Situation erreicht, in der man handeln muss", sagt Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann. "Wir dürfen nicht warten, bis etwas passiert." Schließlich wisse man nicht, was ein Wolf mache, wenn sich ein Kind auf allen vieren in der Sandkiste bewegt. Auch kleine Hunde, die im Garten spielen, könnten vom Wolf angegriffen werden. "Der Wolf muss besendert und notfalls auch abgeschossen werden", sagt Oelmann.

Wolf als Thema für die Politik

Bis Mitte Februar soll nun eine Bürgerinformationsveranstaltung einberufen werden. Danach sollen konkrete Forderungen formuliert und an die Landesregierung adressiert werden. Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Horst Kortlang, fordert nach dem Vorfall in Bannetze "endlich ein tragfähiges Konzept von der Landesregierung". "Wenn es jetzt sogar so weit kommt, dass Kinder von einem Wolf angeknurrt werden, ist eine Grenze weit überschritten. Es muss dringend gehandelt werden“, so Kortlang.

Wolfsberater sieht keine Gefahr für Menschen

Der Celler Wolfsberater Volkhard Pohlmann hält es zwar für "nicht normal, dass ein Wolf durch die Ortschaft läuft", sieht aber derzeit noch keine Gefahr durch die Beutetiere für den Menschen. "Die Wölfe haben genug zu fressen", sagt Pohlmann, der aber überzeugt ist, dass Wölfe schon bald bejagt werden müssen. Er wundert sich, dass die Fachleute aus Finnland, Norwegen und Schweden zwar zu Vergrämungsmöglichkeiten befragt, ihre Erfahrungen mit dem Wolf aber ignoriert werden. In Skandinavien werden die Tiere bejagt. "Wenn in Schweden ein Problemwolf auftaucht, wird schnell gehandelt und das Tier entnommen", sagt Pohlmann.

Ein Knurren sei sowohl beim Hund als auch beim Wolf ein Hinweis, sich besser nicht zu nähern, sagt die Pressesprecherin des Wolfsbüros Bettina S. Dörr. Zwei Biologinnen seien gestern in Bannetze gewesen, um dem Vorfall nachzugehen. "Nach Abschluss der Recherche wird festgelegt, ob und welche Maßnahmen eventuell ergriffen werden", so Dörr, die betont, dass "Kinder ebenso wie Erwachsene von Wölfen als Menschen wahrgenommen werden und deshalb nicht zum Beutespektrum von Wölfen gehören".

Anwohner sorgen sich um Kinder

Die Begegnung eines Wolfes mit zwei Kindern am Sonntag ist das Gesprächsthema in Bannetze und Umgebung. Es spaltet die Dorfbewohner in mehrere Lager. Während einige ruhig bleiben und abwarten wollen, ist gerade unter vielen Eltern und Hundebesitzern die Sorge groß, dass es irgendwann zum "großen Knall" kommt. „Bis jetzt ist noch nichts passiert, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Warum sollte der Wolf denn abgeneigt sein, auch einen Menschen anzufallen, ist ja schließlich auch Beute?“, sorgt sich Familienvater Florian Gierke.

Das sagen weitere Anwohner

Auch Renate Bauer (Name von der Redaktion geändert) ist überzeugt, dass der Wolf schon bald Menschen anfällt, wenn man ihm nicht den Garaus macht. „Die Wölfe müssen geschossen werden, damit sie wieder Angst vor dem Menschen haben", ist Bauer überzeugt. Sie hofft, dass die Politik nach dem Vorfall in Bannetze endlich aktiv wird, ehe es zu spät ist.

Für die Meißendorferin Erika Plumhof ist der Wolf hingegen kaum ein Thema. Sie geht jeden Tag mit ihrem Hund mindestens dreimal im Wald spazieren und hat bisher noch nie einen leibhaftigen Wolf zu Gesicht bekommen. „Überall im Dorf sehen sie den Wolf, aber ich habe ihn noch nie im Wald gesehen“, wundert sich die 67-Jährige. Auch Elke Schmidtmer geht regelmäßig mit ihren drei Hunden spazieren und hat in zehn Jahren gerade einmal einen Wolf gesehen. „Da hab ich mehr Angst, dass mir ein Wildschwein begegnet“, gibt sie lachend zu.

Ganz anders sieht es da bei Hundebesitzerin Kerstin Ahlden und ihrer Freundin Gesine Müller aus. Beide Frauen sind unsicher, wo „das alles noch hinführen soll“.„Die Wölfe gehen ja auch über Zäune und verursachen für die Schäfer große Schäden", sagt Gesine Müller und Kerstin Ahlden ergänzt: „Der Wolf kann sich nicht einfach so ungehindert weiter vermehren. Schließlich sind wir ja hier nicht in Sibirien.“ Ahlden sitzt immer noch die Begegnung mit einem Wolf aus dem vergangenen Jahr in den Knochen. Seitdem geht sie ganz anders durch den Wald. „Einige Wege traue ich mich gar nicht mehr zu gehen. Ich weiß ja nicht, zu was so ein Tier fähig ist und ob die einen als Risiko oder Beute sehen“, erzählt die 49-Jährige. Keiner, der einen Hund hat, gehe noch gerne in den Wald. „Ich fühle mich total eingeschränkt“, beklagt sich Ahlden.

"Der Wald gehört doch auch uns"

Die Bannetzerin Anja Müller lässt sich hingegen von den Wolfssichtungen weder verunsichern noch einschränken und geht jeden Tag mit ihrer Hündin Püppi kreuz und quer im Wald spazieren. "Natürlich ist die Geschichte mit den Kindern jetzt eine ganz andere Hausnummer", räumt Müller, die selbst einen dreijährigen Enkel hat. Angst habe sie allerdings nicht und werde auch in Zukunft weiterhin mit ihrer deutschen Dogge Waldspaziergänge unternehmen. „Ich will mich von niemandem, auch nicht dem Wolf, so in die Enge treiben lassen, dass ich mich nicht mehr aus dem Haus traue. Der Wald gehört doch auch uns“, sagt die 53-jährige Müller.

Von Audrey-Lynn Struck und Christopher Menge